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Glück in kleinen Dosen

USA, Deutschland, 2005
Tragikomödie, 111 Minuten, FSK: 16

Originaltitel
The Chumscrubber

Kino-Start
05.10.2006

Regie
Arie Posin

Darsteller
Jamie Bell (Dean), Justin Chatwin (Billy), Camilla Belle (Crystal), Lou Taylor Pucci (Lee), Glenn Close (Carrie Johnson), Carrie-Anne Moss (Jerri Falls), Rory Culkin (Charlie Stiffle), Thomas Curtis (Charlie Bratley), John Heard (Officer Lou Bratley), Rita Wilson (Terri Bratley), Ralph Fiennes (Michael Ebbs), William Fichtner (Bill Stiffle), Allison Janney (Allie Stiffle), Jason Isaacs (Mr. Parker), Caroline Goodall (Mrs. Parker), Josh Janowicz (Troy)
Glück in kleinen Dosen - Kinoplakat
Einst flohen seine Eltern vor den Kommunisten in Russland nach Amerika. In seinem Spielfilmdebüt "Glück in kleinen Dosen" deckt Regisseur Arie Posin nun die Auswüchse des Kapitalismus in dessen Ursprungsland auf.

Hillside ist eine verdächtig idyllische Vorstadt in Südkalifornien. Alles ist sauber und ruhig, und die Bewohner scheinen alle glücklich zu sein. Nicht so Teenager Dean Stiffle (Jamie Bell), der als Außenseiter von seinen Mitschülern nicht gelitten ist, und auch sein Freund Troy (Josh Janowicz) ganz offensichtlich nicht, denn Dean findet ihn eines Tages erhängt in dessen Zimmer auf, der mit dieser Tat die Ordnung des Städtchens aus den Fugen zu stoßen beginnt.

Deans Vater Bill (William Fichtner), Autor psychologischer Abhandlungen, der den Sprössling schon vorher zu Studienzwecken analysiert hatte, verpasst ihm Pillen, um ihn nach dem traumatischen Ereignis ruhigzustellen. Troy hatte die Schüler der örtlichen Highschool mit Drogen versorgt, und so sind seine Kameraden auch weniger über dessen Tod betrübt als über den gefährdeten Nachschub der Muntermacher.

So beschließen Billy (Justin Chatwin), Crystal (Camilla Belle) und Lee (Lou Taylor Pucci), Troys Geschäft und Vorräte zu übernehmen, die sie in dessen Zimmer vermuten. Dabei soll ihnen Dean behilflich sein, da der Zugang zum Haus von Troys Mutter Carrie Johnson (Glenn Close) erlangen könnte. Da dieser sich zunächst wenig kooperativ zeigt, will Billy ihn unter Druck setzten, indem er dessen kleinen Bruder Charlie (Rory Culkin) entführt.

Doch er macht einen Fehler - sein Opfer heißt zwar auch Charlie (Thomas Curtis), ist aber tatsächlich der Sohn von Police Officer Lou Bratley (John Heard) und dessen geschiedener Frau Terri (Rita Wilson). Und die wiederum ist so beschäftigt mit den Vorbereitungen zur Hochzeit mit ihrem Verlobten, dem Bürgermeister Michael Ebbs (Ralph Fiennes), das sie das Verschwinden ihres Kindes gar nicht bemerkt. Nachdem sie es doch noch zur Kenntnis genomment hat, lässt sie sich leicht von Crystals Mutter Jerri Falls (Carrie-Anne Moss) beschwichtigen.



Film-Inhalt  


Dean Stiffle (Jamie Bell) findet seinen Freund Troy (Josh Janowicz) erhängt
Dean Stiffle (Jamie Bell) findet seinen Freund Troy (Josh Janowicz) erhängt


  Film-Kritik


Haben den falschen Charlie (Thomas Curtis): Billy (Justin Chatwin), Lee (Lou Taylor Pucci) und Crystal (Camilla Belle)
Haben den falschen Charlie (Thomas Curtis): Billy (Justin Chatwin), Lee (Lou Taylor Pucci) und Crystal (Camilla Belle)

"The Chumscrubber", so der Originaltitel, ist eine schräge Satire auf das leben der Wohlstandsbürger in der US-amerikanischen Vorstadt. Sie nimmt die den sich greifenden Konsum diverser Medikamente zur Steigerung des Wohlbefindens aufs Korn und die damit verbundenen Nebenwirkungen: Die Isolation des Individuums und die soziale Entfremdung selbst innerhalb der Familie, und damit verbunden das wahren einer intakten Fassade nach außen.

Der Einsturz der Idylle, durch die Jugendlichen verursacht, wird von den Erwachsenen zunächst nicht wahrgenommen und dann verdrängt. Die Kinder sind die Reiferen und gestalten die Realität, auf die ihre Eltern nur verspätet und dann widerwillig reagieren. Dabei baut die Story eine an Spannung zunehmende Dramatik auf, die dem Zuschauer bisweilen den Atem stocken lässt, um dann mit absurder, dabei keineswegs lächerlicher Komik entspannende Kontrapunkte zu schaffen.

Den Produzenten Lawrence Bender und Bonnie Curtis ist es gelungen, eine bis in die Nebenrollen hochkarätige Besetzung zu casten. So werden die durchaus vielschichtigen Charaktere durchgängig glaubhaft verkörpert. Jungstar aus "Billy Elliot" Jamie Bell spielt den jugendlichen Außenseiter ebenso überzeugend wie Glenn Close die langsam dem Wahnsinn anheim fallende Mutter des Selbstmörders, und auch Ralph Fiennes als glücklich halluzinierender Bräutigam ist absolut sehenswert.

Auch wenn die Gesellschaftskritik beim deutschen Publikum nicht die volle Wirkung erzielt, beschert dieses Werk ein sowohl spannendes wie auch höchst vergnügliches Filmerlebnis.



Arie Posin wurde 1972 in Jerusalem geboren, nur wenige Wochen, nachdem seine Eltern vor den Kommunisten aus der Sowjetunion geflohen waren. Seine Vater ist der russische Filmemacher Misha Posin, ein Zeitgenosse von Andrej Tarkowski, der als Zionist wegen antikommunistischer Aktivitäten im Gefängnis gelandet war. Seine Jugend verbrachte Arie Posin im Nahen Osten, Europa und Nordamerika – nie blieb er lange an einem Ort.

Die Auswandererfamilie ließ sich schließlich in einem Vorort von Los Angeles nieder, wo Arie Posin auf Empfehlung von Billy Wilder die School of Cinema an der USC (University of Southern California) absolvierte. Posins Kurzfilm „Over My Dead Body“ wurde international wohlwollend aufgenommen und auf Festivals in Europa und Nordamerika aufgeführt, wo er eine Reihe von Preisen gewann, darunter den "Golden Quakie" beim Durango Film Festival und den Kurzilmpreis in Gold auf dem WorldFest - Houston International Film Festival.

Es mag wie ein Märchen klingen, ist aber tatsächlich wahr, dass Posin in jungen Jahren Freundschaft mit der Hollywood-Legende Billy Wilder schloss. „Mein Vater hatte ihn in Russland kennen gelernt. Als wir dann nach Kalifornien übersiedelten, nahm sein Manager Kontakt mit ihm auf“, berichtet Posin. „Ich saß also in meinem ersten Jahr in der Highschool, als mein Vater auftauchte, mich aus dem Unterricht zerrte und mir sagte, ich solle einen Anzug anziehen.

,Du wirst Billy Wilder treffen“, sagte er mir.“ Das war der Beginn einer unschätzbar wertvollen, Jahrzehnte andauernden Bekanntschaft, in der sich Wilder entweder als Mentor von Posin hervortat oder aber moserte: „Was ist heutzutage nur mit den ganzen jungen Leuten los? Alle wollen Filmemacher werden! Was ist so falsch daran, Buchhalter oder Doktor oder Anwalt werden zu wollen?“ Wenn es eine wichtige Lektion gibt, die Posin von Wilder, dem wunderbar zynischen Humanisten des amerikanischen Kinos, lernte, dann ist es, dass man seine Figuren niemals verurteilen darf.



Hintergrund  


Da ist einiges schleierhaft: Terri (Rita Wilson) Und Bräutigam Michael (Ralph Fiennes)
Da ist einiges schleierhaft: Terri (Rita Wilson) Und Bräutigam Michael (Ralph Fiennes)

► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Glück in kleinen Dosen" in der Regie von Arie Posin liefen am 05.10.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Wholetrain
Drama, Deutschland, 2006

Thumbsucker
Tragikomödie, USA, 2005

Step Up
Drama, USA, 2006

Lapislazuli - Im Auge des Bären
Abenteuer, Deutschland, Österreich, Luxemburg, 2006

Kiriku und die wilden Tiere
Zeichentrick, Frankreich, 2005

Ich bin die Andere
Drama, Deutschland, 2006

Deutschland. Ein Sommermärchen
Dokumentation, Deutschland, 2006

Der tierisch verrückte Bauernhof
Familien-Animation, USA, 2006

Black Dahlia
Mystery-Thriller, USA, 2006



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