KINO

morgen

Film-Suche:

HomeKINO
vorschau
KINO
podcast
Kino 2006 I Kino 2006 II Kino 2006 III Kino 2006 IV Kino 2007 I Kino 2007 II Kino 2007 III Kino 2007 IV


Emmas Glück

Deutschland, 2006
Tragikomödie, 99 Minuten

Originaltitel
Emmas Glück

Kino-Start
17.08.2006

Regie
Sven Taddicken

Darsteller
Jördis Triebel (Emma), Jürgen Vogel (Max), Hinnerk Schönemann (Henner), Martin Feifel (Hans), Karin Neuhäuser (Lene), Nina Petri (Dagmar)
Emmas Glück - Kinoplakat

Die Bäuerin Emma (Jördis Triebel) betreibt auf sich allein gestellt eine Schweinezucht. Der Bauernhof wurde seit Generationen von ihrer Familie bewirtschaftet, allerdings wenig erfolgreich: Die Gebäude sind halb verfallen, und ein Berg von Schulden hat sich im Lauf der Jahre aufgetürmt. Die Schweine sind bisher Emmas einziger Lebensinhalt; liebevoll kümmert sie sich um jedes Tier und schlachtet das Borstenvieh schließlich auf ihre eigene, "humane" Weise. Den Dorfpolizisten Henner (Hinnerk Schönemann), einziger Bewerber um ihre Gunst, vertreibt die resolute Dame mit dem Gewehr im Anschlag - Ersatz ist bislang ihr als Vibrator unfunktioniertes Mofa.

Der Autoverkäufer Max (Jürgen Vogel) leidet seit einiger Zeit unter Bauchschmerzen und hat daher einen Arzt aufgesucht. Die niederschmetternde Diagnose: Magenkrebs, ein paar Wochen, vielleicht Monate bleiben ihm noch. Max braucht nicht lange, um einen Entschluss zu fassen: Das noch verbleibende Leben genießen, in der Ferne und im Luxus. Kurzerhand bucht er einen Flug nach Mexiko und klaut rund 70.000 Euro aus der Schwarzkasse seiner Firma. Zwar bemerkt Hans (Martin Feifel), sein Freund und Chef des Autohauses, den Diebstahl, doch Max reißt sich einen Jaguar unter den Nagel und nimmt Reißaus.

Den Boliden hat er allerdings nicht im Griff: Mit überhöhter Geschwindigkeit nimmt er eine Kurve, fliegt hinaus und landet mit Getöse auf Emmas Hof. Die wird dadurch aus dem Schlaf gerissen, verarztet das aus dem Wagen geschleuderte Unfallopfer und findet dessen monetäre Beute in einer Plastikdose im Auto. Emma nimmt die Summe an sich und lässt das Autowrack in Flammen aufgehen. Die kurz nach dem Unfall erscheinende Polizei läuft mit ihren Fragen ins Leere, und während Max seine Verletzungen auskuriert und über das vergangene Reisevergnügen sinniert, entwickelt sich trotz anfänglicher Reibereien allmählich eine Liebesbeziehung.

Die wird nur kurz gestört, als Max erfährt, dass Emma das entwendete Geld selbst verwenden will, um die Zwangsversteigerung ihres Hofes abzuwenden, worauf dieser ihr seine unheilbare Krankheit eingesteht. Doch das kurze Glück wird auch vom geprellten Auto-Schwarzhändler bedroht: Auf der Suche nach dem Dieb ist Hans schließlich fündig geworden und dringt in den Bauernhof ein. Dabei rechnet er aber nicht mit der resoluten Hausherrin: Die schafft es ihn zu überwältigen und sperrt ihn im Keller ein. Hans kann sich zwar befreien, erfährt aber sodann die bittere Wahrheit über seinen Freund...



Film-Inhalt  


Nicht in Gänsedaunen gepackt: Emma (Jördis Triebel) lässt sich nicht einschüchtern
Nicht in Gänsedaunen gepackt: Emma (Jördis Triebel) lässt sich nicht einschüchtern


  Film-Kritik


Ich wollt ich wär ein Huhn: Max (Jürgen Vogel) vor dem ausgebrannten Wrack
Ich wollt ich wär ein Huhn: Max (Jürgen Vogel) vor dem ausgebrannten Wrack

Bei der Umsetzung des gleichnamigen Romans von Claudia Schreiber sind gleich mehrere Glücksgriffe gelungen. Dabei ist zunächst das Skript zu erwähnen, bei dem während der Zusammenarbeit der beiden Autorinnen der doch recht komplexe und teils derbe Stoff des Buches auf ein dramaturgisch funktionierendes und auch für das breitere Publikum kompatibles Maß angepasst wurde.

Auch die Kamera ist zu loben, mit intensiven und aussagekräftigen Bildkompositionen, die auch das atmosphärische Gefälle zwischen der kalten Stadt und der ländlichen Wärme ausdrückt. Einen Teil der Wirkung von "Emmas Glück" macht die Selbstverständlichkeit aus, mit der humoristische Szenen mit tragischen Momenten einhergehen, wie das alltägliche Glück und die Normalität des Sterbens thematisiert werden. Mit poetischer Nonchalance balanciert der Film zwischen Tragik und Komik.

Entscheidenden Anteil am gelingen haben unbestreitbar die beiden Hauptdarsteller. Der Kontrast zwischen der manchmal grob wirkenden, doch zärtlichen und bodenständigen Landfrau und dem aus der Bahn geworfenen Städter, der unerwartet Zuflucht findet, wird von der Jungdarstellerin und dem Schauspielveteranen authentisch vermittelt. So ist mit Emmas Glück eine trotz ihrer Leichtigkeit ergreifende und gleichzeitig amüsante, tragisch-romantische Komödie entstanden, an die sich der Zuschauer noch lange erinnern wird. Sicher einer der deutschen Höhepunkte des Kinojahres.



Ein verlassener Bauernhof, auf dem man einen Film drehen kann, ist in Deutschland nicht allzu schwer aufzutreiben. Das passende Objekt, wie gewünscht pitoresk und idyllisch abgelegen, wurde im Bergischen Land gefunden. Etwas anspruchsvoller ist es schon mit der tierischen Besetzung: Bereits Monate vor Drehbeginn wurden die ausgewählten Schweine trainiert.

Doch wie alle Tiere sind auch Hausschweine unberechenbar. Daher hatte sich Hauptdarstellerin Jördis Triebel während eines dreiwöchigen Praktikums auf einem Bio-Bauernhof im Münsterland intensiv auf den Umgang mit dem Vieh vorbereitet. Und das hat sich ausgezahlt: Bei den Tierszenen ist anzumerken, dass sie keine Scheu hatte und mit einer Selbstverständlichkeit an die Vierbeiner heranging, die ihre Rolle als Bäuerin glaubwürdig unterstützte.

Dadurch waren Szenen, in denen die zärtlichen Schlachtungen vorkamen und ein überaus inniger Kontakt zu den Schweinen erforderlich wurde, überhaupt erst möglich. Am Set selbst wurde übrigens kein einziges Tier getötet; die Schlachtungen dort waren also "gefaked". Die Verarbeitung und Verwurstung des Fleisches durch Emma wurden im Rahmen einer Hausschlachtung gedreht, so dass das Fleisch danach normal weiter verarbeitet werden konnte.



Hintergrund  


Kann nicht bei Emma landen: Dorfpolizist Henner (Hinnerk Schönemann)
Kann nicht bei Emma landen: Dorfpolizist Henner (Hinnerk Schönemann)

  Spielfilm-Debüt: Jördis Triebel


Streit ums Schwarzgeld: Max mit seinem besten Freund und Chef Hans (Martin Feifel)
Streit ums Schwarzgeld: Max mit seinem besten Freund und Chef Hans (Martin Feifel)

Die am Prenzlauer Berg in Ost-Berlin aufgewachsene Jördis Triebel hatte bereits in jungen Jahren Kontakt zur Bühne: Ihre Mutter war Requisiteurin am Kindertheater "Karussell". Nachdem sie die Schule abgebrochen und ein halbes Jahr als Au-Pair-Mädchen in Amerika gejobbt hatte, nahm sie mit 18 Jahren an der Berliner hfs (Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) ihr Studium auf und trat nach bestandenem Abschluss 2002 dem Ensemble des Bremer Theaters bei.

Bereits hier konnte sie nach einigen Hauptrollen einen ersten Erfolg verbuchen: Sie erhielt den angesehenen Kurt-Hübner-Preis. Im Anschluss bekam sie eine Gastrolle am Schauspielhaus Zürich mit einem Engagement für "Das weite Land" von Arthur Schnitzler. Es folgten einige Fernsehrollen, darunter die Folge "Herzblut" der Krimi-Reihe "Wolffs Revier". Als Glücksgriff im mehrfachen Sinn erwies sich schließlich das Casting für den Kinofilm "Emmas Glück".

Unter zahlreichen Mitbewerberinnen stach Triebel ihre Konkurrentinen überzeugend aus. Ihre erste Kinorolle, und das gleich als Titel- und Hauptdarstellerin, brachte sogleich einen weiteren Preis ein: Auf dem Filmfest München war Sven Taddicken für den Förderpreis Deutscher Film in der Kategorie Regie nominiert, mit dem Schauspielpreis geehrt hingegen wurde Jördis Triebel.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Emmas Glück" in der Regie von Sven Taddicken liefen am 17.08.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Zum Glück geküsst
Liebeskomödie, USA, 2006

Wer früher stirbt ist länger tot
Komödie, Deutschland, 2006

TRIP - Remix your Experience
Musik, Deutschland, 2005

The Pianotuner of Earthquakes
Drama, Deutschland, England, Frankreich, 2005

Superman Returns
Science Fiction, Australien, USA, 2006

Neil Young: Heart of Gold
Musikdokumentation, USA, 2005

Die Quereinsteigerinnen
Tragikomödie, Deutschland, 2005

Der Hals der Giraffe
Drama, Frankreich, Belgien, 2004

Ebenfalls im Kino 




KINO

morgen