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4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage

Rumänien, 2007
Drama

Originaltitel
4 luni, 3 saptamani si 2 zile

Kino-Start
22.11.2007

Regie
Cristian Mungiu

Darsteller
Anamaria Marinca (Otilia), Laura Vasiliu (Gabita), Vlad Ivanov (Domnu Bebe), Alex Potocean (Adi Radu), Luminita Gheorghiu (Doamna Radu), Adi Carauleanu (Dr. Radu)
4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage - Kinoplakat
Nach seinem ersten Spielfilm "Okzident", der neben mehr als fünfzig Festivals auch in Cannes 2002 in den Quinzaines des réalisateurs aufgeführt wurde, bringt der rumänische Filmemacher Cristian Mungiu einen Film, der in der bedrückenden Zeit des bröckelnden Ceausescu-Regimes spielt. "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet und erhielt den Europäischen Filmpreis für den besten Film.

Rumänien, Ende der 1980er Jahre: Gabita (Laura Vasiliu) und Otilia (Anamaria Marinca) sind befreundet und studieren nicht nur gemeinsam, sondern bewohnen auch dasselbe Zimmer in einem Studentenwohnheim. Wie auch in anderen Ostblockländern ist das Regime von Ceausescu am Ende. Der Alltag ist vom Mangel geprägt, und vieles ist nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommen.

Doch das noch kommunistische Land bereitet Gabita noch ein anderes Problem, und zwar mit ihrer ungewollten Schwangerschaft. Eine Abtreibung ist hier strengstens verboten, und so wird ein ominöser Domnu Bebe (Vlad Ivanov) mit der Tätigkeit beauftragt. Zudem hilft Otilia, ihrer Freundin dafür ein heimliches Zimmer in einer billigen Absteige zu besorgen.

Allerdings geht die Reservierung daneben, und da der Engelmacher schon bestellt ist, müssen die beiden in einem teuren Hotel einchecken - womit ein Teil des von verschiedenen Leuten geborgten Geldes draufgeht, das als Honorar für Mr. Bebe gedacht war.

Otilia passt diesen auf der Straße ab, der darüber ebenso verdrossen ist wie über den Portier, der ihn nötigt, dort seinen Ausweis zu hinterlegen. Als Bebe feststellt, dass die Schwangerschaft schon weiter als erwartet fortgeschritten und damit sowohl das Risiko seiner Patientin wie folglich auch seines größer als angenommen ist, verlangt er zum Ausgleich von beiden Frauen Sex.

Die beiden willigen notgedrungen ein, und daraufhin beginnt Bebe mit seiner blutigen Arbeit. Gabita muss die üble Prozedur bei vollem Bewusstsein über sich ergehen lassen. Währenddessen geht Otilia auf die Geburtstagsparty ihres Freundes Adi Radu (Alexandru Potocean). Doch auf sie wartet noch eine überaus widerwärtige Aufgabe: Der Fötus muss entsorgt werden...



Film-Inhalt  


Gabita (Laura Vasiliu) hat sich zur Abtreibung entschlossen
Gabita (Laura Vasiliu) hat sich zur Abtreibung entschlossen


  Hintergrund


Otilia (Anamaria Marinca) will ihrer Freundin helfen
Otilia (Anamaria Marinca) will ihrer Freundin helfen

Cristian Mungiu ist kein Freund von Improvisationen. Er gehört zu den Regisseuren, die von ihren Darstellern verlangen, den Text vollständig auswendig zu lernen. "Bei den Proben gebe ich ihnen die Chance, ihre Kommentare zum Dialog zu liefern", erläutert er seine Arbeitsweise. "Ich spiele für sie. Wenn ich eine Zeile nicht überzeugend sprechen kann, heißt das, etwas stimmt nicht mit dem Text, und ich lasse ihn fallen."

Erst Wenn der Dialog sitzt, gibt es gezielte Anweisung, durch Weglassen einzelner Buchstaben die Sprache so auszufeilen, dass sie dem natürlichen Sprechen nahekommt, das ja nicht vollkommen geschliffen, sondern eher nachlässig klingt. "Die Sound-Leute hassen mich", grinst Mungiu, "ich fordere meine Schauspieler auf, zu flüstern, wenn es ihnen hilft, ihren Text natürlich rüberzubringen, statt mit starker Stimme, die gut aufgezeichnet werden kann. Wenn ich mit irgend etwas in meinem Film absolut zufrieden bin, dann ist es die Schauspielerei."



Der Film spielt zeitlich am Ende der Regierungszeit des rumänischen Diktators Ceausescu. Der am 26. Januar 1918 in Scornicesti geborene Nicolae Ceauşescu hatte eine Lehre als Schuster gemacht und trat 1932 der Kommunistischen Partei Rumäniens RKP bei, der sein Meister bereits angehörte. Während der noch währenden Zeit der Monarchie bis 1940 und des anschließenden faschistischen Regimes von Ion Antonescus war Ceausescu im Untergrund tätig und saß mehrfach in Haft.

Nach deren Sturz im Jahr 1944 stieg er in der Partei schnell in einflussreiche Positionen auf. Er wurde Stellvertreter des Landwirtschaftsministers, später des Verteidigungsministers und wurde 1955 ins Politbüro aufgenommen. Nach dem Tod des kommunistischen Präsidenten Gheorghe Gheorghiu-Dej übernahm Ceauşescu 1965 zunächst dessen Position des Ersten Sekretärs des ZK, zwei Jahre darauf wurde er Staatsratsvorsitzender.

Durch seine Distanz zur Sowjetunion hatte er unter den kommunistischen Führern zeitweise eine gewisse Anerkennung im Westen. Doch im Laufe der Zeit baute Ceauşescu nach chinesischem Vorbild einen ausgeprägten Personenkult auf, beschleunigt nach seiner Präsidentschaft seit dem Jahr 1974. Mit der berüchtigten Geheimpolizei Securitate wurden politische Gegner ausgeschaltet, und wichtige Ämter wurden mit Familienmitgliedern besetzt, darunter seine Frau Elena.

Seine rücksichtslose Industriepolitik ruinierte die Wirtschaft und brachte die Bevölkerung zunehmend gegen Ceauşescu auf. Als der selbsternannte "Conducator" (Führer) bei einer Rede am 21. Dezember 1989 in Bukarest ausgebuht wurde, schoss die Securitate in die Menge. Verteidigungsminister Milea wurde aufgrund seiner Weigerung, ebenfalls gegen das Volk vorzugehen, auf Weisung Ceausescus erschossen. Das brachte das bislang neutrale Militär gegen ihn auf, das sich daraufhin heftige Straßenkämpfe mit der Securitate lieferte. Nach einem Schnellverfahren wurden Nicolae und Elena Ceausescu am 25. Dezember hingerichtet.



Eine düstere Ära  


Domnu Bebe (Vlad Ivanov) bereitet Gabita auf den Eingriff vor
Domnu Bebe (Vlad Ivanov) bereitet Gabita auf den Eingriff vor

  Volksplanung


Die beiden Freundinnen packen fürs Hotel
Die beiden Freundinnen packen fürs Hotel

Die rumänische Regierung erließ 1966 ein Gesetz zur Förderung des Kinderreichtums, das Abtreibung und Verhütung strikt unter Strafe stellte, wenn eine Frau nicht mindestens fünf Kinder geboren hatte. In der Folge stiegen die Geburten sprunghaft an, und es entstanden extrem kinderreiche Jahrgänge. In den Schulen wurden statt zwei oder drei Klassen pro Jahrgang bis zu zehn Klassen eingerichtet, in denen zudem durchschnittlich 36 Kinder statt vorher 28 unterrichtet wurden.

"Als ich eingeschult wurde, gab es sieben 'Christians' in meiner Klasse", erinnert sich Cristian Mungiu, "den Leuten gingen die Namen für ihre Kinder aus." Als Reaktion darauf hatten die sogenannten "Engelmacher" Hochkonjunktur. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum Ende des kommunistischen Regimes eine halbe Million Frauen an den Folgen illegaler Abtreibungen gestorben sind.

Zudem kamen viele Kinder von den notleidenden Eltern ausgesetzt oder gleich in eines der staatlichen Erziehungsheime gesteckt, die vom Volksmund "Kinder-GULAG" genannt wurden. Da viele Schwangere mit Medikamenten oder Drähten vergeblich versucht haben, selbst den Fötus zu töten, kamen darüber hinaus viele Kinder behindert zur Welt.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" in der Regie von Cristian Mungiu liefen am 22.11.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Tell - Jeder Schuss ein Treffer
Komödie, Deutschland, Schweiz, 2007

Seed
Horror, Kanada, 2007

Persepolis
Animation, Frankreich, USA, 2007

Meine schöne Bescherung
Komödie, Deutschland, 2007

Machtlos
Thriller, USA, Südafrika, 2007

Es war k´einmal im Märchenland
Animation, Deutschland, USA, 2007

Across the Universe
Musical, USA, 2007

Ebenfalls im Kino 




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