"Die Legende von Beowulf" beruht auf einer der ältesten und bedeutendsten Sagen des frühmittelalterlichen Englands.
In der ältesten erhaltenen Handschrift, die etwa aus dem Jahre 1.000 n. Chr. stammt, wird die Geschichte des "Beowulf" in Form eines über dreitausend Stabreim-Verse umfassenden Epos geschildert.
Die Sage selbst aber dürfte nochmals weit älter sein als diese Handschrift. Vermutlich entstand sie zwischen den Jahren 700 und 750 n. Chr. zu Zeiten der Migration der aus dem skandinavischen und norddeutschen Gebieten stammenden Angeln auf die britischen Inseln, was auch den starken nordischen Bezug und die textliche Verwandschaft zu dänischen und schwedischen Epen aus etwa der gleichen Zeit erklärt.
Nochmals rund 200 Jahre früher ist wohl der reale Hintergrund der Erzählung anzusiedeln: Der in der Beowulf-Saga genannte König Hygelac, ein Onkel des Beowulf, wird allgemein mit König Chlochilaicus identifiziert, der nach den Aufzeichnungen des Bischofs von Thun, Georgius Florentius Gregorius (538 bis etwa 594), um das Jahr 516 aus dem heutigen deutsch-belgischen Grenzgebiet kommend in Frankreich einfiel und sich bis zum Ärmelkanal und dann ostwärts bis zum friesischen Küstenstreifen durchkämpfte.
Allerdings beruhen auch die Aufzeichnungen des Gregor von Thun - sein Hauptwerk "Historia Francorum" umfasst zehn Bände - wiederum in erster Linie auf dem Hörensagen und sind historisch nur bedingt zuverlässig, da sie mit erheblichen theologisch-politischem Sendungsbewusstsein verfasst wurden.
Zudem gibt es zahlreiche sprachliche Hinweise darauf, dass die "Beowulf"-Geschichte im Laufe der Jahrhunderte vor der ältesten erhaltenen Niederschreibung unter dem Einfluss christlicher Missionare moralisch und sexuell "entschärft" wurde.
Auffällig ist insbesondere die scharfe Zäsur zwischen dem ersten Teil, der mit dem Tod von Grindels Mutter endet, und dem zweiten Teil, dem Angriff des Drachen, die den Eindruck vermitteln könnte, hier wären zwei unterschiedliche Geschichten zu einer zusammengefügt worden. Tatsächlich aber ist hier wohl ein zusammenhängender Stoff erheblich gekürzt worden.
Es war kein geringerer als J.R.R. Tolkien, Verfasser von "Herr der Ringe", der seine Literaturwissenschaftliche Karriere mit Untersuchungen zu inhaltichen und sprachlichen Unstimmgkeiten im Beowulf-Epos begründete.