Jersualem: Jeden Samstag läßt sich hier am Eingang des Nationalfriedhofs "Mount Herzl" eine etwas seltsame Prozession beobachten: Eine Gruppe älterer Menschen zieht mit Klappstühlen und Picknickkörben vorbei am Grabstein von Theodor Herzl in den Friedhof.
Dort - im Schatten einer alten Pinie - diskutieren sie über Geschichte und Politik. Es sind Überlebende des Holocaust und deren Angehörige. Von den anderen Friedhofsbesuchern werden sie etwas spöttisch die "Mount Herzl Academy" genannt.
Fünf Jahre lang hat die 1969 in Jerusalem geborene Filmemacherin Tali Shemesh die Gruppe von Menschen beobachtet und ihre Gespräche über die Vergangeheit, die Gegenwart und Zukunft belauscht.
So erforscht die Regisseurin mit der Kamaera unter anderem das außergewöhnliche Verhältnis zwischen Minya, einer zurückhaltenden und schweigsamen Großmutter, und Lena, deren eher dominanter Schwägerin – zwei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und die das Schicksal dennoch fest aneinander geschweißt hat.
Der Film bewegt sich zwischen der Gruppe, deren Mitglieder im Laufe der Jahre durch den Tod dezimiert werden und Lenas privatem Drama, das stellvertretend für das Trauma derer steht, die den Terror der Zeit des Nationalsozialismus überlebt haben.