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Babel

USA, 2006
Drama, 138 Minuten, FSK: 16

Originaltitel
Babel

Kino-Start
21.12.2006

Regie
Alejandro González Iñárritu

Darsteller
Brad Pitt (Richard), Cate Blanchett (Susan), Boubker Ait El Caid (Yussef), Said Tarchani (Ahmed), Robert Esquivel (Luis), Adriana Barraza (Amelia), Elle Fanning (Debbie), Nathan Gamble (Mike), Gael García Bernal (Santiago), Rinko Kikuchi (Chieko), Kôji Yakusho (Yasujiro)
Babel - Kinoplakat
Bereits sein erstes Regiewerk "Amores perros" bescherte dem Mexikaner Alejandro González Iñárritu eine ganze Reihe Auszeichnungen, darunter zwei Preise beim Festival in Cannes. Sein drittes Werk "Babel" schickt sich an, diesen Erfolg noch zu toppen. Neben zwei weiteren Trophäen aus Cannes warten schon Golden Globe und Oscar.

Ein Reisebus fährt durch ein malerisches, abgelegenes Gebiet in Marokko. Unter den Passagieren sind Richard Jones (Brad Pitt) und seine Ehefrau Susan (Cate Blanchett), die kürzlich ein Kind verloren haben und auf dieser Reise versuchen, darüber hinwegzukommen. Doch ihr Verhältnis ist belastet, was zwischen ihnen immer wieder zum Streit führt. Daheim in den USA hütet währenddessen das mexikanische Kindermädchen Amelia (Adriana Barraza) ihre beiden Kinder Debbie (Elle Fanning) und Mike (Nathan Gamble).

In den marokkanischen Bergen hat gerade ein Ziegenhirt ein Gewehr gekauft, das seinen Söhnen Söhne Ahmed (Said Tarchani) und Yussef (Boubker Ait El Caid) beim Hüten Sicherheit geben soll. Yussef probiert die Waffe aus und schießt ohne weiter darüber nachzudenken, auf den gerade vorbeifahrenden Bus. Der Schuss trifft Susan aus heiterem Himmel in der Schulter, sie verliert Blut. Richard realisiert, dass medizinische Versorgung in dieser Gegend schwer zu bekommen ist. Er macht sich mit seiner Frau auf den Weg ins nahegelegene Dorf Tazarine, wo ein Tierarzt Susans Wunde notdürftig versorgt.

Richard gibt Amelia telefonisch Bescheid, dass sich ihre Rückkehr verzögert und sie länger als vorgesehen auf die Kinder aufpassen müsse. Doch sie will unbedingt nach Mexiko, um an der Hochzeit ihres Sohnes Luis (Robert Esquivel) teilzunehmen. Da sich keine Vertretung auftreiben lässt, nimmt Amelia kurzerhand die beiden Kinder mit, als sie von ihrem Neffen Santiago (Gael García Bernal) abgeholt wird. So schaffen sie es, rechtzeitig zur Hochzeitsfeier anzukommen.

Fernab, in Tokio: Die taubstumme Chieko (Rinko Kikuchi) ist gerade in einer Krise: Ihre Mutter ist kürzlich gestorben, und mit ihrem Vater Yasujiro (Kôji Yakusho) will sie nicht darüber sprechen. Außerdem leidet sie darunter, dass ihre bisherigen Kontaktversuche mit dem männlichen Geschlecht gescheitert sind. Bei ihr zuhause tauchen zwei Polizisten auf, die Yasujiro sprechen wollen. Die Ermittlungen der Polizei in Marokko zum Besitzer des Gewehrs haben Sie hierher geführt...



Film-Inhalt  


Richard (Brad Pitt) ist entsetzt: Seine Frau Susan (Cate Blanchett) wurde angeschossen
Richard (Brad Pitt) ist entsetzt: Seine Frau Susan (Cate Blanchett) wurde angeschossen


  Film-Kritik


Santiago (Gael García Bernal) mit Amelia (Adriana Barraza) an der mexikanischen Grenze
Santiago (Gael García Bernal) mit Amelia (Adriana Barraza) an der mexikanischen Grenze

Schon mit seinen ersten beiden Kinofilmen "Amores perros" von 2000 und "21 Gramm" von 2003 hat Alejandro González Iñárritu einen beeindruckenden Hinweis auf seine Ausnahmestellung gegeben, die er nun mit Babel endgültig unter Beweis stellt. Kaum ein anderer Filmemacher der Jetztzeit besitzt so vollendet die Fähigkeit, scheinbar zusammenhanglose Episoden im Verlauf der Geschichte auf wundersame, einleuchtende und fesselnde Weise zu verknüpfen. Er flicht ein schicksalhaftes Gewebe von Ereignissen, deren leichtfertiger Anstoß und in der Folge zwangsläufige Entwicklung dramaturgisch meisterhaft arrangiert wird.

Aus der Bibel wurde der Titel entlehnt, der auf ein zentrales Thema im Film abzielt. Wo im Buch der Bücher die Menschheit für ihren Hochmut, ein Gebäude zu bauen, das in den Himmel wächst, mit Sprachengewirr bestraft wird, da hindert im Film der Mangel an Kommunikation die Protagonisten daran, ihre Prüfung zu bestehen. Dabei betreffen die Verständigungsprobleme nicht nur die Sprache, sondern auch die kulturellen Eigenheiten und Generationsunterschiede. Die Verständigung scheitert nicht nur zwischen Amerikanern und Marokkanern oder Mexikanern, sondern auch zwischen den Eheleuten oder zwischen Tochter und Vater. Und selbst die Berichterstattung in den Medien weist die Beteiligten in die Irre.

Die Inszenierung der dramatischen Handlung ist visuell überwältigend, was auch Kameramann Rodrigo Prieto zu verdanken ist, und die mitreißende Atmosphäre wird durch den großartigen Soundtrack von Gustavo Santaolalla auf überzeugende Weise unterstützt. Auch das Ensemble ist durchweg hochklassig, angefangen von den Topstars, über bislang weniger bekannte Darsteller wie Adriana Barraza bis hin zu den Laiendarstellern, bei deren Auswahl und Führung Iñárritu ein sicheres Gespür gezeigt hat. Insgesamt ist Babel ein stilistisch überwältigendes und emotional packendes Meisterwerk und steht an der Spitze der Filme des Jahres 2006.



Da der Film in drei verschiedenen Kontinenten spielt und die Freiluftaufnahmen nicht im Studio simuliert werden sollten, war die Auswahl der Locations und die Logistik entsprechend aufwendig. Für den entlegenen Wüstenort in Marokko fand Iñárritu die passende Kulisse im kleinen Berberdorf Taguenzalt, das am Fuß des Atlasgebirges gelegen ist. Die alten Lehmhäuser sind dort in Felseinschnitte gebaut, die das Tal des Draa bilden. Die bescheidene Bauweise half, den Bildern ihre Authentizität zu geben. Die Crew musste sich allerdings mit Temperaturen bis 40 Grad Celsius und Sandstürmen auseinandersetzen, was der Glaubwürdigkeit der Geschichte aber nur guttat.

Der zweite Drehort war in Tijuana und Sonora im Norden von Mexiko, wo der Regisseur sich für das Wüstenstädtchen El Carrizo entschied. Es stellt "Los Lobos" dar, Amelias Heimat und der Ort, an dem die Hochzeit stattfindet. Auch hier litt das Filmteam wieder unter hohen Temperaturen. Entscheidende Szenen wurden an der Grenze zwischen Mexiko und den USA gedreht, wo Stacheldrahtbewehrte Zäune, Batterien von Kameras und Scheinwerfern für das Gefühl sorgen, einer Festung gegenwärtig zu sein.

Letzte Station der Reise für die Filmleute war Japan. Die Arbeit in Tokio stellte die Mannschaft vor völlig andere Herausforderungen. "Tokio war gleichzeitig eine wunderbare und eine schwierige Erfahrung", berichtet der Regisseur. "Dort geht vieles sehr langsam, und es gibt keine Filmkommission, die einem dabei hilft. Es gibt keine Erlaubnis für Dreharbeiten, deshalb waren wir ständig auf der Flucht vor der Polizei. Wir brauchten Mut und arbeiteten im Guerilla-Stil, immer in Bewegung und bereit zum Improvisieren."



Hintergrund  


Die Ziegenjungen Yussef (Boubker Ait El Caid) und Ahmed (Said Tarchani)
Die Ziegenjungen Yussef (Boubker Ait El Caid) und Ahmed (Said Tarchani)

► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Babel" in der Regie von Alejandro González Iñárritu liefen am 21.12.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Vitus
Drama, Schweiz, 2006

Natale a New York
Komödie, Italien, USA, 2006

Lichter der Vorstadt
Drama, Finnland, 2006

Just Friends - No Sex
Liebeskomödie, USA, Kanada, 2005

Flicka - Freiheit. Freundschaft. Abenteuer.
Familien-Drama, England, 2006

Das hässliche Entlein & ich
Zeichentrick, Dänemark, 2006

Black Christmas
Horror-Thriller, USA, Kanada, 2006



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