Um die Hintergründe zu verstehen, die viele Amerikaner auf einen Sieg Bobby Kennedys hoffen ließen, haben wir wichtige Ereignisse der damaligen Zeit aufgelistet:
21. Januar
In Vietnam beginnt die blutige, 77 Tage andauernde Belagerung von Khe Sahn. Die amerikanischen Kräfte werden in die bislang blutigsten und heftigsten Kämpfe verwickelt.
31. Januar
Die Tet-Offensive beginnt. Soldaten des Vietkong besetzen strategische und zivile Ziele und übernehmen kurzfristig die Kontrolle über die amerikanische Botschaft in Saigon. Die Zahl amerikanischer und ziviler Opfer nimmt in alarmierendem Maße zu.
8. Februar
Senator Robert F. Kennedy hält eine historische Rede, in der er sagt, dass die USA den Vietnamkrieg nicht gewinnen können und deshalb ihre Politik überdenken müssen. George Wallace, der sich für strikte Rassentrennung ausspricht, geht für die Republikaner ins Präsidentschaftsrennen.
18. Februar
George Harrison und John Lennon von den Beatles fliegen nach Indien, um transzendentale Meditation auszuprobieren. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund veranstaltet in Berlin den "Internationalen Vietnam-Kongress". Auf der Abschlusskundgebung ruft der SDS-Wortführer Rudi Dutschke die amerikanischen Soldaten vor mehr als 10.000 Teilnehmern zu massenhafter Desertion auf.
29. Februar
Verteidigungsminister Robert McNamara zieht die Konsequenzen aus dem Tet-Desaster und tritt zurück.
12. März
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Eugene McCarthy, der sich vehement für Frieden einsetzt, erhält bei den Vorwahlen in New Hampshire 40 Prozent der Wählerstimmen. Der amtierende Präsident Lyndon B. Johnson gerät in Bedrängnis.
13. März
Der neue tschechische Führer Alexander DubÄ?ek schränkt die Zensur ein und nimmt demokratische Reformen in Angriff – als erster Führer eines Landes hinter dem Eisernen Vorhang.
16. März
Amerikanische Soldaten massakrieren in My Lai hunderte von vietnamesischen Zivilisten, vornehmlich Greise und Kinder.
17. März
Obwohl der Wahlkampf bereits in vollem Gange ist, gibt Robert F. Kennedy zu diesem späten Zeitpunkt seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bekannt und spricht sich erneut gegen Gewalt aus.
31. März
Als Folge der Tet-Offensive und der zunehmenden Popularität seiner Rivalen zieht sich Lyndon Johnson aus dem Präsidentschaftswahlkampf mit den berühmten Worten zurück: "Ich werde mich nicht um eine Nominierung bemühen und sie auch nicht von meiner Partei akzeptieren."
4. April
Bürgerrechts-Führer Martin Luther King Jr. wird auf dem Balkon eines Hotels in Memphis erschossen. Im ganzen Land wehen die Fahnen auf Halbmast. In vielen Städten bricht Gewalt aus.
11. April
Nur Tage nach dem Tod von Martin Luther King unterzeichnet Präsident Johnson eine Ergänzung des historischen Civil Rights Acts von 1964. In Berlin wird Rudi Dutschke von dem Hilfsarbeiter Josef Bachmann angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Studentenunruhen brechen aus.
23. April
Ein acht Tage währendes Sit-in findet in der Columbia University statt. Die Studenten protestieren gegen Verbindungen mit dem Verteidigungsministerium und übernehmen fünf Gebäude. 600 Studenten werden verhaftet.
29. April
Das Musical "Hair", ein Manifest gegen den Vietnamkrieg feiert Premiere am Biltmore Theatre in New York.
3. Mai
In Paris beginnen die Mai-Unruhen. Studenten besetzen die Sorbonne, es kommt zu Straßenschlachten mit der Polizei. Am 10. Mai werden Barrikaden errichtet, ein Generalstreik am 13. Mai betrifft mehr als zehn Millionen Menschen.
30. Mai
Robert F. Kennedy verliert bei den Vorwahlen in Oregon gegen Eugene McCarthy. Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein Kennedy eine Wahl verliert. Im Deutschen Bundestag beschließt die Große Koalition aus CDU und SPD die "Notstandsgesetze". Sie erlauben es, im Krisenfall einzelne Grundrechte einzuschränken.
3. Juni
Der Poor People’s March on Washington findet statt. Andy Warhol wird in seinem New Yorker Studio, der Factory, von Valerie Solanas niedergeschossen. Er wird schwer verletzt, überlebt aber.
4. Juni
Robert F. Kennedy gewinnt die Vorwahlen in Kalifornien. Das macht ihn zum Favoriten für eine Präsidentschaftsnominierung der Demokraten in Chicago.
5. Juni
Nach einer stürmisch umjubelten Rede im Ballsaal des Ambassador Hotel wird Kennedy kurz nach Mitternacht niedergeschossen. Fünf weitere Menschen werden verletzt. Alle von ihnen überleben. Kennedy ist noch bei Bewusstsein, als die Notärzte eintreffen. Er fragt, ob alles in Ordnung sei.
6. Juni
Robert F. Kennedy stirbt im Good Samaritan Hospital. Er ist 42 Jahre alt.
8. August
Richard Nixon wird von der Republikanischen Partei für das Amt des Präsidenten nominiert.
20. August
Die Sowjetunion dringt in die Tschechoslowakei ein und beendet mit Gewalt den Versuch eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz".
24. August
Frankreich wird die fünfte Nuklearmacht auf der Welt.
26. August
Die Democratic National Convention in Chicago versinkt in Chaos und Gewalt, als tausende Demonstranten sich mit der Polizei Straßenschlachten liefern.
29. August
Die demokratische Partei nominiert den Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey für das Amt des Präsidenten, ohne dass Humphrey auch nur eine einzige Vorwahl gewonnen hätte.
3. Oktober
Der sowjetische Außenminister Gromyko stellt vor der UN-Vollversammlung klar, dass sein Land in den Ostblock-Staaten keine Abweichungen vom Weg des Sozialismus dulden wird. Die spätere "Breschnew-Doktrin" ist geboren.
4. November
Die "Schlacht am Tegeler Weg" läutet den Zerfall der deutschen Studentenbewegung ein. Sie erweist sich als unfähig, ein gewaltfreies Reformbündnis zu tragen.
5. November
Richard M. Nixon wird zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.