Wie kamen Sie dazu, Katja Riemann für die Rolle der Mutter zu besetzen? Ist das nicht ein ganz anderer Typus im Vergleich zu ihren sonstigen Rollen?
Katja Riemann war Ende 2003 ein Vorschlag von unserer Casterin Simone Bär. Zu meiner Schande kannte ich nicht alle Filme von ihr, was ich größtenteils nachgeholt habe. Dabei habe ich gemerkt, dass in den verschiedenen Filmen Elemente von der Figur auftauchen, die ich gesucht habe. Katja fand das Drehbuch sehr gut und deswegen habe
ich gleich bei unserem ersten Treffen vorsichtig angesprochen, dass ich nicht nur eine spezielle Figur mit ihr erarbeiten möchte, sondern auch den Wunsch habe, sie optisch zu verändern. Zu meiner Überraschung stieß das sehr offene Ohren und sie machte gleich
verschiedene Vorschläge. Ich wollte zuerst nur die Haarfarbe ändern, sie zeigte mir dann gleich ein Bild, wo sie braune Kontaktlinsen trug. Diese optischen Überlegungen führten dazu, dass wir auf einer ganz anderen Ebene intensiver über ihre Figur sprechen mussten. Was passiert, wenn die Haare ganz schwarz sind usw.. Dazu kam die Entscheidung Uli Noethen als ihren Ehemann zu besetzen. Nun hatte ich ein Paar, dass das deutsche Kino schon kennt, vor allem aus den erfolgreichen Bibi Blocksberg Filmen.
In dem Film gibt es viele dramatische Momente. Wie haben Sie die Schauspieler auf die Situationen vorbereitet?
Mit jedem Schauspieler mache ich lange vor Drehbeginn Rollengespräche, bei denen die kritischen Szenen des Drehbuches besprochen werden. Dadurch erfahre ich auch viel über den Schauspieler und seine Ängste. Teilweise sind Ängste gut, die kann ich als Regisseur benutzen, um ein wahrhaftiges Spiel zu erreichen, aber häufig muss ich diese Ängste abbauen. Bei den jüngeren Schauspielern habe ich das durch aus Amerika bekannte Übungen geschafft. Bei erfahrenen Schauspielern schaffe ich das nur, wenn sie Vertrauen gewinnen und erkennen, dass ich gut vorbereitet bin.
Aber ein wichtiges Element, mit dem ich das Ensemble auf den Film vorbereite, ist das psychotherapeutische Verfahren der Familienaufstellung. Intuitiv stellt ein Schauspieler in seiner Rollen die Familienmitglieder im Raum auf, aufgrund der sich nun entwickelnden Dynamik zwischen den Figuren und nach einer Zeit der Sammlung ist es möglich, so zu fühlen wie die dargestellte Figur. Dadurch kann man die emotionalen Knackpunkte des Drehbuches direkt und nicht verkopft angehen.
Wie lief die Kommunikation zwischen Ihnen und den Schauspielern ab? Geben Sie ihnen freie Hand oder besprechen Sie jede Szene ganz genau?
Vertrauen ist das wichtigste Gut eines Regisseurs. Und da ich jung bin, braucht man mehr Energie und Überzeugungskraft dies zu erreichen, vor allem da ich in der Schweiz aufgewachsen bin und ab und zu ein helvetisches Wort fällt, das zu Verwirrung führen
kann. Nach dem ich es geschafft habe, dass sie mir vertrauen, war die Kommunikation sehr gut. Bei fast allen Schauspielern trat dieser Moment vor den Dreharbeiten ein, ein paar wenige brauchten ein oder zwei Drehtage.