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10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen

Australien, 2006
Abenteuer-Komödie, 91 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Ten Canoes

Kino-Start
09.08.2007

Regie
Rolf de Heer, Peter Djigirr

Darsteller
Crusoe Kurddal (Ridjimiraril), Jamie Gulpilil (Dayindi / Yeeralparil), Richard Birrinbirrin (Birrinbirrin), Frances Djulibing (Nowalingu), Michael Dawu (Fremder), Peter Minygululu (Minygululu), Sonia Djarrabalminym (Banalandju), Cassandra Malangarri Baker (Munandjarra), Bobby Bununggurr (Onkel)
10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen - Kinoplakat
Bei den Filmfestspielen in Cannes 2006 erhielt ein ungewöhnliches Werk den Spezialpreis der Jury mit einer besonderen Erwähnung: "10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen" vom gebürtigen Holländer und in Australien lebenden Rolf de Heer ist ein Film über die Abenteuer einer Sippe australischer Ureinwohner, über ihre Kultur und auch über ihre Mythen.

Dayindi (Jamie Gulpilil) ist Angehöriger des Volkes der Yolngu in Australien. Der junge Urweinwohner lebt mit seinem Clan in Ramingining, im Norden des Kontinents. Es ist Jagdsaison, und die Männer bauen aus Baumrinde Kanus, womit sie Gänse jagen und deren Eier sammeln. Währentdessen verliebt sich Dayindi in die jüngste Frau seines Älteren Bruders. Um ihn wieder auf den rechten Weg zu leiten, erzählt ihm der Stammesälteste Minygululu (Peter Minygululu) eine Geschichte:

Vor langer Zeit, an einem entfernten Ort lebte Ridjimiraril (Crusoe Kurddal) mit seinen drei Frauen: der gescheiten Banalandju (Sonia Djarrabalminym), der eifersüchtigen Nowalingu (Frances Djulibing) und Munandjarra (Cassandra Malangarri Baker), der jüngsten von ihnen. Sein jüngerer Bruder Yeeralparil (ebenfalls Jamie Gulpilil) wohnte als noch lediger Mann in einem anderen Lager. Er hatte sich in Munandjarra verguckt und nutzte jede Gelegenheit, ihr nahe zu sein.

Unruhe gerät in den Clan, als ein Angehöriger (Michael Dawu) eines anderen Stammes im Camp auftaucht. Nach einer Mahlzeit geht er wieder, doch dann ist auch Nowalingu verschwunden. Nach einiger Zeit berichtet ein Onkel (Bobby Bununggurr), er habe Ridjimirarils Frau zusammen mit dem Fremden in einem anderen Lager gesehen. In der Annahme, dass sie entführt wurde, machen sich einige Krieger des Stammes auf die Suche, müssen aber unverrichteter Dinge zurückkehren.

Doch dann berichtet Birrinbirrin (Richard Birrinbirrin), der Honigsammler, er habe den Fremden unweit des Lagers gesehen. Ridjimiraril macht sich mit ihm sofort auf den Weg, findet tatsächlich nach kurzer Zeit einen Fremden und tötet ihn mit dem Speer. Doch dann stellen sie fest, dass er den falschen erwischt hat. Schon bald treffen dessen Stammesgenossen ein, um Rache einzufordern.

Während der Makaratta, dem Racheritual, wird Ridjimiraril vom Speer eines der Krieger getroffen und erliegt trotz Banalandjus Pflege einige Zeit darauf seinen Verletzungen. Nach dem Begräbnis ist es an Yeeralparil, in das Camp einzuziehen und die Frau seines toten Bruders zu übernehmen.



Film-Inhalt  


Dayindi (Jamie Gulpilil) bei der Gänsejagd
Dayindi (Jamie Gulpilil) bei der Gänsejagd


  Hintergrund


Nowalingu (Frances Djulibing) wird vom Fremdem (Michael Dawu) entführt
Nowalingu (Frances Djulibing) wird vom Fremdem (Michael Dawu) entführt

Im Jahr 2002 hatte Rolf de Heer bereits schon einmal mit David Gulpilil gedreht. Der Erzähler in "Ten Canoes" und Vater von Jamie Gulpilil, einem der Hauptdarsteller, spielte damals die Titelrolle in dem Australo-Western "The Tracker" und hatte den Autor und Regisseur vor Beginn der Dreharbeite zu sich nach Hause in die Region von Arnhem eingeladen.

Bei diesem Besuch im Northern Territory und einem Ausflug in das Sumpfgebiet des Arafura konfrontierte der in der Gegend geborene und aufgewachsene Schauspieler und Tänzer mit seiner Absicht, an einem Film über die dort lebenden Aborigines mitzuwirken. Man einigte sich auf Ramingining, einen kleinen Ort nahe der Nordküste und rund 200 Kilometer von Darwin, der Hauptstadt des Northern Territory gelegen.

Dort wurden in den 1970ern Aborigines aus verschiedenen Landesteilen zusammengeführt und leben seither in fünfzehn verschiedenen Sippen, die sich in acht unterschiedlichen Sprachen verständigen. "10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen" ist in der Originalsprache eines der Stämme gedreht, und der selbst von den Ureinwohnern abstammende Gulpilil erzählt die Geschichte in englischer Sprache.



Am letzten Abend seines Besuchs bei David sagte dieser zu de Heer, das sie zehn Kanus bräuchten. Der begriff zunächst nicht, worum es ging und was die mit dem Film zu tun haben sollten. Der Gastgeber holte ein altes Schwarzweiß-Foto hervor, das zehn Männer mit ihren Booten zeigte. Das Bild war gut und gerne siebzig Jahre alt, und nach kurzer Betrachtung sagte Rolf: "Du hast recht, wir brauchen zehn Kanus."

Es handelte sich um eine Aufnahme, die der Antrhropologe Dr. Donald Thomson in den 1930er Jahren gemacht hatte. Er hatte damals in der Region von Arnhem Studien betrieben und Leben und Kultur der Aborigines erforscht von denen die Einwanderer bis dahin kaum etwas wussten. Der Forscher lebte eine Zeit lang mitten unter den Yolngu einen von den Einwanderern nahezu unbehelligten, traditionellen Alltag.

Untählige Photos Thomson während dieser Zeit gemacht, von denen über viertausend in einer Ausstellung über die Kultur des Stammes in einem Museum in Melbourne betrachtet werden können. Diese Ablichtungen dokumentieren somit die jüngere Geschichte der jetzigen Einwohner von Ramingining.



Warum zehn Kanus?  


Die drei Frauen des Ridjimiraril
Die drei Frauen des Ridjimiraril

  Zurück zur Natur


Auf dem Kriegspfad
Auf dem Kriegspfad

Nachdem am Rand der Region eine ausgediente Farm als Lager für das Team umfunktioniert wurde und die Zelte aufgebaut waren, konnten die Filmschaffenden einziehen, in Begleitung ihrer Lebenspartner und Kinder, so vorhanden. Während letztere unbeschwert spielen oder die Gegend erkunden konnten, ging es für die Schauspieler und Techniker nun um den Ernst.

Das Filmen in dem sumpfigen Gebiet war eine echte Belastung für alle Beteiligten. Die Yolngu mussten sich zunächst in das Einmaleins des Filmgeschäfts einarbeiten, zum Teil das alte Handwerk ihrer Vorfahren wieder auffrischen und fühlten sich zudem für die "Balandas", die in dieser Natur unbedarften Weißen verantwortlich.

So waren elf Jäger der Yolngu eigens dafür abgestellt, nach Krokodilen ausschau zu halten, für die dieser Sumpf ein ganz natürlicher Lebensraum ist. Das gilt auch für Moskitos und Blutegel, mit denen sich die Filmleute gleich massenweise herumplagen mussten.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen" in der Regie von Rolf de Heer, Peter Djigirr liefen am 09.08.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

The Dixie Chicks: Shut Up and Sing
Dokumentation, USA, 2006

Reine Geschmacksache
Komödie, Deutschland, 2007

Mimzy - Meine Freundin aus der Zukunft
Fantasyabenteuer, USA, 2007

Ich glaub, ich lieb meine Frau
Komödie, USA, 2007

Half Moon
Drama, Iran, Irak, Frankreich, Österreich, 2006

Evan Allmächtig
Fantasykomödie, USA, 2007

Angel - Ein Leben wie im Traum
Liebesdrama, England, Belgien, Frankreich, 2007

Ebenfalls im Kino 




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