Im Gegensatz zu den Drachensagen Ostasiens - insbesondere Chinas-, die Drachen als weise, sanftmütige Wesen darstellen, die ihre Kräfte niemals einsetzen, um mit ihnen Chaos und Tod heraufzubeschwören, werden im christlich-abendländischen Kulturkreis Drachen zumeist als Sinnbilder der Apokalypse gesehen.
Die Quelle aller Drachensagen des nordisch-westlichen Kulturkreises befindet sich vermutlich im heutigen Irak, zwischen Euphrat und Tigris. Es ist die Legende von Apsu und Tjamat: Am Anfang aller Zeit, so heißt es in der Fabel, als die Welt noch formlos war, entwickelten sich in diesem Nichts zwei Urwesen. Der Geist des Wassers und der Leere, Apsu, und Tjamat, der Geist des Salzwassers und des Chaos.
Apsu und Tjamat sind Drachen, ausgestattet mit dem Gebiss eines Löwen, den Flügeln einer Fledermaus, den Beinen einer Eidechse, den Krallen eines Adlers, dem Körper einer Schlage, den Hörnern eines Stiers und vor allem dem Kiefer eines Krokodils.
Über die Sagenwelt des antiken Griechenlands gelangten die Drachensagen nach Nord- und Westeuropa. Ob Typhon, ein Drache mit hundert Köpfen, oder die sich gegenseitig zerfleischende Drachenbrut von König Aietes in Kolchis, Drachen spielen in der griechischen Mythologie ebenso eine Rolle wie im Alten Testament, dessen Geschichten gleichfalls die abendländische Mythologie und ihr Drachenbild beeinflussten.
Im Buch Hiob wird zum Beispiel der Leviathan beschrieben, aus dessen Mund, wie es in der Luther-Übersetzung heißt "feurige Funken schießen". Je nach Übersetzung und Interpretation des Buches Hiob trägt der Leviathan die Züge eines Krokodils vermischt mit denen eines Drachen, einer Schlange oder auch des Wales.