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Deutschland. Ein Sommermärchen

Deutschland, 2006
Dokumentation, FSK: 0

Originaltitel
Deutschland. Ein Sommermärchen

Kino-Start
05.10.2006

Regie
Sönke Wortmann

Darsteller
Jürgen Klinsmann, Oliver Kahn, Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Joachim Löw, Michael Ballack, Jens Lehmann, Gerald Asamoah, Oliver Bierhoff, Tim Borowski, Arne Friedrich, Torsten Frings, Marcell Jansen, Mike Hanke, Timo Hildebrand, Thomas Hitzlsperger, Robert Huth, Sebastian Kehl, Miroslav Klose, Andreas Köpke, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Christoph Metzelder, Oliver Neuville, Jens Nowotny, David Odonkor, Bernd Schneider, Matthias Sammer, Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt
Deutschland. Ein Sommermärchen - Kinoplakat
Mit "Das Wunder von Bern" hatte Sönke Wortmann 2003 den ersten Triumph der deutschen Nationalmannschaft dramatisch aufbereitet. 2006 hat er das deutsche Team hautnah beim Versuch beobachtet, bei der WM im eigenen Lande erneut Weltmeister zu werden.

52 Jahre nach dem ersten Weltmeistertitel für die deutsche Nationalmannschaft und 32 Jahre nach dem zweiten Finalsieg in Deutschland war die Nation während der Spiele 2006 in einem wahren Fußballrausch, und Millionen von Autos waren mit Deutschlandfähnchen geschmückt - ein Phänomen, das das neue, gastfreundliche Selbstbewusstsein der Deutschen spürbar machte.

Mit seinem Gespür für starke Themen hatte sich im Vorfeld Regisseur Sönke Wortmann für zwei Jahre das exklusive Recht zusichern lassen, Spielern, Trainern, Masseuren und anderen Offiziellen auf die Pelle zu rücken und einen Blick hinter die Kulissen des Spielbetriebes zu werfen. Selbst früher Fußballprofi, fand er schnell Zugang zur Mannschaft und zeigt dem Fußballfan Bilder, die er so noch nicht gesehen hat. Zu den Protagonisten, die sich bereitwillig filmen ließen, gehören auch Wolfgang Hochfellner, Fahrer des Mannschaftsbusses, Zeugwart Thomas Mai, Physiotherapeut Adi Katzenmeier, der Manager der Nationalmannschaft Oliver Bierhoff und auch Generaldirektorin Uta Felgner vom Schlosshotel im Grunewald.

Die Kamera begleitet das Team Anfang Mai zum Trainingslager auf Sardinien, zeigt, wie die Spieler ihre Zimmer im Berliner Schlosshotel beziehen und ihre Anstrengungen während der Trainingssessions vor dem Championat. Der Zuschauer ist dabei, wenn Trainerassistent Jogi Löw seine Spieltaktik erläutert und Bundestrainer Jürgen Klinsmann seine Jungs vor einem entscheidenden Spiel einpeitscht. Auch die Begeisterung der Fans wird spürbar, sei es auf den Tribünen oder am Straßenrand, wenn der Mannschaftsbus seine Reise zwischen den Spielstätten antritt. Wortmann zeigt die Jubelfeiern nach den Siegen ebenso wie die Enttäuschungen nach der Niederlage gegen Italien im Halbfinale.



Film-Inhalt  


Jürgen Klinsmann gibt der Elf entscheidende Anweisungen
Jürgen Klinsmann gibt der Elf entscheidende Anweisungen


  Hintergrund


Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger freuen sich über den Gruppensieg
Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger freuen sich über den Gruppensieg

Vorbild zu "Deutschland. Ein Sommermärchen" war die Dokumentation "Les Yeux dans les Bleus", die die französische Nationalmannschaft auf ihrem Weg zum Champion 1998 in Frankreich zeigte. Bereits zur Amtszeit von Rudi Völler hatte Produzent Tom Spieß zu ihm und dem DFB in Sachen Doku bereits Kontakt hergestellt, aber keine Zusage erreichen können. Nach dem Wechsel trat er mit seinem Anliegen an Klinsmann heran und stieß auf grundsätzliche Zustimmung.

Da mit der Anwesenheit eines Filmteams quasi auf Hautkontakt zu den Spielern bis dato noch keine Erfahrung bestand, hatte man gemeinsam beschlossen, einen Probedurchlauf zum Confed Cup im Jahr 2005 zu machen. Die befürchteten Behinderungen blieben dabei aus, und die Zusammenarbeit zwischen Fußball- und Filmteam verlief reibungslos. Das Resultat dieser Generalprobe war ein Zusammenschnitt von einer knappen halben Stunde und hat bei der Vorführung vor den Beteiligten breite Zustimmung ausgelöst.

So gaben diese - DFB, Trainer, Spielerrat und die Spieler selbst grünes Licht für das Projekt WM-Doku. Danach wurden noch Verhandlungen mit der FIFA geführt, die während der WM das Hausrecht in den Stadien hat. Alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen und die Verträge so zu formulieren, dass keine Interessen verletzt wurden, war dann noch ein langer Weg. Als Verhandlungsführer an vorderster Front standen dabei Manager Oliver Bierhoff und der Organisationschef Georg Behlau vom DFB.



Wie lange sind Sie schon bei der Nationalmannschaft dabei?

Ich bin jetzt 71 Jahre alt und seit 1963, also fast 44 Jahre, beim DFB, ich kann die Länderspiele nicht mehr zählen, aber es waren sicher über 1.000.

Wie sind sie denn zum DFB gekommen?

Ich war damals in der Frankfurter Uniklinik beschäftigt und habe nebenher die Frankfurter Eintracht betreut und unser Trainer, der Paul Oswald, war mit dem Sepp Herberger befreundet, außerdem kannte ich den legendären Erich Deuser ganz gut. Masseur, hat man damals noch gesagt. Eines Tages hat der DFB angerufen. Da bin ich hin und der Herberger kam einer Sitzung raus, fragte „Wo ist der Katzenmeier?“ ich hab „Hier!“ gesagt und er: „Junge, willst du zum DFB kommen?“ So war’s gewesen. Mein erster Einsatz war mit der Jugendnationalmannschaft 1963. Und wissen sie wer da drin war? Der Franz Beckenbauer, der Berti Vogts und der Horst Köppel.

Helmut Schön, Jupp Derwall, Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Erich Ribbeck, Rudi Völler, Jürgens Klinsmann und Joachim Löw, Sie haben mit allen Bundestrainern gearbeitet. Was macht den Unterschied zwischen Sepp Herberger und Jürgen Klinsmann?

Der Sepp Herberger war ein Chef, der alles, aber auch wirklich alles kontrolliert, geprüft, bestimmt und allein entschieden hat. Der Jürgen Klinsmann konzentriert sich mehr auf die Mannschaft, bestimmt was passiert und delegiert dann an seine Leute. Dabei ist er sehr konsequent. Gut, das war der Herberger natürlich auch, aber der Jürgen ist ein sehr feiner und höflicher Mensch und das kommt bei allen, mit denen er zu tun hat, gut an. Und er hat ganz viele neue Ideen mitgebracht. Schauen sie bloß das Mannschaftshotel an, oder zum Beispiel diese Amerikaner, mit denen wir wirklich ganz fantastisch zusammengearbeitet haben. Da musste ich auch erst nur gucken und staunen und das Neue anerkennen. Die haben wirklich sehr viel gebracht mit ihren Methoden und ihren Maschinen.

Ist Dr. Müller-Wohlfahrt Ihr Chef?

Ja, schon irgendwie. Aber wir haben ein Team von drei Ärzten, zwei Orthopäden und ein Internist. Unser Viererteam in der Physiotherapie kommt mit unseren Ärzten hervorragend aus.

Sind Sie nur der Physiotherapeut oder auch der Psychotherapeut?

Der Physiotherapeut. Früher, da war der Trainer der Psychologe und kannte die Spieler und die Situation in ihrer Familie. Alles. Heute wäre das eine zusätzliche Belastung, wenn die Spieler bei Unstimmigkeiten immer zum Trainer laufen würden. Der Jürgen Klinsmann hat ja schon genug Belastung gehabt, mit dem großen Ziel, das er sich gesetzt hat. Heute hat man einen Psychologen. Zu Hans-Dieter Hermann sind die Spieler gegangen und haben auch Einzelgespräche geführt. Worüber wissen wir nicht; das geht uns auch nichts an.

Wenn die Spieler von Ihnen behandelt werden, wird da viel geredet oder eher entspannt?

Früher wurde mehr entspannt. Aber da wurde zwar auch ab und zu einer ans Telefon gerufen. Aber heute haben die Spieler ihr Handy auf der Massagebank und telefonieren dann viel öfter.

Was machen Sie in der Halbzeitpause?

Da ist kaum Zeit. Da kann man nur kurz behandeln. Wenn eine Verletzung vorliegt, dann holen wir den Arzt und können höchstens einen Kompressionsverband anlegen, oder ein Tapeverband. Wir sprechen uns mit den Ärzten ab und da bleibt nicht viel Zeit.

Und was machen Sie am gesunden Spieler?

Also ich massiere und taste. Und wenn ich eine Ungereimtheit finde, eine Verhärtung im Muskel, oder eine Verletzungsbereitschaft zum Beispiel, dann wird das geklärt und in Therapie umgesetzt.

Was bedeutet das Klavierspiel in Ihrem Leben?

Ich hab früher sehr viel gespielt, bevor ich bei der Eintracht war, hab’ ich in einer Studenten-Corporation gespielt. Heute habe ich leider nicht mehr so die Zeit. Aber ich hab’ mich sehr gefreut, in Berlin am Flügel zu sitzen, das Klavierspiel ist für mich Regeneration. Oder, wenn man mal eine Aggression hat, die kann man auch am Klavier abladen.

Und wie sind Sie mit Sönke Wortmann ausgekommen?

Mit dem hatte ich überhaupt keine Probleme, er ist ruhig und zurückhaltend. Er hat immer ruhig in der Kabine gesessen und nie gestört. Ein sehr netter Mann, sehr freundlich, wir haben uns oft unterhalten.

Haben Sie den Film schon gesehen?

Ich bin sehr zufrieden. Sönke Wortmann hat es wunderbar verstanden, die Stimmung rüberzubringen. Da muss ja eine Euphorie gewesen sein, das haben wir gar nicht so mitgekriegt, weil wir nur gearbeitet haben. Wenn das jetzt ins Kino kommt, wird das bestimmt angenommen werden, davon bin ich überzeugt.

Sie sind der dienstälteste Angestellte des DFB in der Nationalmannschaft?

Ich habe ausgerechnet, wenn ich 1963 zu Sepp Herberger gekommen bin, dann sind das 43 Jahre und davor war ich sechs Jahre bei der Eintracht. Fast 50 Jahre meines Lebens für den Sport. Und nächstes Jahr habe ich 25jähriges Jubiläum bei der A-Mannschaft. Wenn ich die Kraft habe, würde ich gern noch ein bisschen weitermachen - mit 80 lauf ich aber nicht mehr auf den Platz. Wenn die Mannschaft mich noch haben will – die Europameisterschaft würde ich gern noch mitmachen...



Interview mit Physiotherapeut Adi Katzenmeier  


Michael Ballack umarmt Physiotherapeut Adi Katzenmeier
Michael Ballack umarmt Physiotherapeut Adi Katzenmeier

  Interview mit Wolfgang Hochfellner, Fahrer des Mannschaftsbusses


Philipp Lahm kuriert seine Verletzung aus
Philipp Lahm kuriert seine Verletzung aus

Was haben Sie gemacht, bevor sie die Nationalmannschaft fahren durften?

Ich hab bei der Poststelle des DFB angefangen, hatte auch den Busführerschein und einfach das Glück, dass ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, als zweiter Mann mal mitzufahren. Dann wurde - mein Glück, sein Pech - der damalige Fahrer krank und ich wurde nochmal gefragt. Und der damalige Bundestrainer Berti Vogts hat gesagt: "Wir wollen das mit dem Wolfgang machen!" und dann hat das geklappt. Das war 1992.

Was unterscheidet eine Nationalmannschaft von einem Betriebsausflug oder einer Klassenreise?

Die Erwartungen und Anspannungen sind natürlich schon ganz anders als bei einem Schulausflug, obwohl es bei uns manchmal auch ganz lustig zugeht. Aber meine Aufgabe ist es, Menschen vernünftig und sicher von A nach B zu bringen.

Wie ist das aber zum Beispiel bei der Anfahrt zum Stadion?

Jürgen Klinsmann oder Joachim Löw haben meist noch so zwei, drei Sachen gesagt. Je nachdem wurde dann die Musik nochmal ganz laut gemacht. Oder auf Fingerzeig vom Trainer ganz aus, damit die Spieler sich in Ruhe voll auf das Spiel konzentrieren können. Wenn man dann in Sichtweite des Stadions ist, dann wird die Musik wieder volle Power laut gestellt, damit da Stimmung reinkommt und Emotionen für das Spiel, und damit die Spieler aufwachen!

Was war nach dem Italienspiel in Dortmund für eine Stimmung im Bus?

Wir sind vom Stadion direkt zum Flughafen gefahren. Da war nur eine große Leere und eine große Traurigkeit und wir haben auch keine Musik angemacht, nichts. Jeder war mit sich selber beschäftigt. Zum Teil haben sie völlig apathisch in ihren Sesseln gesessen und wussten gar nicht was überhaupt passiert ist. Die haben erst einen Tag später begriffen, was sie da verpasst hatten. Das tut einem nur Leid für die Jungs, die haben da drauf hingearbeitet über die Jahre und sich auch schätzen gelernt untereinander und dann ist innerhalb von ein paar Minuten so ein Lebenstraum zerstört.

Sind die Spieler für sie Kinder oder Kameraden?

Kinder auf keinen Fall. Wir haben ein wirklich sehr, sehr gutes Verhältnis und sitzen auch mal am Abend zusammen und trinkt ein Bier. Aber es ist schon eine emotionale Geschichte die einen verbindet. Aber das Wichtigste ist, dass man Respekt hat untereinander.

Wen fahren sie sonst noch?

Ich bin ja nach wie vor in der Poststelle und fahre nur die A-Nationalmannschaft. Manchmal fahre ich aber auch irgendwelche VIP-Menschen, die den DFB-Bus gemietet haben und auch mal auf Jürgen Klinsmanns Platz sitzen wollen. Und ich habe auch schon den Kanzler und den Bundespräsidenten gefahren.

Das Motto "Wir sind ein Team" kann man wohl für den ganzen Stab anwenden?

Hundert Prozent. Ganz klar hundert Prozent. Das war auch der Wunsch des ganzen Trainerstabs, dass es wirklich ein Team ist. Also eine richtige Gemeinschaft waren wir. Man sieht zwar fast immer nur die Spieler, aber das Team dahinter ist auch sehr wichtig. Das ist wahrscheinlich so wie beim Film. Jeder hat seine Funktion.

Unterschied zwischen einer Fahrt im Turnier und einem normalen Länderspiel?

Beim Turnier ist die Anspannung viel größer, weil jedes Spiel entscheiden kann, ob du weiterkommst oder nicht. Wenn du ein normales Länderspiel hast, ist auch eine Anspannung da, aber doch nicht so. Und bei einer WM im eigenen Land ist das alles noch mal höher, riesengroß. Wenn bei der EM-Quali mal etwas passieren sollte, hast du ja immer noch die Chance den Patzer im Rückspiel wieder wett zu machen. Bei der WM war's leider nicht so.

Wie haben sie eigentlich den Sönke Wortmann wahrgenommen?

Das ist ein feiner Kerl. Ich habe ihn damals bei der Premiere von "Das Wunder von Bern" in Essen das erste Mal gesehen, da durfte ich die noch lebenden Spieler der Nationalmannschaft von 1954 fahren. Und beim Confed Cup haben wir uns dann wirklich kennen gelernt und zusammen Fußball geschaut. Er hat sich voll integriert und wurde total akzeptiert von allen Leuten, weil er auch so eine angenehme Art hat, sich zu präsentieren. Er war voll dabei.

Besondere Vorkommnisse?

Alles wunderbar gelaufen. Emotional sehr stark und jetzt freuen wir uns riesig auf den Film. Ich denke, dass das ein Kracher werden wird, hier in Deutschland.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Teaser-Poster► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Deutschland. Ein Sommermärchen" in der Regie von Sönke Wortmann liefen am 05.10.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Wholetrain
Drama, Deutschland, 2006

Thumbsucker
Tragikomödie, USA, 2005

Step Up
Drama, USA, 2006

Lapislazuli - Im Auge des Bären
Abenteuer, Deutschland, Österreich, Luxemburg, 2006

Kiriku und die wilden Tiere
Zeichentrick, Frankreich, 2005

Ich bin die Andere
Drama, Deutschland, 2006

Glück in kleinen Dosen
Tragikomödie, USA, Deutschland, 2005

Der tierisch verrückte Bauernhof
Familien-Animation, USA, 2006

Black Dahlia
Mystery-Thriller, USA, 2006

Ebenfalls im Kino 




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