"Congo River" ist die Fortsetzung anderer Filme, die ich in Afrika gemacht habe, teilweise im Kongo. Ich habe acht afrikanische Filme in etwas über einem Jahrzehnt gedreht, fünf davon in Kongo bzw. Zaire. In diesen anderen Filmen habe ich bestimmte Abschnitte der neueren Geschichte eingefangen. Mit "Mobutu, roi du Zaïre" versuchte ich über eine symbolische Figur vierzig Jahre in der Geschichte des Afrika nach der Unabhängigkeit zurückzublicken.
Mit "Congo River" wollte ich noch weiter gehen, jenseits einer Welt, die ich bereits gut kannte - die urbane Welt der großen konkolesischen Städte Kinshasa, Kisangani und Lumumbashi. Durch diese Art einleitender Reise zur Quelle des Flusses wollte ich Afrika in seiner Zeitlosigkeit und der Rückkehr zu seinen Ursprüngen entdecken, aber auch in den Wendungen seiner Geschichte, weil ein Fluss immer Zeuge der Geschichte ist. Überall auf der Welt wurden Zivilisationen entlang von Flüssen und Seen gegründet - wie am Nil, am Tigris, Euphrat usw.
Dieser große Fluss - einer der größten auf der Welt - hat eine sehr filmischen Aspekt von Schönheit und Würde. Darüber hinaus gibt es die historische Dimension mit deren Spuren am Fluss. Es ist die Entdeckung und die Reise ebenso wie die Begegnung mit einem Volk, das von diesem Fluss an seinen Ufern lebt. Ich wollte diese lange, mehrere Monate dauernde Reise durch Afrika unternehmen, eine geographische Reise, die den Spuren der großen Entdecker Stanley und Livingstone folgt, aber auch von Conrad, der den großartigen Roman "The Heard of Darkness" schrieb.
Der Fluss ist außerdem die Erinnerung der Geschichte. Ich durchquerte ein Land, das keine anderen Wege mehr hat. Der Fluss und sein Rhythmus zwang mich über die Unmittelbarkeit der eigenen Erfahrungen hinauszugehen, mir Zeit zu nehmen an einem erhabenen Ort, auf der Suche nach mir selbst natürlich, weil jeder Film immer ein Anstoß und jede Reise eine Prüfung ist. Außerdem wollte ich Anderen im Herzen von Afrika begegnen. Ich wollte verstehen, wie dieser vergessene Kontinent, der einem völligen Desaster und allen Arten von Tragödien ausgesetzt war - Sklavenhandel, kolonialistische Fremdherrschaft, Unabhängigkeitskämpfe, Kriege und Diktatoren - nun anfängt, sich selbst aus seinen Trümmern wiederherzustellen.