Nadja Frenz erzählt über ihren Film:
"Ziemlich zu Anfang unserer Drehzeit schlägt Grass uns vor, dass wir doch auch das neue Buch begleiten könnten, an dem er gerade arbeitet. 'Es wird mein bisher autobiografischstes', mehr verrät er nicht über den Inhalt. Für uns ein dramaturgisch willkommener
roter Faden.
Als das Buch erscheint, bricht der Medienrummel los: Grass' Eingeständnis, als Jugendlicher bei der Waffen-SS gewesen zu sein, wird von manchen als von langer Hand geplante Marketing-Strategie interpretiert.
Wir wissen, dass das nicht stimmt, denn wir haben gefilmt, wie die Verlagsmitarbeiter Monate zuvor eine ganz normale Veröffentlichung mit Lesungen und Vorabexemplaren für die Presse vorbereiten.
Dieser Medienhype kam auch für uns überraschend: Wer das Werk von Günter Grass kennt, weiß, dass die Auseinandersetzung mit Schuld sein Lebensthema ist. Die kurze Zeit bei der Waffen-SS und sein langes Schweigen darüber sind für uns in diesem Zusammenhang
eine weitere Facette, aber nichts, was dazu führen muss, den Künstler oder den Bürger Grass in einem völlig neuen Licht zu betrachten. Diese in den Feuilletons häufig erhobene Behauptung, Grass' Lebenswerk sei nun entwertet, hat Günter Grass sehr
verletzt.
Auch das konnten wir beobachten, als sich die meisten Kameras längst wieder auf andere Personen des öffentlichen Lebens gerichtet hatten.