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Angel - Ein Leben wie im Traum

England, Belgien, Frankreich, 2007
Liebesdrama, 134 Minuten, FSK: 6

Originaltitel
Angel

Kino-Start
09.08.2007

Regie
François Ozon

Darsteller
Romola Garai (Angel Deverell), Charlotte Rampling (Hermione Gilbright), Lucy Russell (Nora Howe-Nevinson), Michael Fassbender (Esmé), Sam Neill (Theo Gilbright), Jacqueline Tong (Angels Mutter), Janine Duvitski (Tante Lottie), Christopher Benjamin (Lord Norley), Jemma Powell (Angelica), Una Stubbs (Lehrerin)
Angel - Ein Leben wie im Traum - Kinoplakat
François Ozon zeichnet sich durch eine enorme Bandbreite seines Werks aus. "Angel - Ein Leben wie im Traum" ist eine Filmadaption der britischen Schriftstellerin Elizabeth Taylor und der erste Kinofilm, den der französische Regisseur und Drehbuchautor in englischer Sprache gedreht hat. Weltpremiere feierte das Liebesdrama bei den 57. Filmfestspielen in Berlin.

Norley, ein Dorf im Nordwesten Englands, im ausgehenden 19. Jahrhundert: Die junge Angel Deverell (Romola Garai) stammt aus einfachen Verhältnissen und leidet unter der Enge ihrer Umgebung. Ihre Mutter (Jacqueline Tong) müht sich mit ihrem kleinen Laden redlich, sich und ihre Tochter durchzubringen, doch herzlich ist die Beziehung zwischen den beiden nicht, ebensowenig wie zwischen dem Mädchen und ihrer Tante Lotti (Janine Duvitski), die Angels Zukunft als Domestikin sieht.

Die hat ganz andere Vorstellungen von ihrem Leben und betrachtet immer wieder voller Bewunderung die prachtvolle Villa "Paradise House" und sieht sich irgendwann auf der anderen Seite des kunstvoll geschmiedeten Zauns um das Anwesen, als gefeierte Schriftstellerin. Mit viel Phantasie schreibt Angel ihren ersten Roman "Lady Irania" und kann damit tatsächlich den Londoner Verleger Theo Gilbright (Sam Neill) dazu bewegen, das Werk zu veröffentlichen, entgegen der Einwände seiner Frau Hermione (Charlotte Rampling).

Der schwülstige Schinken trifft in das Herz der vornehmen Damen der britischen High Society, weitere Liebesromane folgen und verschaffen Angel den Zugang in die Kreise, die sie immer schon angestrebt hatte. Auf einem Empfang lernt sie Nora (Lucy Russell), eine ihrer größten Verehrerinnen, und deren Bruder Esmé (Michael Fassbender) kennen. Auf den ersten Blick verliebt sich Angel in den bislang wenig erfolgreichen Maler, der sich ihr gegenüber zunächst aber reserviert verhält.

Doch die Schriftstellerin lässt nicht locker und will zu ihrem beruflichen Erfolg auch ihr privates Glück verwirklichen. So sucht sie Esmé in London auf und gibt ein Portrait von sich in Auftrag. Und während der Künstler zur Tat schreitet, kommen sich die beiden tatsächlich näher. Als das Paradise House zum Verkauf steht, greift sie spontan zu und Residiert fortan dort mit den Menschen, die ihr nahestehen. Das sind neben ihrer Mutter auch Nora und Esmé, dem sie ein eigenes Atelier im Hause einrichten lässt.

Nora reagiert allerdings eifersüchtig auf ihren Bruder, zumal dieser Angel auf ihren Antrag hin heiratet. Doch Fortuna droht sich abzuwenden, als Angels Mutter stirbt, und der Kriegsausbruch bedroht ihre Idylle vollends. Ihr Mann eilt freiwillig zu den Fahnen und lässt sie schwanger zurück. Angel verliert ihr Kind und wendet sich von ihren leichten Liebesgeschichten ab, sondern schreibt zornig Bücher, die von Krieg und Unheil handeln.

Doch ihre Fans sind von der neuen pazifistischen Richtung gar nicht begeistert, wollen sie doch gerade in Kriegszeiten Abwechlung bei leichter Lektüre. Als Esmé mit einem aputierten Bein vom Felde zurückkehrt, schöpft Angel neue Hoffnung. Doch ihr Mann ist verbittert und wendet sich mehr und mehr von ihr ab...



Film-Inhalt  


Angel Deverell (Romola Garai) träumt von einer besseren Zukunft
Angel Deverell (Romola Garai) träumt von einer besseren Zukunft


  Hintergrund


Angels großer Fan: Nora (Lucy Russell)
Angels großer Fan: Nora (Lucy Russell)

Francois Ozon über das Buch

Ich las es in einem Rutsch fünf oder sechs Jahre zuvor und dachte, es könnte eine perfekte Gelegenheit sein, einen epischen Film in der Tradition der Melodrame der 1930er und 40er Jahre zu versuchen, der Aufstieg und Fall einer schillernden Figur erzählt.

Und ich verliebte mich in Angel; sie amüsierte und faszinierte mich und berührte mich letzten Endes sehr tief. So bat ich meine Produzenten, die Rechte zu kaufen. Es schien klar, dass die Geschichte nicht funktionieren würde, wenn sie nach Frankreich übertragen worden wäre.

Es ist eine sehr englische Story, in der Tradition englischer Schriftstellerinnen. Die Figur der Angel war inspiriert von Marie Corelli, eine Zeitgenossin von Oscar Wilde und bevorzugte Autorin von Königin Victoria. Corelli war eine der ersten Schriftstellerinnen, die zum Star avancierten und für ihre Bestseller vom Publikum verehrt wurde. Heute ist sie völlig in Vergessenheit geraten, selbst in England. In Frankreich gab es niemand vergleichbaren zu dieser Zeit.



Im Buch war der homosexuelle Subtext präsent, doch Nora war wirklich abstoßend, sie hatte sogar einen Damenbart. Ich milderte sie etwas ab, mäßigte ihre Enttäuschung und Bitterkeit und brachte sie aus dem Schatten heraus. Ich wollte, dass sie eine gewisse Erscheinung war und nicht nur ein unterwürfiger Fußabtreter ihres Idols sein sollte.

Im Roman bewahrt die Konkubine ihres Bruders ein Geheimnis vor Angel, um sie für sich selbst einzunehmen. Im Film hingegen erzählt Nora schließlich Angel die Wahrheit über die Geliebte Esmés. Doch sollte sie dies nicht früher getan haben, gleich nachdem sie die beiden zusammen erwischt hatte? Plötzlich hat Nora eine tragische Dimension. Sie wird mitschuldig an Angels Leid, hin- und hergerissen zwischen ihrem Verlangen nach Angel und der Bande zu ihrem Bruder.

Ich sah eine Menge Schauspielerinnen für die Rolle von Nora. Während der Screentests bemerkte ich, dass viele von ihnen eigentlich Angel spielen wollten. Sobald sie mit dem Lesen fertig waren, sagten sie: "Ich könnte Angel ebenfalls spielen, ich bin Angel!" Sie hatten kein Verlangen, eine Nebenrollen zu spielen, während es Lucy Russell nichts ausmachte.

Sie zeigte sich beim Vorsprechen wie eine alte Jungfer gekleidet, mit dicken Brillengläsern und ihrem Haar in einem Dutt. Sie war wirklich dazu da, um Nora zu spielen! Natürlich ist diese Rolle weit weniger glamourös als die der Angel, doch Lucy war klug genug um zu erkennen, dass es oftmals die Person im Hintergrund ist, die Aufmerksamkeit erfährt, selbst wenn sie selbst nicht diejenige ist, die die schicken Kleider trägt. Und wie Charlotte Rampling spricht sie fließend Französisch, somit war sie meine zweite Krücke am Set!



Ozon über Nora und Lucy Russell  


Glaubt an Angel: Verleger Theo Gilbright (Sam Neill)
Glaubt an Angel: Verleger Theo Gilbright (Sam Neill)

  Ozon über seine und Taylors Angel


Esme (Michael Fassbender) und Angel vor ihrem Portrait
Esme (Michael Fassbender) und Angel vor ihrem Portrait

Meine größte Herausforderung war, Angel liebenswert zu machen. In Elizabeth Taylors Buch ist diese Figur oftmals grotesk. Die Autorin nimmt eine ziemlich sarkastische Perspektive zu Angel ein, zu ihren Büchern und ihrem Verhalten. Taylor erkennt ihre Fähigkeit zu schreiben und ihren Drang, berühmt zu werden an, auf der anderen Seite belächelt sie sie und beschreibt sie als bizarr und unansehnlich.

Ich glaube nicht, dass wir zwei Stunden mit einer solch gänzlich negativen Figur auf der Leinwand verbringen wollen, während im Buch die Grausamkeit funktioniert. Ich fühlte, dass es wichtig war, dass Angel trotz ihrer abstoßenden, ja gemeinen Charaktereigenschaften charmant und einnehmend sein sollte.

Scarlett O'Hara kam mir spontan in den Sinn. Sie ist tatsächlich eine Figur, die Du liebst und zur selben Zeit hasst. Ich wollte, dass Angel sich ihrer Macht zur Verführung bewusst ist und sie besonders bei ihrem Verleger und Nora einsetzt. Meine Angel ist manipulativer als die von Elizabeth Taylor. Das allerdings auf eine spielerische, amüsante und nicht perverse Art.

Am Anfang kritisiert sie jeder: Ihre Lehrerin, ihre Mutter, ihre Tante und die Frau ihres Verlegers. Daraus können wir folgern, dass Angel und ihre Arbeit missverstanden wird. Das erweckt Sympathie für sie und weckt unsere Neugier, besonders wenn sie schreibt. Ich wollte das Publikum für sie einnehmen, bevor später im Film aufgedeckt wird, dass sie möglicherweise nicht gerade große Literatur schreibt.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Angel - Ein Leben wie im Traum" in der Regie von François Ozon liefen am 09.08.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

The Dixie Chicks: Shut Up and Sing
Dokumentation, USA, 2006

Reine Geschmacksache
Komödie, Deutschland, 2007

Mimzy - Meine Freundin aus der Zukunft
Fantasyabenteuer, USA, 2007

Ich glaub, ich lieb meine Frau
Komödie, USA, 2007

Half Moon
Drama, Iran, Irak, Frankreich, Österreich, 2006

Evan Allmächtig
Fantasykomödie, USA, 2007

10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen
Abenteuer-Komödie, Australien, 2006

Ebenfalls im Kino 




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