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Free Rainer - Dein Fernseher lügt

Deutschland, Österreich, 2007
Mediensatire, 129 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Free Rainer - Dein Fernseher lügt

Kino-Start
15.11.2007

Regie
Hans Weingartner

Darsteller
Moritz Bleibtreu (Rainer), Simone Hanselmann (Anna), Gregor Bloéb (Maiwald), Franziska Knuppe (Maiwalds Freundin), Elsa Schulz Gambard (Pegah), Milan Peschel (Phillip), Peer Jäger (Gründgens), Doris Goldpashin (Moderatorin), Valentin Platareanu (Pegahs Großvater), Ralf Knicker (Sebastian), Irshad Panjatan (Gopal), Andreas Brandt (Karl-Heinz), Tom Jahn (Bernd), Robert Viktor Minich (Harry)
Free Rainer - Dein Fernseher lügt - Kinoplakat
Dass das Niveau in der deuschen Fernsehlandschaft inzwischen sehr platt geworden ist, hat ein Bewohner der Alpenrepublik Österreich zum Anlass genommen, darüber eine herzhafte Satire zu drehen. In "Free Rainer - Dein Fernseher lügt", dem dritten Kinofilm des Vorarlbergers Hans Weingartner, spielt Filmstar Moritz Bleibtreu einen TV-Produzenten, der auf eigene Art gegen den Quotendruck ankämpft.

Anspruchsvoll ist TV-Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) allenfalls bei der Wahl seines Autos oder seiner Klamotten. Bei seinen Sendungen hingegen geht es ihm ausschließlich um eines: Top Quoten. Er hat sich perfekt an sein Umfeld des Senders angepasst und hält sich mit Koks und Wodka unter Spannung. In Begleitung seiner Freundin Anna (Simone Hanselmann) lässt er sich auf einer Gala seines Senders TTS für seine Erfolgsshow "Hol dir das Super Baby" feiern.

Doch innerlich ist Rainer schon längst angewidert von der sinnfreien Leere seines Berufs und entzieht sich der Einladung seines Programmchefs Maiwald (Gregor Bloéb), zusammen mit seiner und dessen Freundin (Franziska Knuppe) ins Restaurant zu gehen. Stattdessen versumpft er in einer Bar und macht sich am frühen Morgen auf den Heimweg. So merkt er auch nicht, dass ein Geländewagen auf einer leeren Kreuzung auf ihn zurast.

Hinter dem Steuer sitzt die junge Pegah (Elsa Schulz Gambard), die Rainers Jaguar absichtlich mit voller Wucht rammt. Beide landen schwerverletzt im Krankenhaus. Während seiner Genesung erfährt er dort, was seine Unfallgegnerin zu ihrer Tat veranlasst hat: Ihr Großvater (Valentin Platareanu) wurde in Rainers Sendung "Report 24" fälschlich beschuldigt, als Schwimmtrainer seine Schützlinge gedopt zu haben, worauf sich dieser umgebracht hatte.

Diese Nachricht ist für Rainer nach dem Autoscrash der nächste Schock, der bei ihm ein radikales Umdenken bewirkt. Nachdem er eine neue, kritischere Sendung einführt, floppt diese bei den Quoten. Maiwald setzt sie prompt ab, worauf der Produzent nach heftigem Streit den Sender verlässt. Nun sagt er dem System den Kampf an:

Da die Einschaltquoten mit Geräten ermittelt werden, die in fünftausend angeblich repräsentativ ausgewählten Haushalten stehen, kommen er und Pegah auf die Idee, diese Boxen auszutauschen und die Quoten selbst zu gestalten. Zusammen dringen sie in die Firma "IMA" ein, in der die Daten zusammenlaufen, und können Wachmann Phillip (Milan Peschel), der sie erwischt, aber auch gerne an Verschwörungen glaubt, zum Mitmachen animieren.

Vom Arbeitsamt weg werden fünf Arbeitslose angeheuert, die dem Trio beim Austausch der Boxen behilflich sein sollen. Nach anfänglichen Rückschlägen gelingt es den Kulturkämpfern tatsächlich, über manipulierte Verteilerkästen nun selbst die Quoten bestimmen zu können. Gründgens (Peer Jäger), der Chef von TSS, drängt Maiwald nun, anspruchsvollere Inhalte zu bringen. Doch der ahnt, dass die durcheinandergeratenen Quoten nicht mit rechten Dingen zustande gekommen sein könnten. Er stöbert die Medienguerilla auf und macht ihnen ein unmoralisches Angebot...



Film-Inhalt  


Wieder mal high: Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) zerdeppert seinen schönen XK8
Wieder mal high: Produzent Rainer (Moritz Bleibtreu) zerdeppert seinen schönen XK8


  Hintergrund


Heiterkeit als Erfolgsrezept: Superbaby-Moderatorin (Doris Goldpashin)
Heiterkeit als Erfolgsrezept: Superbaby-Moderatorin (Doris Goldpashin)

Als Hans Weingartner das zehnseitige Exposé zu "Free Rainer" im Sommer 2005 fertiggestellt hatte, handelte es sich um eine Satire. Bei der Ausarbeitung zum Treatment mit Katharina Held, seiner bewährten Co-Autorin des vorangegangenen Films "Die fetten Jahre sind vorbei", wandelte sich das Werk zu einem Thriller. Doch in der endgültigen Fassung des Drehbuchs, bei der auch noch Maggie Peren Hand anlegte, wurde die reale Verschwörungstheorie aus Platzgründen wieder fallengelassen.

Bei der Finanzierung seines dritten Kinofilms half dem Filmemacher der Erfolg des Vorgängers "Die Fetten Jahre sind vorbei", der nur mit einem privaten Kredit zustandegekommen war. Dessen Preisgelder und Referenzmittel waren schon einmal die halbe Miete für das neue Werk, Zuschüsse kamen außerdem vom BKM (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien) und vom Medienboard Berlin-Brandenburg.

Die Filmförderungsanstalt hielt sich allerdings vornehm zurück - Hans Weingartner ist sich sicher, woran das liegt: "Da sitzen Fernsehredakteure drin, die sich engagiert gegen das Projekt aussprachen und meinten, der Film hätte keine kommerziellen Chancen." Doch er ist zuversichtlich, dass das Publikum das Gegenteil beweist.



Eigentlich wollte der Regisseur ein "unverbrauchtes" Gesicht für seinen Titelhelden. Denn einen Prominenten konnte er sich bei dem veranschlagten Etat von zwei Millionen Euro eigentlich nicht leisten. Doch auf der Berlinale 2006 lernte er Moritz Bleibtreu kennen, der Weingartner erklärte, das Drehbuch zu "Free Rainer" sei das beste, das er in den letzten fünf Jahren gelesen habe.

So kam es zu Probeaufnahmen, und Weingartner hatte seinen neuen Rainer. Dafür musste allerdings das Drehbuch umgeschrieben werden, denn die Figur war ursprünglich kopfbetont. "Moritz ist viel mehr Bauchmensch", konstatiert der Regisseur.

Für die Rolle des Wachmanns hatte er allerdings schon eine Wunschvorstellung, und das war Milan Peschel. Der war allerdings schon fest für die Berliner Volksbühne engagiert, und so musste das Filmteam seinen Zeitplan an dessen knappbemessene freie Zeit anpassen.

Die Suche nach der dritten Hauptfigur in "Free Rainer" war dank einem Hobby des Filmemachers vom Erfolg gekrönt: Bei einem Surfurlaub in Spanien traf er auf das Nachwuchstalent Elsa Sophie Gambard. Sie verkörpert die rebellische Pegah und kann dafür auf ihre früheren Erfahrungen als engagierte Kämpferin für Greenpeace und Amnesty International zurückgreifen.



Das Casting  


Heizt Rainer gehörig ein: Pegah (Elsa Schulz Gambard)
Heizt Rainer gehörig ein: Pegah (Elsa Schulz Gambard)

  Die Drehorte


High Fidelity: Rainer befreit sich vom Breitbildschirm
High Fidelity: Rainer befreit sich vom Breitbildschirm

Während die deutschen Fernsehsender ob der Thematik von "Free Rainer" auf Kooperationsanfragen eher reserviert reagiert haben, gab es im Nachbarland Österreich mehr Verständnis und Hilfsbereitschaft. So gab das ORF dem Filmteam die Genehmigung, die Studioräume im Sendezentrum am Wiener Küniglberg als Kulissen für die TV-Sendungen des Protagonisten zu verwenden.

Um die Wirkung der Showszenen möglichst authentisch zu gestalten, konnten die Filmemacher auch auf die Mithilfe einiger ORF-Mitarbeiter zurückgreifen. Die Atmosphäre einer echten Fernsehshow kam schließlich auch dank der Teilnahme von siebenhundert Statisten zustande. Allein diese Sequenz kostete schon einen sechsstelligen Eurobetrag.

Im Anschluss an die Drehwoche in Wien reiste das Team nach Berlin, wo sämtliche Außenaufnahmen in der Stadt und dem Umland entstanden. Der Regisseur bestand für die Amokfahrt seiner Hauptfigur auf die Leipziger Straße - eine echte logistische Herausforderung: Diese Hauptverkehrsachse zwischen Potsdamer- und Alexanderplatz musste für einen ganzen Tag gesperrt werden.

Den Widerstand des Polizeipräsidiums konnte glücklicherweise der Regierende Oberbürgermeister überwinden: Klaus Wowereit legte sich als Fan von "Die fetten Jahre sind vorbei" für eine Drehgenehmigung ins Zeug. Als Drehtag wurde der 17. September 2006 angesetzt - ausgerechnet der Wahlsonntag zum Abgeordnetenhaus, und so musste immer wieder unterbrochen werden, weil einige aus den Menschenmassen die Absperrungen überwanden.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Free Rainer - Dein Fernseher lügt" in der Regie von Hans Weingartner liefen am 15.11.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Wir sagen Du! Schatz.
Drama, Deutschland, 2007

The Man who shot Chinatown - The Life and Work of John A. Alonzo
Dokumentation, Deutschland, USA, 2007

The 11th Hour - 5 vor 12
Dokumentation, USA, 2007

Takva - Gottesfurcht
Drama, Türkei, Deutschland, 2006

Schöner Leben
Drama, Deutschland, 2006

La Leon
Drama, Argentinien, 2006

King of California
Komödie, USA, 2007

Ex Drummer
Sozialdrama, Belgien, 2007

Die Legende von Beowulf
Fantasy-Abenteuer, USA, 2007

Der Kindergarten Daddy 2
Komödie, USA, 2007

American Gangster
Drama, USA, 2007

Ebenfalls im Kino 




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