Die Geschichte der Betsy Bell gehört zum amerikanischen Volksgut. Sie wurde erstmals 1887 in der "Godspeed History of Tennessee" publiziert. Demnach habe die Familie Bell, Siedler in Red River, Tennessee, zwischen 1817 und 1828 ein Fluch verfolgt. Von missgebildeten Tieren, mysteriösen Stimmen, Geräuschen und anderen Spukereien ist die Rede.
Eines der berühmteren Opfer des Poltergeistes soll der spätere amerikanische Präsident Andrew Jackson gewesen sein, der mit seinem Wahlkampfstab im Jahre 1819 eine Nacht auf der Farm der Bells verbracht haben soll. Als er am nächsten Morgen das Anwesen fluchtartig verließ, soll er ausgerufen haben: "Ich kämpfe lieber gegen die ganze britische Armee, als mich nochmals mit der Bell-Hexe abzugeben".
Aktuelle Untersuchungen über die Verbreitungsgeschichte des angeblich übernatürlichen Phänomens förderten allerdings wenig Mysteriöses zu Tage: Weder gibt es einen fundierten Beleg dafür, dass Präsident Jackson jemals in seinem Leben den Ort Red River betreten hätte, noch gibt es irgendeinen zeitnahen Bericht in der damaligen Presse, in privaten Aufzeichnungen, Kirchenbüchern oder Briefen.
Die ganze Geschichte geht mutmaßlich auf eine tagebuchähnliche, relativ undramatische Autobiographie des damals etwa 10-jährigen Sohnes der Bells zurück, die erst nach dessen Tod aufgefunden wurde, und die er etwa dreißig bis vierzig Jahre nach den Ereignissen geschrieben haben dürfte.
Während es also für Poltergeistereien keinen Beleg gibt, existieren zahlreiche zeitgenössische Berichte über einen kleinen Wanderzirkus, der um 1818 durch die Gegend von Red River zog, und zu dessen besonderen "Marketingmaßnahmen" es gehörte, den Einwohnern der besuchten Orte gelegentlich derbe Streiche zu spielen. Und hier mag sich der Kreis dann wohl schließen...