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Il Caimano - Der Italiener

Italien, Frankreich, 2006
Tragikomödie, 112 Minuten

Originaltitel
Il Caimano

Kino-Start
12.07.2007

Regie
Nanni Moretti

Darsteller
Silvio Orlando (Bruno Bonomo), Margherita Buy (Paola Bonomo), Jasmine Trinca (Teresa), Michele Placido (Marco Pulici), Giuliano Montaldo (Franco Caspio), Antonio Luigi Grimaldi (Produktionsleiter), Elio De Capitani (Silvio Berlusconi), Tatti Sanguinetti (Beppe Savonese), Jerzy Stuhr (Jerzy Sturovsky), Toni Bertorelli (Indro Montanelli), Nanni Moretti (Silvio Berlusconi)
Il Caimano - Der Italiener - Kinoplakat
Bereits in "Bye, Bye Berlusconi!" war der während der Dreharbeiten noch amtierende Regierungschef Italiens Zielscheibe filmischer Satire geworden. "Il Caimano" (Der Kaiman) ist der von einem Journalisten vergebene Spitzname für den selbstherrlichen Politiker und Titel der Tragikomödie von Regisseur und Autor Nanni Moretti, der das Thema geschickt in einem Film-im-Film verarbeitet hat.

Seit den 1970er Jahren dreht Bruno Bonomo (Silvio Orlando) mit ebensoviel Enthusiasmus wie Dilletantismus Billigfilme für die Videothek. Doch seine besten Tage scheinen vorüber zu sein; der künstlerisch wie kommerziell totale Flop seines letzten Filmes "Katarakte" hat den Produzenten in den Ruin getrieben.

Auch privat sieht es düster aus, ist doch seine Ehe mit Paola (Margherita Buy), eine Schauspielerin, die in seinem letzten Film die Aidra gespielt hatte, längst zerrüttet. Ein Hoffnungsschimmer ist der Vertrag mit dem italienischen Fernsehsender RAI zu der Produktion "Die Heimkehr des Christoph Columbus". Doch als der vorgesehene Regisseur Franco Caspio (Giuliano Montaldo) sich von dem Projekt verabschiedet, ist Bonomo gezwungen, dem Studio ein neues Drehbuch zu präsentieren.

Bei einer Retrospektive, auf der eines seiner früheren Werke gezeigt wird, lernt er die junge Regisseurin Teresa (Jasmine Trinca) kennen, die ihm eine Kopie ihres neuen Drehbuchs überreicht. Beim Überfliegen der Seiten erhält Bruno den Eindruck, dass es sich bei "Il Caimano" um einen ordinären Thriller handelt, und er bietet es dem Studio an. Doch tatsächlich handelt es sich um eine filmische Abrechnung mit dem zu der Zeit amtierenden italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (Elio De Capitani) und dessen Verstrickungen in das organisierte Verbrechen.

Das ist für die Fernsehverantwortlichen ein viel zu heißes Eisen. Doch Bonomo hat all seine Hoffnungen in dieses Projekt gesetzt und kann tatsächlich den polnischen Financier Jerzy Sturovsky (Jerzy Stuhr) dafür gewinnen. Doch der will sich nur beteiligen, wenn es Bonomo gelingt, den Filmstar Marco Pulici (Michele Placido) für die Rolle des Berlusconi zu verpflichten...



Film-Inhalt  


Santa Maria: Regisseur Franco Caspio (Giuliano Montaldo) im Streit mit Produzent Bruno Bonomo (Silvio Orlando)
Santa Maria: Regisseur Franco Caspio (Giuliano Montaldo) im Streit mit Produzent Bruno Bonomo (Silvio Orlando)


  Hintergrund


Na denn gute Nacht: Bruno mit seinem Freund (Nanni Moretti) und seinen Kindern
Na denn gute Nacht: Bruno mit seinem Freund (Nanni Moretti) und seinen Kindern

Nanni Moretti ist nicht nur seit seiner Kindheit ein begeisterter Wasserballspieler, sondern engagiert sich auch politisch. Er war einer der schärfsten Kritiker Berlusconis während dessen Amtszeit. Das Thema behandelte er bereits in den 1990ern in einigen Filmen, ein beabsichtigter Dokumentarfilm wurde jedoch nicht realisiert.

Stattdessen organisierte er Demonstrationen gegen Berlusconi, forderte die Linksparteien auf, sich für dessen Ablösung zu koordinieren und mobilisierte Kollegen und die nicht korrumpierten Medien. Für das Projekt "Il Caimano" hatte er sich dann mit den Co-Autoren Heidrun Schleef, Federica Pontremoli und Francesco Piccolo zusammengetan.

Dabei war Moretti wichtig, dass sein Film eine Perspektive mit einem gewissen Abstand aufbauen sollte. "Der Blick von außen ist etwas sehr Wichtiges," erklärt er, "zumal wir uns ja schon an Mancherlei gewöhnt haben, was in einer Demokratie eigentlich undenkbar wäre, angefangen bei der Tatsache, dass der Regierungschef drei Fernsehgesellschaften besitzt."

In Italien hatte Moretti es geschafft, dass "Il Caimano" am 26. März 2006, zwei Wochen vor den Parlamentswahlen in den Kinos anlief - Berlusconi wurde abgewählt.



Silvio Berlusconi wird am 29. September 1936 in Mailand als Sohn eines Bankiers geboren. Nach seiner Reifeprüfung studiert er Jura und schließt 1961 mit cum laude ab. Im selben Jahr gründet er seine erste Firma "Cantieri Riuniti Milanesi" in der Immobilienbranche. Mit Unterstützung der Bank von Carlo Rasini, für die sein Vater arbeitet, kann er bald erste Erfolge erzielen. Zusammen mit verschiedenen Inverstoren gründet Berlusconi 1963 die Firma "Edilnord", mit der bald in vielen italienischen Städten Bauprojekte durchgeführt werden, unter anderem "Milano Due", eine riesige Wohnanlage in einem Mailänder Vorort.

Dort wird auch der Fernsehsender "Telemilano" gegründet, mit dessen Übernahme Berlusconi 1978 ins Mediengeschäft einsteigt. Es folgen weitere Lokalsender, die schließlich landesweit mit identischem Programm geschaltet werden und das neu entstandene Unternehmen "Mediaset" zum Hauptkonkurrenten des staatlichen Senders RAI macht. Eine Ausweitung um etliche Verlagshäuser verbreitert Berlusconis Medienmacht.

1986 kauft er den angeschlagenen Fußballclub AC Mailand, dem er bis 2004 auch als Präsident vorsteht. 1993 gründet Berlusconi die Partei "Forza Italia" und wird 1994 Ministerpräsident von Italien bis 1995, nachdem das Mitte-Rechts-Bündnis geplatzt war. Nach mehreren Personalwechseln im Regierungsamt gewinnt er 2001 erneut die Parlamentswahlen und wird 2006 abgewählt - immerhin die erste vollständige Legislaturperiode in der Geschichte der Republik.

Wohl kein anderer Politiker der Nachkriegszeit hat das italienische Wahlvolk derart polarisiert als Silvio Berlusconi. Dabei ging es unter anderem um die unverhohlene Ausnutzung seiner wirtschaftlichen Macht - nach den Wirtschaftsmagazin Forbes war er (Stand 2005) der reichste Mann Italiens. Die Verquickung von privaten und politischen Interessen, die Abwehr zahlreicher juristischer Maßnahmen und finanzieller Schwierigkeiten mit politischen Mitteln, Verstrickungen mit der Mafia sowie die polemische, teils ins derbe abgleitende Sprache waren weitere Angriffspunkte seiner Kritiker.



Der Kaiman  


Brunos Noch-Frau Paola (Margherita Buy)
Brunos Noch-Frau Paola (Margherita Buy)
► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Il Caimano - Der Italiener" in der Regie von Nanni Moretti liefen am 12.07.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Ode an die Freude
Kriegsfilm, Japan, 2006

Henri Cartier-Bresson - Biographie eines Blicks
Dokumentation, Schweiz, Frankreich, 2003

Harry Potter und der Orden des Phönix
Fantasy-Abenteuer, USA, 2007

Clerks 2 - Die Abhänger
Komödie, USA, 2006



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