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Auf der anderen Seite

Deutschland, Türkei, 2007
Drama, 122 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Yasamin kiyisinda

Kino-Start
27.09.2007

Regie
Fatih Akin

Darsteller
Nurgul Yesilcay (Ayten Öztürk), Baki Davrak (Nejat Aksu), Tuncel Kurtiz (Ali Aksu), Hanna Schygulla (Susanne Staub), Patrycia Ziolkowska (Lotte Staub), Nursel Köse (Yeter Öztürk)
Auf der anderen Seite - Kinoplakat
Nach seinem weltweiten Erfolg "Gegen die Wand" schickt sich Regisseur und Drehbuchautor Fatih Akin an, mit dem deutsch-türkischen Drama "Auf der anderen Seite" wieder internationales Lob zu ernten. Bei dem Filmfestspielen in Cannes war das Werk für die Goldene Palme nominiert und erhielt den Preis für das beste Drehbuch und den Preis der Ökumenischen Jury.

Yeter Öztürk (Nursel Köse) arbeitet in Bremen als Prostituierte, um das Studium ihrer Tochter Ayten (Nurgul Yesilcay) in Istanbul finanzieren zu können. Daher nimmt sie dankbar das Angebot des verwitweten Rentners Ali Aksu (Tuncel Kurtiz) an, gegen monetäre Unterstützung zu ihm zu ziehen. Alis Sohn Nejat (Baki Davrak), Dozent für Germanistik an der Hamburger Uni, ist allerdings von dem Deal seines Vaters wenig begeistert. Nachdem Ali eines Tages Yeter schlägt, stürzt diese unglücklich und stirbt. Nejat fühlt sich verpflichtet, ihrer Tochter zu helfen und fliegt nach Istanbul, um Ayten dort zu suchen.

Doch Ayten, die als Aktivistin für den türkischen Widerstand gekämpft hat, ist wegen der Verfolgung durch die örtliche Polizei mittlerweile nach Deutschland geflohen. Während Nejat in der Türkei seine Bestimmung gefunden zu haben scheint und von einem deutschen Buchhändler, der wieder in seine Heimat zurückkehren will, dessen Laden übernimmt, trifft Ayten in Deutschland auf die Studentin Lotte Straub (Patrycia Ziolkowska).

Die beiden jungen Frauen freunden sich an. Lotte ist von Ayten fasziniert, verliebt sich in sie und bietet ihr in ihrer Wohnung Unterkunft an, was ihrer Mutter Susanne (Hanna Schygulla) jedoch missfällt. Kurz darauf wird die flüchtige Türkin von der deutschen Polizei verhaftet und in ein Asylbewerberheim eingeliefert, wo sie auf die Bearbeitung ihres Asylantrages warten muss.

Der wird abschlägig beschieden, und so wird Ayten in die Türkei abgeschoben, wo sie ins Gefängnis wandert. Doch Lotte will ihrer Freundin beistehen und reist selbst in die Türkei, um sich für Aytens Freilassung einzusetzen. In Istanbul begegnet sie Nejat in dessen neuem Geschäft und findet in dessen Wohnung Unterschlupf.

Doch ihre Bemühungen und Auseinandersetzungen mit der Bürokratie scheinen zum Scheitern verurteilt. Als Lotte auf der Straße erschossen wird, fliegt Susanne nach Istanbul und trifft sich mit Nejat. Der ist von der trauernden Mutter tief beeindruckt und wird durch sie bewegt, sich auf die Suche nach seinem Vater zu machen, der mittlerweile im Norden der Türkei lebt...



Film-Inhalt  


Ali Aksu (Tuncel Kurtiz) mit seiner Mitbewohnerin Yeter Öztürk (Nursel Köse)
Ali Aksu (Tuncel Kurtiz) mit seiner Mitbewohnerin Yeter Öztürk (Nursel Köse)


  Hintergrund


Lotte Staub (Patrycia Ziolkowska) hat sich in Ayten (Nurgül Yesilçay) verliebt
Lotte Staub (Patrycia Ziolkowska) hat sich in Ayten (Nurgül Yesilçay) verliebt

Nach dem überragende Erfolg seines Films "Gegen die Wand", der neben zahlreichen anderen Auszeichnungen allein fünfmal den Deutschen Filmpreis erhielt, war der Druck auf Fatih Akin groß, und die Erwartungen an seinen anschließenden Spielfilm führten bei ihm gar zu einer gewissen Blockade. "Ich verspürte den Druck, mich künstlerisch gegenüber "Gegen die Wand" verbessern zu wollen", erläutert der Filmemacher seine Situation.

"Ich musste mir selbst beweisen, dass ""Gegen die Wand" noch nicht der Gipfel dessen war, was ich konnte." Dabei hat ihm ein privates Glück geholfen: "Die Geburt meines Sohnes hat mir viel von dem Druck genommen, unter dem ich stand. Und auf jeden Fall hat es sich auf mein Schreiben ausgewirkt." Zudem hat Akin sich als Ausgleich zunächst an eine Musikdokumentation gemacht.

Für "Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul" hat er sich in der Türkei mit vielen Musikern getroffen und mit ihnen Erfahrungen ausgetauscht. "Auf der anderen Seite" sieht der Regisseur als zweiten Teil einer Trilogie, die die Themen Liebe, Tod und Teufel behandelt. "'Gegen die Wand' rückte die Liebe ins Zentrum", beschreibt er seine Absichten, 'Auf der anderen Seite' handelt vom Tod. Aber noch fehlt etwas, und das wird der dritte Film beisteuern, in dem es ums Böse geht. Ich habe den Eindruck, dass ich etwas zu Ende erzählen muss."



"Auf der anderen Seite" wurde in Deutschland und der Türkei an Originalschauplätzen gedreht. Der Dreh begann in Bremen und in Hamburg, dann begab sich das Team in die Türkei, um die Aufnahmen in Istanbul und in Trabzon an der türkischen Schwarzmeerküste zu machen. So zogen sich die Dreharbeiten über einen Zeitraum von zehn Wochen hin.

Die Türkei bietet nach Ansicht von Akin interessantere Drehorte als Deutschland: "Es kann sehr reizvoll sein, aber man muss schwer nach seinem Ort suchen", bekennt er, "oder man muss ihn sich selbst herstellen." Für ihn ist die Metropole Istanbul mit ihren rund zehn Millionen Einwohner einer der Hauptdarsteller. "Das Licht in Istanbul ist außergewöhnlich", schwärmt Akin, "allein wegen der geographischen Lage. Für mich ist das Drehen in Istanbul so, als würde ich in New York drehen."

Für Akin, der sowohl in der deutschen wie auch der türkischen Kultur zuhause ist, bedeutet "Auf der anderen Seite" auch eine Auseinandersetzung zwischen zwei Ländern und ihren Vertretern, Deutschland und die EU auf der einen, und die Türkei auf der anderen Seite. "Alles, was in "Auf der anderen Seite" geschieht, ist Ausdruck der Beziehungen zwischen diesen beiden Systemen" verdeutlicht er. "Ich hatte einigen Spaß beim Streit zwischen Susanne und Ayten über die Europäische Union."



Die Schauplätze  


Susanne Staub (Hanna Schygulla) hat sich von ihrer Tochter entfremdet
Susanne Staub (Hanna Schygulla) hat sich von ihrer Tochter entfremdet

  Fatih Akin und die Türkei


Ayten Öztürk kämpft mit der Waffe in der Hand
Ayten Öztürk kämpft mit der Waffe in der Hand

Fatih Akin, als Sohn türkischer Einwanderer 1973 in Hamburg geboren, hat eine zwiespältige Beziehung zu seiner zweiten Heimat Türkei. Da er von seinen Eltern auch die türkische Sprache lernte und mit ihnen in jedem Sommerurlaub dorthin gefahren war, konnte er Land und Leute kennenlernen. Ein Jahr, nachdem er an der HfbK (Hochschule für bildende Künste) in Visueller Kommunikation abgeschlossen hatte, drehte er in der Türkei seinen Kurzfilm "Getürkt".

"Mit jedem Film-Meter, den ich in der Türkei drehe, versuche ich, das Land besser zu verstehen", berichtet Akin. "Aber je besser ich es verstehe, desto größer wird auch meine Trauer." Was dem Filmemacher sauer aufstößt, ist die Politik und der Nationalismus. "Ich liebe es, in diesem Land zu sein und dort zu drehen, aber die Türkei saugt auch gierig die Energie aus einem heraus, sie kostet Schweiß und Tränen", beschreibt Fatih Akin seine Gefühle.

Bemerkenswert findet er die große Anzahl türkischer Nationalflaggen in "Auf der anderen Seite". "Die Nationalisten werden das vielleicht als ein Zeichen meiner Liebe zur Türkei deuten", vermutet er. "Tatsache aber ist, dass keine einzige dieser Fahnen von uns ist. Sie sind alle schon da gewesen. Wir haben die Locations so aufgenommen, wie sie waren. Mag sein, dass ich dabei zu weit gegangen bin."



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Auf der anderen Seite" in der Regie von Fatih Akin liefen am 27.09.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Resident Evil: Extinction
SciFi-Action, USA, Meciko, 2007

Leroy
Komödie, Deutschland, 2006

Kreuzzug in Jeans
SciFi-Abenteuer, Holland, Luxemburg, Deutschland, 2006

Jahreszeiten
Drama, Türkei, 2006

Die Fremde in Dir
Action-Thriller, USA, 2007

Chuck und Larry - Wie Feuer und Flamme
Komödie, USA, 2007

Ebenfalls im Kino 




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