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How to cook your Life

Deutschland, 2007
Dokumentation, 92 Minuten, FSK: 0

Originaltitel
How to cook your Life

Kino-Start
10.05.2007

Regie
Doris Dörrie

Darsteller
Edward Espe Brown, Doris Dörrie
How to cook your Life - Kinoplakat
Seit sie mit ihrer Geschlechterkomödie "Männer..." (1985) in die erste Liga der Regisseurinnen aufgestiegen ist, hat Doris Dörrie sich weder auf Themen noch Genres festlegen lassen. Nach der Tragikomödie "Erleuchtung garantiert" befasst sie sich erneut mit dem Buddhismus. In der Dokumentation "How to cook your Life" verbindet sie - und ihr Protagonist - ihn mit dem Kochen. Dieses Menü wurde in der Sektion Special auf der Berlinale 2007 gereicht.

Edward Espe Brown ist buddhistischer Zen-Priester und Meisterkoch in einer Person. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, beides miteinander zu verbinden und einige Kochbücher veröffentlicht, in denen die Philosophie und Lebensart des Buddhismus mit der Zubereitung und dem Verzehr von Speisen verknüpft wird.

Doris Dörrie hat ihn eine zeitlang begleitet und bei seinen umfangreichen Reisen und Tätigkeiten beobachtet. Beginnend in Österreich, Vom buddhistische Kulturzentrum in Neustift bei Scheibbs geht es weiter an das Tassajara Zen Mountain Center in Kalifornien und zum San Francisco Zen Center.

Die Kamera beobachtet Brown bei Kochkursen, Vortragsveranstaltungen und natürlich auch bei seiner Arbeit am Herd. Dabei versucht das Portrait dem Zuschauer die Gedanken näher zu bringen, die hinter der Mission des kulinarischen Philosophen stecken. Dabei sinniert der Meister über Radieschen, gelbe Rüben oder auch Wassermelonen.

Etwa die Zutaten, die er mit menschlichen Eigenschaften vergleicht, oder die Sinnerfüllung, die die Verrichtungen in der Küche versprechen. Espe sieht das Kochen als Kunst, die auf natürliche Weise ein Teil des Lebens abbildet.

Die Zubereitung der Rezepte findet mit traditionellen Geräten statt. Der Meister backt Brot, Pizza und Kuchen und bezieht sich dabei auf den japanischen Zen-Buddhisten Dogen Zenji, der bereits im 13. Jahrhundert ein Kochbuch verfasst hatte, die dem Leser die einfachen Tätigkeiten in der Küche nahebrachte, vom eigentlich simplen Reiswaschen bis zum Teigkneten.



Film-Inhalt  


Edward Espe Brown sorgt für Heiterkeit beim Kochkurs
Edward Espe Brown sorgt für Heiterkeit beim Kochkurs


  Hintergrund


Der Meister präsentiert seine Philosophie
Der Meister präsentiert seine Philosophie

Alles im Fluss, alles im Überfluss - Gedanken von Doris Dörrie

Ich glaube, dass es uns alle bedrückt, auch wenn wir so tun, als würde es uns nicht bedrücken. Aber ich glaube, dass es uns im Innersten tief bedrückt, dass wir dermaßen im Überfluss leben und drei Viertel der Anderen gar nichts haben - so ist ungefähr die Verteilung. Ein Viertel, das sind wir in der westlichen Welt; drei Viertel sind die Anderen, die nichts haben. Und ich glaube, dass wir alle das im Hinterkopf doch sehr genau wissen, und das wir damit auch nicht sehr glücklich sind.

Dass wir so wahnsinnig verschwenderisch sind, dass wir so irrsinnig viel haben, dass wir auch überhaupt keine Achtung oder keinen Respekt mehr vor dem haben, was wir haben. Es geht mir selber so: Also ich bin schon immer der Meinung beim Filmemachen oder auch beim Schreiben, dass ich von mir ausgehen muss. Also ich kann nicht einfach nur immer über etwas reden, was ich gar nicht kenne oder womit ich auch nichts zu tun habe.

Es bedrückt mich selber, dass ich eigentlich gelernt habe, dass man Brot nicht wegschmeißt, aber dass ich natürlich Brot wegschmeiße, weil es alt oder hart geworden ist; weil ich nicht aufgepasst habe, weil es schimmlig geworden ist; weil es wieder keiner gegesssen hat; weil ich mich verkalkuliert habe. Und dann schmeiß´ ich Brot weg, und ich schmeiß´auch andere Lebensmittel weg. Wenn man den Kühlschrank ausmistet, ist man ja immer wieder erschrocken, was da alles so kaputt gegangen ist, was offensichtlich Überfluss ist.

Da wieder so ein Maß zu finden, auch über meinen eigenen Kühlschrank hinaus, das finde ich wichtig, und das ist auch absolut fällig. Es ist unglaublich kompliziert, eine gerechtere, bessere Verteilung zu finden. Das werde ich nicht lösen können, das werden wir hier zusammen nicht lösen können. Aber was wir, glaub´ ich, lösen können, ist, ganz allein, privat in unserem engen, kleinen Häuschen in der Küche, das ist eine andere Haltung.



Gut essen ist überhaupt nicht teuer, das ist ja einfach Humbug, ein Mythos. Im Gegenteil: Wirklich gutes, gesundes Essen kann sehr, sehr billig sein, und das kann man auch sehr leicht zusammenstellen - wenn man es gelernt hat. Man muss es lernen, man muss wissen, wie es geht. Wenn man das nicht weiß, dann ist man wirklich verloren, und dann greift man zu diesen ganzen vorgefertigten Produkten, die ja in der Herstellung irrsinnig viel Profit erzeugen, und die dann am Ende auf den ersten Blick vielleicht billiger sind als ein Salat oder ein Avocadobrot - stimmt aber nicht.

Also, einfache Rechnung: Ein Avocadobrot ist immer billiger und ist natürlich ernährungswissenschaftlich viel gehaltvoller und besser als ein billiges Schnitzel. Aber das muss man lernen. Man muss nicht nur lernen, was diese Lebensmittel beinhalten an Nährwert, sondern ich glaube, was wir wieder lernen müssen, ist so ein Respekt nicht nur für die Lebensmittel, sondern auch ein Respekt vor uns selbst; dass es etwas bedeutet, wenn wir etwas kochen; dass es für uns etwas bedeutet. Und darüber redet Edward eben sehr viel.

Ein Satz, der mich jedesmal wieder trifft, da fragt er: "Wieviel ist Euch das Essen wert", und dann fragt er gleich im Anschluss: "Wieviel bis Du Dir selber wert?". Das geht jetzt nicht darum, großartige Gerichte zu kochen, sondern es geht halt wirklich darum, mit sehr simplen Nahrungsmitteln eine Beziehung aufzunehmen und aus denen was Leckeres herzustellen, was nicht irgendwie kompliziert wäre oder ein 3-Sterne-Menü.



Doris Dörrie über Essen  


Brown nimmt kein Blatt vor den Mund
Brown nimmt kein Blatt vor den Mund

  Doris Dörrie über Zen


Der Zen-Buddhist in der Versenkung
Der Zen-Buddhist in der Versenkung

Das ist etwas, was mich am Zen allgemein fasziniert oder auch am Buddhismus, der ja nun wirklich viele verschiedene Strömungen und Ausprägungen hat. Aber eins ist doch auch sehr zentral: Dieser Glaube an das Profane, das heißt, an das nicht Heilige. Das hat eng damit zu tun, dass ein Kern auch in der buddhistischen Lehre ist, kein Rezept und keine Dogmen zu haben und erst mal immer wieder Dinge möglich zu machen, sich zu öffnen und nicht die Dinge zu separieren.

Das Heilige und das Profane; die Küche und den Tempel, sondern wirklich zu schauen: Wie gehören die Dinge zusammen; also wirklich ein non-duales Denken auch immer wieder zu üben. Und dazu gehört eben auch immer wieder zu schauen: Was rutscht in eine falsche Heiligkeit, was ist eigentlich nur noch Dogma - und nicht der Kern der Dinge? Was ist unnötig, was kann man weglassen; wo ist die Welt wirklich so wie sie ist, und wo wird sie stilisiert? Das alles wegzulassen und immer wieder zu gucken: Wie weit können Ambivalenzen auch nebeneinander bestehen, wie weit kann man dieses duale Denken auflösen? Das ist vielleicht eine zentrale Denkmaxime im Zen-Buddhismus, und das habe ich eben auch versucht, an Edward zu zeigen.

Wobei mich das auch selber immer wieder rührt, wie menschlich er ist, wieviele Schwächen er hat, wie er immer noch nicht komplett seine Wut überwunden hat, wie er immer noch auch jähzornig sein kann. Wie er alles mögliche sein kann: eitel und selbstverliebt und ich weiß nicht was alles. Was wir ja auch alle haben. So wie er selbst es sagt: "Zeig Dich mit all Deinen Macken, versuch mit Deinen Macken umzugehen, versuch sie aber auch so im Griff zu haben, dass andere nicht verletzt werden - aber die Macken werden nicht weggehen."



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "How to cook your Life" in der Regie von Doris Dörrie liefen am 10.05.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Unsichtbar - Zwischen zwei Welten
Mystery-Thriller, USA, Kanada, 2007

Flyboys - Helden der Lüfte
Action-Abenteuer, Frankreich, USA, 2006

Die Eisprinzen
Komödie, USA, 2007

Das doppelte Lottchen
Zeichentrick, Deutschland, 2007

Crash Test Dummies
Tragikomödie, Österreich, 2005

Black Book
Thriller, Holland, England, Deutschland, 2006

1:1 - Eins zu Eins
Drama, Dänemark, 2006

Ebenfalls im Kino 




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