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Beijing Bubbles

Deutschland, China, 2005
Dokumentation, 80 Minuten

Originaltitel
Beijing Bubbles

Kino-Start
19.04.2007

Regie
George Lindt, Susanne Messmer

Darsteller
Wang Yue, Yilina, Yang Fan, Shenggy, Xiao Gan (HOTB); Bian Yuan, Liu Hao, Xin Shuang, Xin Shuang (Joyside); Pang Kuan, Peng Lei (New Pants); Liu Donghong, Da Chuan, He Wenjin, Wang Bin (Sha Zi); Yilqi, Hugejiletu, Yilata, Baoyinjiya (T9)
Beijing Bubbles - Kinoplakat
Die Vorstellungen des modernen Europäers von China sind geprägt von asiatischer Kultur, Kommunismus und wirtschaftlichem Wachstum. Dass sich dort mit dem Punk-Rock eine alternative Kultur entwickelt, die bei uns bereits abgeebbt ist und von der Freiheit des Individuums geprägt ist, zeigt der Film "Beijing Bubbles", der im Februar 2007 im New Yorker Museum of Modern Art gezeigt wurde.

In der chinesischen Hauptstadt Peking hat sich eine für westliche Augen überraschende Subkultur aus Punk und Rock entwickelt, die von der Regierung mit Missfallen betrachtet wird. Denn die Musiker und vielfach auch ihre Zuhörer haben eine Verweigerungshaltung gegenüber dem gleichmacherischen Gesellschaftsbild und dem um sich greifenden Konsumzwang entwickelt. Doch es ist keine zielgerichtete, ideologische Protestbewegung, sondern die jungen Leute wollen einfach nur für ihre Musik leben.

Diese Reportage beobachtet die aufblühende Szene und wirft einen Blick auf die Arbeit und die Auftritte der Musiker, ebenso wie auf ihr Privatleben. Die Kamera begleitet die Künstler von fünf Pekinger Punkrock-Bands auf die Bühne, zu den Proben, in ihre Wohnungen und auch zu den Mahlzeiten. Dabei thematisiert der Film auch die Punkbewegung in Europa, die längst abgeebbt ist, aber hier, am anderen Ende der Welt, gerade viele neue Anhänger findet.

Die Filmemacher Susanne Messmer und George Lindt betrachten aber auch das Umfeld ihrer Protagonisten. Die verstopften Straßen der aus allen Nähten platzenden Mega-Metropole, ihre reichen Geschäftsviertel und ihre armen Stadtteile. Der Film zeigt die einmaligen Kontraste zwischen Tradition und Moderne, zwischen Armut und Reichtum, zwischen Kommunismus und Kommerz, die typisch für das urbane China sind.

So vergnügen sich die chinesischen Jugendlichen in Karaokebars zu einschmeichelnden Klängen, während im Park mit Revolutionsliedern die kommunistische Ideologie wachgehalten wird. Dabei wurden wegen der politischen Restriktionen viele Aufnahmen heimlich gemacht und geben dadurch dem Betrachter den Eindruck, als sei das Geschehen durchs Schlüsselloch beobachtet worden.



Film-Inhalt  


Bian Yuan, Sänger von
Bian Yuan, Sänger von "Joyside", mit Freundin Su Jing


  Die Bands


Wang Yue, Sängerin von
Wang Yue, Sängerin von "Hang on the Box"

Hang On The Box

Diese Gruppe, auch HOTB genannt, ist eine in China sehr erfolgreiche Girl-Rockband und kann zur feministischen Indiepunk-Bewegung "Riot Grrrl" gerechnet werden. Gegründet wurde sie 1997 von den Schulfreundinnen Wang Yue, die als Sängerin agierte, und der Bassistin Yilina. Beide hatten einen Job in einem Plattenladen, wo sie Yang Fan kennenlernten, die dann als Drummerin zu ihnen stieß. 1998 legten sie sich offiziell den Namen "Hang On The Box" zu und traten erstmalig auf. Ein Jahr später komplettierte Shenggy die Band, und 2002 nahmen sie ihr erstes Album "Yellow Banana" auf. HOTB gingen in China und Japan auf Tournee, und im Folgejahr folgte eine Tour durch die USA. Die scheidende Yang Fan wurde durch Xiao Gan ersetzt, der die Band aber bald wieder verließ.

Joyside

Joyside entstand aus einer Wohngemeinschaft, die sich 2001 zur Punkband zusammentat. Sänger Bian Yuan, Bassist Liu Hao und Drummer Xin Shuang hatten wenige Wochen danach den ersten Auftritt, für den sie umgerechnet fünf Euro Gage erhielten. Wesentlich mehr wurde es auch später nicht. Drei Jahre später wurde die Band durch Fan Bo komplettiert, kurz bevor das erste Album "Drunk is beautiful" aufgenommen wurde, ein Jahr darauf folgte eine Chinatournee. Xin Shuang ist mittlerweile ausgeschieden.

New Pants

Die von der Musik der Ramones orientierte Band wurde 1996 von Grafikdesigner Pang Kuan und Devotionalienhändler Peng Lei gegründet und brachte ihr erstes Album "New Pants" zwei Jahre später heraus, weitere Alben folgten. Obwohl ihr erstes Album vom Musikmagazin MCB aus Hongkong zu einer der zehn wichtigsten asiatischen Platten der 1990 gezählt wurde und ihr Video zur Single "I Love You" vom TV-Sender Channel V zum besten Musikvideo auserkoren wurde, können die Jungs mit der Musik allein ihr Leben nicht bestreiten.

Sha Zi

Die Band wurde 1996 vom damals 25-jährigen Liu Donghong gegründet. "Sha Zi" heißt auf Deutsch "Sand", in Anspielung auf die Gleichförmigkeit der chinesischen Gesellschaft, aber auch an Sand im Getriebe. Die Band übte drei Sommer lang in einem abgelegenen Tempel und nahm 2001 ihr erstes Studioalbum"The Stars fall on my head" auf. Die Lieder, alle von Liu geschrieben, verbinden chinesische Traditionen mit dem US-Blues und behandeln oft die Außenseiter der Gesellschaft. 2005 gingen sie in der Besetzung mit Sänger und Gitarrist Liu, Gitarrist Da Chuan, Bassist He Wenjin und Drummer Wang Bin auf ihre erste Tournee in China.

T9

Der Gründer von T9, der mongolischstämmige Yilqi, kam ursprünglich aus der Grunge-Ecke und spielte ab 1998 mit T9 Hardcore-Punk. Mit der Zeit interessierte sich Yilqi immer mehr für seine Wurzeln aus der Mongolei. Er studierte den traditionellen Gesang und beschäftigte sich mit mongolischen Instrumenten. Dies beeinflusste auch immer mehr den Stil von T9. Doch mittlerweile wurde die Band wegen musikalischer Differenzen aufgelöst.



Als wir 2004 die Recherchen zu "Beijing Bubbles" begannen, wussten wir kaum etwas über Punk und Rock in Peking. Wir dachten nie, in nur ein paar Wochen Drehzeit soviel erreichen zu können. Doch dann ging alles ziemlich einfach in diesem Land, in dem wir und zuerst völlig entfremdet fühlten: Wir nahmen ein paar CDs, riefen einen Freund an, der jemanden kannte, und am selben Nachmittag hatte wir unser erstes Traffen mit der ersten Band.

Die Musiker luden uns in ihren Probenraum oder ihre Wohnung ein, bummelten mit und durch die Nachbarschaft oder nahmen uns mit ins Restaurant und abends zu ihren Konzerten. Dort trafen wir oft auf die Mitglieder der zweiten Band, tranken mit ihnen und führten erste Gespräche. Am nächsten Tag wurden wir zu einer Karaokebar gebeten oder einfach auf einen Besuch zu jemandes Eltern. Wie bei einer Kettenreaktion.

Wir sind in Deutschland mit Punk-Rock aufgewachsen, und waren als Pop-Journalist und Eigner eines Plattenlabels oft enttäuscht, wie sehr die Ideale dieser Musik zu einer leeren Mode verkamen. Um so mehr wahren wir begeistert, die Visionen des Punk-Rock auf der anderen Seite der Welt in China zu finden. Und mehr noch: Es war, als hätte in dieser Gesellschaft mit ihren restriktiven Traditionen und ihrem allgegenwärtigen Leistungsdruck die heilige Bedeutung des Punks ihr volles Existenzrecht gefunden.

Vermutlich war es auch diese Solidarität, dass alle Musiker uns spontan ihrem Leben beitreten ließen. Plötzlich hatten wir mehr als vierzig Stunden Material, aus dem wir einen rauen Film voller Energie über eine unbekannte Subkultur in Chinas Hauptstadt schneiden wollten. - mit im Westen höchst selten gehörter Musik. Über Menschen, die mit genausoviel Mut wie träumerischen Idealen konsequent ihren eigenen Weg abseits von etablierten und akzeptierten Strukturen in einem autoritären Staat beschreiten.



Anmerkung der Regisseure  


Bian Yuan und Su Jing
Bian Yuan und Su Jing
► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Beijing Bubbles" in der Regie von George Lindt, Susanne Messmer liefen am 19.04.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

The Reaping - Die Boten der Apokalypse
Horror-Thriller, USA, 2007

Sunshine
Sci-Fi-Thriller, England, 2007

Slumming
Tragikomödie, Österreich, Schweiz, 2006

Shooter
Actionthriller, USA, 2007

Full Metal Village
Dokumentation, Deutschland, 2006

Dunia
Drama, Ägypten, Libanon, Frankreich, 2005

Der Unbequeme - Der Dichter Günter Grass
Dokumentation, Deutschland, 2007

Der Liebeswunsch
Liebes-Drama, Deutschland, 2005

Born to be wild - Saumäßig unterwegs!
Abenteuer-Komödie, USA, 2007



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