Wie lange sind Sie schon bei der Nationalmannschaft dabei?
Ich bin jetzt 71 Jahre alt und seit 1963, also fast 44 Jahre, beim DFB, ich kann die Länderspiele nicht mehr zählen, aber es waren sicher über 1.000.
Wie sind sie denn zum DFB gekommen?
Ich war damals in der Frankfurter Uniklinik beschäftigt und habe nebenher die Frankfurter Eintracht betreut und unser Trainer, der Paul Oswald, war mit dem Sepp Herberger befreundet, außerdem kannte ich den legendären Erich Deuser ganz gut. Masseur, hat man damals noch gesagt. Eines Tages hat der DFB angerufen. Da bin ich hin und der Herberger kam einer Sitzung raus, fragte „Wo ist der Katzenmeier?“ ich hab „Hier!“ gesagt und er: „Junge, willst du zum DFB kommen?“ So war’s gewesen. Mein erster Einsatz war mit der Jugendnationalmannschaft 1963. Und wissen sie wer da drin war? Der Franz Beckenbauer, der Berti Vogts und der Horst Köppel.
Helmut Schön, Jupp Derwall, Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Erich Ribbeck, Rudi Völler, Jürgens Klinsmann und Joachim Löw, Sie haben mit allen Bundestrainern gearbeitet. Was macht den Unterschied zwischen Sepp Herberger und Jürgen Klinsmann?
Der Sepp Herberger war ein Chef, der alles, aber auch wirklich alles kontrolliert, geprüft, bestimmt und allein entschieden hat. Der Jürgen Klinsmann konzentriert sich mehr auf die Mannschaft, bestimmt was passiert und delegiert dann an seine Leute. Dabei ist er sehr konsequent. Gut, das war der Herberger natürlich auch, aber der Jürgen ist ein sehr feiner und höflicher Mensch und das kommt bei allen, mit denen er zu tun hat, gut an. Und er hat ganz viele neue Ideen mitgebracht. Schauen sie bloß das Mannschaftshotel an, oder zum Beispiel diese Amerikaner, mit denen wir wirklich ganz fantastisch zusammengearbeitet haben. Da musste ich auch erst nur gucken und staunen und das Neue anerkennen. Die haben wirklich sehr viel gebracht mit ihren Methoden und ihren Maschinen.
Ist Dr. Müller-Wohlfahrt Ihr Chef?
Ja, schon irgendwie. Aber wir haben ein Team von drei Ärzten, zwei Orthopäden und ein Internist. Unser Viererteam in der Physiotherapie kommt mit unseren Ärzten hervorragend aus.
Sind Sie nur der Physiotherapeut oder auch der Psychotherapeut?
Der Physiotherapeut. Früher, da war der Trainer der Psychologe und kannte die Spieler und die Situation in ihrer Familie. Alles. Heute wäre das eine zusätzliche Belastung, wenn die Spieler bei Unstimmigkeiten immer zum Trainer laufen würden. Der Jürgen Klinsmann hat ja schon genug Belastung gehabt, mit dem großen Ziel, das er sich gesetzt hat. Heute hat man einen Psychologen. Zu Hans-Dieter Hermann sind die Spieler gegangen und haben auch Einzelgespräche geführt. Worüber wissen wir nicht; das geht uns auch nichts an.
Wenn die Spieler von Ihnen behandelt werden, wird da viel geredet oder eher entspannt?
Früher wurde mehr entspannt. Aber da wurde zwar auch ab und zu einer ans Telefon gerufen. Aber heute haben die Spieler ihr Handy auf der Massagebank und telefonieren dann viel öfter.
Was machen Sie in der Halbzeitpause?
Da ist kaum Zeit. Da kann man nur kurz behandeln. Wenn eine Verletzung vorliegt, dann holen wir den Arzt und können höchstens einen Kompressionsverband anlegen, oder ein Tapeverband. Wir sprechen uns mit den Ärzten ab und da bleibt nicht viel Zeit.
Und was machen Sie am gesunden Spieler?
Also ich massiere und taste. Und wenn ich eine Ungereimtheit finde, eine Verhärtung im Muskel, oder eine Verletzungsbereitschaft zum Beispiel, dann wird das geklärt und in Therapie umgesetzt.
Was bedeutet das Klavierspiel in Ihrem Leben?
Ich hab früher sehr viel gespielt, bevor ich bei der Eintracht war, hab’ ich in einer Studenten-Corporation gespielt. Heute habe ich leider nicht mehr so die Zeit. Aber ich hab’ mich sehr gefreut, in Berlin am Flügel zu sitzen, das Klavierspiel ist für mich Regeneration. Oder, wenn man mal eine Aggression hat, die kann man auch am Klavier abladen.
Und wie sind Sie mit Sönke Wortmann ausgekommen?
Mit dem hatte ich überhaupt keine Probleme, er ist ruhig und zurückhaltend. Er hat immer ruhig in der Kabine gesessen und nie gestört. Ein sehr netter Mann, sehr freundlich, wir haben uns oft unterhalten.
Haben Sie den Film schon gesehen?
Ich bin sehr zufrieden. Sönke Wortmann hat es wunderbar verstanden, die Stimmung rüberzubringen. Da muss ja eine Euphorie gewesen sein, das haben wir gar nicht so mitgekriegt, weil wir nur gearbeitet haben. Wenn das jetzt ins Kino kommt, wird das bestimmt angenommen werden, davon bin ich überzeugt.
Sie sind der dienstälteste Angestellte des DFB in der Nationalmannschaft?
Ich habe ausgerechnet, wenn ich 1963 zu Sepp Herberger gekommen bin, dann sind das 43 Jahre und davor war ich sechs Jahre bei der Eintracht. Fast 50 Jahre meines Lebens für den Sport. Und nächstes Jahr habe ich 25jähriges Jubiläum bei der A-Mannschaft. Wenn ich die Kraft habe, würde ich gern noch ein bisschen weitermachen - mit 80 lauf ich aber nicht mehr auf den Platz. Wenn die Mannschaft mich noch haben will – die Europameisterschaft würde ich gern noch mitmachen...