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Battle in Heaven

Mexiko, Belgien, Frankreich, Deutschland, 2005
Drama, 98 Minuten, FSK: 18

Originaltitel
Batalla En El Cielo

Kino-Start
20.07.2006

Regie
Carlos Reygadas

Darsteller
Marcos Hernández (Marcos), Anapola Mushkadiz (Ana), Bertha Ruiz (Marcos´ Frau), Rosalinda Ramirez (Viky), David Bornstien (Jaime)
Battle in Heaven - Kinoplakat
Für sein Erstlingswerk "Japón" 2002 hatte Autor und Regisseur Carlos Reygadas eine Flut von internationalen Filmpreisen eingeheimst - von mexikanischen Ariel bis zur Goldenen Kamera von Cannes. Auch sein zweites Werk baut wieder auf religiöse Motive und ausgefeilte Bildkompositionen - und auf Sex, wodurch auch dieser Film 2005 in Cannes Gesprächsthema war

Marcos (Marcos Hernández) lebt zusammen mit seiner Frau (Bertha Ruiz) und seinem Sohn Jaime (David Bornstien) in Mexiko-Stadt. Er steht in den Diensten eines hochrangigen Generals, während die Gattin in einer U-Bahn-Station Krimskrams verkauft. Marcos ist nicht nur für die Fahnenzeremonie zuständig, sondern arbeitet auch als Fahrer. Dabei chauffiert er auch öfters Ana (Anapola Mushkadiz), die aufreizende Tochter seines Chefs, die er bereits von Kindesbeinen an kennt. Die verdingt sich, weniger zum Geldverdienen, denn sie ist wohlhabend, sondern eher zum Vergnügen, heimlich als Hure in einem Bordell und kann sich auf Marcos´ Verschwiegenheit verlassen.

Sowohl dessen Einkommen wie auch das seiner Frau ist allerdings eher spärlich. So entschließen sich die beiden in ihrer finanziellen Not, das Baby von Nachbarin Viky (Rosalinda Ramirez) gegen Lösegeld zu entführen. Doch kurz darauf stirbt der Säugling durch ein Unglück, noch bevor Viky das Geld aufbringen konnte, und dadurch fällt Marcos in einen tiefen Schock. So entschließt sich Marcos eines Tages, Ana von der Tat und deren tragischem Ausgang zu erzählen, um sein Gewissen zu erleichten. Ana rät ihm damit zur Polizei zu gehen, doch Marcos kann sich zunächst nicht dazu durchringen.

Die beiden teilen nun ihre Geheimnisse, und Ana schläft mit ihm, wie es scheint, aus purem Mitleid. So entwickelt sich ein seltsames Verhältnis zwischen der luxus-verwöhnten Prostituierten und dem von Gewissensbissen geplagten, rund doppelt so alten und korpulenten Mann. Eine intime Vertrautheit trotz der sozialen Unterschiede entsteht, geprägt von sexuellem Verlangen. Doch inneren Frieden vermag Marcos dadurch nicht zu finden. So sucht er sein Seelenheil, indem er sich Pilgern auf dem weg zur Basilika der Jungfrau von Guadalupe Hidalgo anschließt...



Film-Inhalt  


Es braut sich was zusammen: Wolken über dem Moloch
Es braut sich was zusammen: Wolken über dem Moloch


  Film-Kritik


Marcos (Marcos Hernández) und Ana (Anapola Mushkadiz): Liebe oder Mitleid?
Marcos (Marcos Hernández) und Ana (Anapola Mushkadiz): Liebe oder Mitleid?

Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit einer deutlichen Fellatio-Szene konfrontiert - und mit der Tatsache, dass auch mit seinem zweiten Werk kein konventioneller Film entstanden ist. Anfangs- und Endszenen zeigen detaillierte Körperlichkeit in entrücktem Raum. Dabei agiert die Kamera auf eine fast dokumentarische Weise und setzt auf eine symbolische Bildsprache - nicht nur, aber gerade auch bei den Sexszenen. Der schlanke, wohlgeformte Körper der jungen Frau kontrastiert mit dem fettsüchtigen Leib im Geschlechtsakt und betont so die sozialen Abgründe zwischen den Beteiligten. Ebenso kontrastiert die Langsamkeit der Bilder mit den gnadenlosen Konsequenzen menschlichen Handelns und der Unabänderlichkeit der gesellschaftlichen Klassen.

Die intime, aufdringlich erscheinende Nähe zum ungeschönten Bilddetail erzeugt eine Spannung, die Realität und Phantasie im Kopf des Betrachters gleichsam zu vermengen scheint. Immer wieder verschwimmen die Perspektiven zwischen den Protagonisten, passend untermalt von einem Soundtrack, der Musik und Dialoge, Geräusche und Ruhe mit den Bildern verschmilzt. Dabei gelingt es Reygadas, die Authentizität seiner Laiendarsteller und die Atmosphäre des urbanen Molochs von Mexico City zu einer Ästhetik zu verbinden, die das Materielle und das Mystische auf einzigartige Weise verbindet.



Der 1971 in Mexiko geborene Carlos Reygadas Castillo hatte eigentlich eine versprechende Karriere fernab des Filmgeschäfts vor sich: Sein juristisches Examen machte er in seiner Heimatstadt in Völkerrecht. Thema der Abschlussarbeit war der Internationale Gerichtshof und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie dessen Kontrolle für Frieden und nationale Sicherheit.

Danach studierte er am King's College in London und der School of Economics mit Schwerpunkten im Völkerrecht und Internationaler Politik. Seine Master-Arbeit behandelte die Bewältigung bewaffneter Konflikte. Er arbeitete er für die mexikanische Regierung im Auswärtigen Amt in New York und in Brüssel. Dort lernte er Studenten der Insas (Institut National Supérieur des Arts du Spectacle) kennen und begann mit einigen davon seine ersten filmischen Projekte.

Dazu gehören die Kurzfilme "Adulte" (1998), "Prisonniers" (1999) "Oiseaux (1999) und "Maxhumain". Alle diese Werke wurden in Belgien gedreht, teils auf Super-8 in Schwarz-Weiß. Mit den dabei gemachten Erfahrungen ging Reygadas zurück nach Mexiko, um die Dreharbeiten für seinen ersten Spielfilm, das später vielfach preisgekrönte Werk "Japón", zu beginnen.



Eine ungewöhnliche Karriere: Regisseur Carlos Reygadas  


Schicksalsgemeinschaft: Marcos, seine Frau (Bertha Ruiz) und Viky (Rosalinda Ramirez) im Auto
Schicksalsgemeinschaft: Marcos, seine Frau (Bertha Ruiz) und Viky (Rosalinda Ramirez) im Auto
► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Teaser-Poster► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Battle in Heaven" in der Regie von Carlos Reygadas liefen am 20.07.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Vinzent
Mystery-Drama, Deutschland, 2004

Man muss mich nicht lieben
Tragikomödie, Frankreich, 2005

Hui Buh - Das Schlossgespenst
Grusel-Komödie, Deutschland, Tschechien, 2005

Geheime Staatsaffären
Thriller-Drama, Frankreich, 2006



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