Wie habt ihr Zugang in die geschlossene Welt des
Zirkus gefunden?
Tizza Covi: Wir, die Sesshaften, werden von den
Zirkusleuten als Gadschis bezeichnet. Sie sprechen
einen eigenen Zirkusjargon und es gibt innerhalb
dieses Milieus auch eine sehr genaue Hierarchie.
Die Zirkusleute selbst nennen sich Dritti. Und die
unterste Schicht sind wir, die Gadschis. Für die
Leute, die das Wanderleben betreiben, sind wir
Sesshaften eher Zielscheibe von Spott und Häme.
In Babooskas Familie hat sich diese Einstellung
relativiert, dadurch, dass die Mutter selbst einmal
sesshaft war.
Rainer Frimmel: Es hat deswegen auch einige
Jahre und viele Besuche bei der Familie Gerardi
gedauert, bis wir eine Vertrauensbasis geschaffen
haben, die es uns erlaubt hat, daran zu denken,
einen Film über Babooska zu machen.
Tizza Covi: Der Ansporn für mich, diesen Film
zu machen, lag auch darin, dass das Thema Zirkus
für mich immer nur mit denselben Klischees
besetzt war. Als ich den Zirkus dann aber erst
spät für mich entdeckt habe, öffnete sich mir eine
Welt, die auf einmal ganz anders als erwartet war.
Es hat mich sehr interessiert, das von einer ganz
anderen Seite zu zeigen. Wir haben in unseren
Arbeiten eine besondere Vorliebe fürs Alltägliche
und finden im Alltäglichen sehr außerordentliche
Dinge.
In welchen Zeitabständen und wohin habt ihr die
Familie begleitet?
Tizza Covi: Wir sind von Rom immer weiter
Richtung Norden gezogen, von Latium nach Umbrien,
dann waren wir auch in den Marken, in der
Toskana und in Ligurien, das war die letzte Station.
Das große Vertrauen, um ganz frei arbeiten
zu können, entstand erst in dem Moment, als wir
unter den gleichen schlechten Bedingungen gelebt
haben wie sie. Das heißt im Wohnwagen teilweise
ohne Wasser, teilweise ohne Strom zu leben, und
im Winter mit einer ganz schlechten Heizung auszukommen.
Dann waren wir nicht mehr ganz so
sehr die Gadschis.