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Buongiorno, notte - Der Fall Aldo Moro

Italien, 2003
Drama, 106 Minuten

Originaltitel
Buongiorno, notte

Kino-Start
14.06.2007

Regie
Marco Bellocchio

Darsteller
Maya Sansa (Chiara), Luigi Lo Cascio (Mariano), Roberto Herlitzka (Aldo Moro), Pier Giorgio Bellocchio (Ernesto), Giovanni Calcagno (Primo), Paolo Briguglia (Enzo)
Buongiorno, notte - Der Fall Aldo Moro - Kinoplakat
So wie bei uns die "Rote Armee Fraktion" haben in Italien die "Roten Brigaden" in den 1970ern Anschläge auf führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft ausgeführt. Regisseur Marco Bellocchio erzählt nach dem Roman "Il prigioniero" (Der Gefangene) von Anna Laura Braghetti und Paola Tavella eine fiktionale Geschichte der Entführung Aldo Moros aus der Sicht der Täter.

Italien, Ende der 1970er Jahre: Chiara (Maya Sansa) und Ernesto (Pier Giorgio Bellocchio) sind scheinbar ein ganz normales junges Paar, die bei einem Immobilienmakler (Daniele Zamboni) eine abgeschiedene Wohnung in Rombesichtigen. Das Objekt sagt ihnen auf Anhieb zu, und sie unterschreiben den Mietvertrag.

Doch dann beginnen sie mit wenig alltäglichen Renovierungsarbeiten. Was ihr Vermieter nicht ahnt: Die beiden gehören zu den Roten Brigaden, und die Wohnung dient nicht einfach als Unterkunft für ein verliebtes Pärchen: Hier soll ihr nächstes Entführungsopfer untergebracht werden.

Ihr Zielobjekt ist ein höchst Prominenter Politiker: Aldo Moro (Roberto Herlitzka), vormaliger Ministerpräsident und amtierender Vorsitzender der Democrazia Cristiana, der christdemokratischen Partei Italiens. Insgesamt sind es vier junge Leute, die die Tat verwirklichen: Neben Chiara und Ernesto ist das Primo (Giovanni Calcagno), für den Chiara mehr als nur politische Ansichten teilt, und Mariano (Luigi Lo Cascio), der Anführer des terroristischen Quartetts.

Moro wird in einem Bretterverschlag innerhalb der Wohnung untergebracht. Während die Kidnapper guten Mutes sind und warten, dass die Regierung auf ihre Forderungen eingeht, bekocht Chiara den unfreiwilligen Gast und entwickelt allmählich Respekt und eine Art von Zuneigung für den eigentlich verhassten Vertreter einer feindlichen Klasse.

Auch für Enzo (Paolo Briguglia), einen Kollegen in ihrem bürgerlichen Beruf bei einer Bibliothek entwickelt sie Gefühle. Der hat zwar ähnliche politische Ansichten wie Chiara, lehnt aber die Methoden der Terroristen ab. Während die Verhandlungen mit den Hardlinern der italienischen Regierungen zu scheitern scheitern scheinen, veranstaltet Mariano ein politisches Tribunal mit dem Vorhaben, Moro für dessen Handlungen zu bestrafen. Die bisher so linientreue Chiara macht sich Gedanken, wie sie ihrem Opfer helfen kann...



Film-Inhalt  


Ernesto (Pier Giorgio Bellocchio), Primo (Giovanni Calcagno), Chiara (Maya Sansa) und Mariano (Luigi Lo Cascio)
Ernesto (Pier Giorgio Bellocchio), Primo (Giovanni Calcagno), Chiara (Maya Sansa) und Mariano (Luigi Lo Cascio)


  Hintergrund


Aldo Moro (Roberto Herlitzka) in seinem Gefängnis
Aldo Moro (Roberto Herlitzka) in seinem Gefängnis

Der Regisseur und Drehbuchautor Marco Bellocchio berichtet über die Annäherung an die Geschichte:

"Als ich mit der Arbeit zu diesem Werk anfing, begann ich vom Gesichtspunkt Außenstehender her, als würde die Entführung von denjenigen beobachtet, die nur mittelbar beteiligt waren. Ein Beispiel ist die Szene, als Moros Neffe im Kindergarten spielt, und die Polizei erscheint, um ihn abzuholen.

Sie sehen die indirekten Effekte. Doch letztlich befriedigte mich dieser Zugang nicht. Ich war eher interessiert daran zu sehen, wie jeder Tag im Gefängnis von innen her aussah. Ich begriff, dass dieses fast familienähnliche Leben, mit seinem Alltag, seinen Wiederholungen und seiner "Normalität" mir eine Gelegenheit zu interessanten Szenen geben könnte.

Doch schließlich war auch diese Annäherung - die tragische und periodische Erzählweise der Geschichte - mir nicht mehr genug. Ich erkannte, dass ich eine Figur einführen musste, die all das zusammenbrachte: eine Frau - eine Terroristin - mit festen Überzeugungen, die aber auch voller Widersprüche ist.

Durch sie zeigt der Film, dass eine menschliche Beziehung zwischen Moro und seinen Entführern möglich ist. Diese Herangehensweise muss dennoch nicht unbedingt Sympathie für die Terroristen ausdrücken."



Aldo Moro, am 23. September 1916 Maglie in der italienischen Provinz Apulien geboren, absolvierte das Gymnasium in Tarent und studierte an der Universität Bari Jura, wo er im Anschluss an der Fakultät für Strafrecht als Professor lehrte.

Nach dem 2. Weltkrieg trat er der Democrazia Cristiana (Christdemokraten) bei, denen er fünf Jahre als Generalsekretär diente. 1946 wurde er ins italienische Parlament gewählt und bekleidete später verschiedene Regierungsämter: Er war Justiz- Erziehungs- und Außenminister und Ministerpräsident in fünf verschiedenen Koalitionen von 1963 bis 68 sowie von 1974 bis 76.

Als Repräsentant des linken Flügels seiner Partei stand auch er in der Kritik von Parteifreunden. Weltweite Aufmerksamkeit erregte die Entführung Moros am 16. März 1978 durch die Roten Brigaden. Am 9. Mai 1978 wurde Aldo Moro erschossen im Kofferraum eines Autos aufgefunden.



Das Opfer  


Enzo (Paolo Briguglia) lehnt Gewalt ab
Enzo (Paolo Briguglia) lehnt Gewalt ab

  Die Täter


Bekennerbrief der Roten Brigaden
Bekennerbrief der Roten Brigaden

Die Roten Brigaden (Brigate Rosse) waren eine linksradikale terroristische Vereinigung in Italien. Intern waren sie in mehr oder weniger autonomen Zellen organisiert. Ihr Ziel war die Zerschlagung der bestehenden demokratischen Republik und die Installation einer kommunistischen Regierung.

Diesem Ziel versuchten sie mit Gewalttaten näherzukommen, wozu Morde, Sprengstoffanschläge, Entführungen und Erpressungen gehörten. Finanziert wurden ihre Aktionen mit Banküberfällen in ganz Italien.

Gegründet wurden die Roten Brigaden im Jahr 1970 von Alberto Franceschini, Renato Curcio, Margherita Cagol und Mario Moretti. Die Erschießung Cagols durch die Polizei 1975 und die Verhaftung Curcios 1976 fügte den Roten Brigaden eine empfindliche Niederlage bei. Danach übernahm der radikale Mario Moretti die Führung, was zu einem noch brutaleren Vorgehen der Terroristen führte.

Die Entführung und der Mord an Aldo Moro reduzierte die Zahl der Sympathisanten, und die intensive Arbeit der Ermittlungsbehörden führte Anfang der 1980er Jahre zur faktischen Zerschlagung der Roten Brigaden.



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Buongiorno, notte - Der Fall Aldo Moro" in der Regie von Marco Bellocchio liefen am 14.06.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Verstörung - und eine Art von Poesie. Die Filmlegende Bernhard Wicki
Dokumentation, Deutschland, 2007

Irina Palm
Drama, England, 2007

Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis
Actionkomödie, England, 2007

Hostel 2
Horror, USA, 2007

Ferien
Drama, Deutschland, 2007

Ebenfalls im Kino 




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