Andreas Prochaska über die Auswahl bei der Besetzung
"Nach einem Nachtdreh habe ich leicht komatös und zappend auf der Couch gelegen und bin bei den Vorausscheidungen zu 'Starmania' (Öserreichische Castingshow, vergleichbar mit 'Deutschland sucht den Superstar'; Anmerkung der Redaktion) hängen geblieben. Ich war total überrascht, dass es bei uns so viele junge Leute gibt, die singen können und sich auch noch trauen, sich auf eine Bühne zu stellen.
Der nächste Gedanke war, vielleicht gibt es ja auch welche, die schauspielern können. Das hat mich bestärkt, das Projekt voran zu treiben. Nachdem das Buch geschrieben und der Film finanziert war, haben wir uns in ganz Österreich auf die Suche nach Talenten gemacht und haben schließlich in einer Salzburger Disco Sabrina Reiter gefunden. Die Entscheidung, ihr die Hauptrolle anzuvertrauen, habe ich keine Sekunde bereut.
Julia Rosa Stöckl hab ich in Innsbruck gefunden, quasi in einer Drehpause des 'Tatorts', den ich im Juni 2005 dort gedreht habe. Nadja Vogel ist zum Casting in Linz gekommen und hat mich sofort überzeugt. Bei ihr bin ich erst viel später draufgekommen, dass sie schon mal eine Hauptrolle in einem Film von Wolfram Paulus gespielt hat. Michael Steinocher hat ja schon als Kind in der 'Knickerbockerbande' mitgespielt, mittlerweile eine Schauspielausbildung abgeschlossen, musste sich aber wie alle anderen dem Casting stellen. Wichtig war, dass die Gruppe homogen ist, und die Darsteller miteinander harmonieren. Michael Steinocher und Nadja Vogel waren beim gemeinsamen Casting so überzeugend, dass ich das Gefühl hatte, die sind schon ewig ein Paar.
Eine Schwierigkeit ergab sich mit der Besetzung von Martin, Ninas Freund. Er musste einerseits zur Gruppe passen und andererseits glaubhaft Ninas Freund sein. Ich weiß nicht, wie viele Kandidaten wir mit Sabrina gecastet haben. Irgendwann habe ich in meiner Verzweiflung alle Bänder noch einmal gesichtet und als Laurence gerade am Schirm war, kam meine Frau zufällig ins Zimmer und hat mich gefragt warum ich nicht ihn nehme. Meinen Einwand, dass er doch zu jung sei, ließ sie nicht gelten. Der persönliche Eindruck und der Eindruck, den jemand unbelastet am Bildschirm wahrnimmt, sind einfach zwei Paar Schuhe.
Den jungen Talenten mussten wir ganz schön viel abverlangen. Viele, vor allem jene, die eine Schauspielausbildung machen, haben das Problem, dass sie zu viel spielen. Die Anforderung war einerseits, die ganze emotionale Tour de force herzustellen und andererseits absolut authentisch zu sein. Mit Susi Stach (sie spielt Erika Haas, unterrichtet am Konservatorium und hat als Coach an dem Projekt mitgewirkt) hatte ich eine Partnerin, die in einer dreiwöchigen Probephase die junge Darstellerriege auf die Rollen vorbereitet hat."