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Gambit

Deutschland, Schweiz, 2005
Dokumentation, 107 Minuten

Originaltitel
Gambit

Kino-Start
21.09.2006

Regie
Sabine Gisiger

Darsteller
Jörg Sambeth (ehemals Technischer Direktor Givaudan), Caroline Sambeth (Jörgs zweite Ehefrau, ehemals Parfümeurin bei Givaudan), Birgit Sambeth Glasner (Jörgs Tochter), Ulrich Sambeth (Jörgs Sohn), Roger Dagon (Anwalt in Genf), Alberto Moro-Visconti (Anwalt in Mailand), Italo Pasquon (Professor für Chemie in Mailand), Ekkehard Sieker (WDR-Journalist), Theo Theofanous (Professor für Technikfolgenabschätzung)
Gambit - Kinoplakat
Der Chemieunfall bei Seveso im Jahr 1976 hatte den Zorn der Öffentlichkeit auf einen Konzern gelenkt, der mit der Verurteilung von fünf Männern zu verrauchen schien. Einer von ihnen packt nun in der Dokumentation "Gambit" aus.

Der Chemiker Jörg Sambeth ist Technischer Direktor von Givaudan, einem großen Hersteller von Aromen und Duftstoffen in Genf und Tochterfirma des Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche. In seinen Verantwortungsbereich fällt auch die chemische Fabrik Icmesa in Meda in Italien, unweit von Mailand. Dort ereignet sich am 10. Juli 1976 ein folgenreicher Unfall: Es tritt Tetrachlordibenzodioxin aus, ein extrem giftiger Stoff, der sich über das benachbarte Dorf Seveso und andere Gemeinden ausbreitet. Eine lokale Umweltkatastrophe von erheblichem Ausmaß bricht über die Bewohner herein. Die Öffentlichkeit wurde erst eine Woche nach dem Ereignis darüber informiert, dass Dioxin ausgetreten war.

Die Staatsanwaltschaft leitet einen Prozess ein, um die Verantwortlichen für den Zwischenfall zu ermitteln, und der Konzern Roche betraut Anwälte aus seiner Rechtsabteilung mit der Verteidigung, an ihrer Spitze der Mailänder Jurist Alberto Moro-Visconti. Jörg Sambeth wird als Hauptschuldiger vor Gericht gestellt und neben vier weiteren Angeklagten verurteilt. Er erhält eine Haftstrafe von fünf Jahren, die zwar in einem Berufungsverfahren auf eineinhalb Jahre reduziert und zur Bewährung ausgesetzt wird, sein Leben jedoch erheblich beeinträchtigt. So stirbt seine Frau während der Verhandlungen an Krebs, was bei Sambeth Schuldgefühle hervorruft. Er sieht sich als Bauernopfer, das wie beim Gambit im Schachspiel gebracht wird, um höherwertige Spielfiguren zu schützen.

In diesem Falle sei es von der Justiz der Öffentlichkeit dargebracht worden, während Manager des Mutterkonzerns Roche, die Mitverantwortung für das Unglück getragen haben, davongekommen sind. Sambeth entschließt sich, mit Hilfe eines Anwalts, gegen die Firma vorzugehen, nimmt aber zunächst Abstand von dem Vorhaben, als er eine neue Liebe findet und zum zweiten Mal heiratet. Eine Reportage des ARD-Journalisten Ekkehard Sieker rüttelt ihn jedoch wieder auf. Letzterer behauptet in "Das Geheimnis von Seveso", dass das freigesetzte Dioxin keineswegs störendes Abfallprodukt bei der Herstellung von TCP (Trichlorphenol) gewesen sei, sondern für das Militär eigens produziert worden wäre...



Film-Inhalt  


Traurige Berühmtheit: Ortsschild des meistbetroffenen Ortes Seveso
Traurige Berühmtheit: Ortsschild des meistbetroffenen Ortes Seveso


  Film-Kritik


Sieht sich als Prügelknabe: Jörg Sambeth von Givaudan
Sieht sich als Prügelknabe: Jörg Sambeth von Givaudan

Das Material zur Dokumentation "Gambit" hat der Hauptprotagonist Jörg Sambeth zusammengetragen und wurde teilweise in seinem Buch "Zwischenfall in Seveso" verarbeitet. Die Zürcherin Sabine Gisiger, die über "Geschichte der Dienstmädchen" promoviert hatte und danach beim Schweizer Fernsehen eine Ausbildung zur Journalistin erfuhr, hat es verwendet, um die Hintergründe des Seveso-Skandals zu erhellen.

Zu Wort kommen neben Sambeth selbst dessen Kinder Birgit und Ulrich, heute Anwältin und Geophysiker, sowie am damaligen Prozess beteiligte Anwälte und technische Experten. Gisiger sprach ebenfalls mit Managern des Roche-Konzerns, die aber aus verständlichen Gründen im Film nicht auftauchen. Dafür machen Archivaufnahmen das Ausmaß der Katastophe deutlich. Die journalistische Falle, einen der Mitverantwortlichen als Kronzeugen für die eigene Reportage zu gebrauchen, wird weitgehend umgangen, wiewohl das Publikum auch dank der privaten Einblicke schon verlockt wird, eher mit Sambeth gegen seine früheren Chefs zu sympathisieren.

Mit ansonsten angemessener Sachlichkeit erfährt der Zuschauer über Mechanismen, die den Fall Seveso nicht nur als singuläres Ereignis befürchten lassen. Seien es schlichtweg Schlampereien, sachfremde Entscheidungsfindungen, die Vertuschung von Fehlern und schließlich das konsequente Abstreiten von Verantwortung. Dabei wird die Wertung weitgehend dem Betrachter überlassen, der genügend Eindrücke erhält, um sich seine Meinung zu bilden.



9. Juli 1976

Besprechung von Jörg Sambeth mit Vorarbeitern der Icmesa über den Produktionsplan von TCP

10. Juli 197

Durch eine Überhitzung im Kessel strömt aus dem Sicherheitsventil in der Anlage Dioxin in die Umwelt

11. Juli 1976

Der Fabrikleiter der Icmesa informiert Jörg Sambeth

12 .Juli 1976

Jörg Sambeth ordnet die Entnahme von Proben in der Umgebung an

14. Juli 1976

Die Proben belegen den Austritt von Dioxin

15. Juli 1976

Krisensitzung in Basel, Anordnung des Vizepräsident von Hoffmann-La-Roche, den Begriff Dioxin zu vermeiten

17. Juli 1976

Erste Meldungen in Medien über Schäden bei Menschen, Tieren und Pflanzen

18. Juli 1976

Jörg Sambeth informiert entgegen den Firmenanweisungen Mailänder Ärzte

26. Juli 1976

Die Evakuierung des betroffenen Gebiets wird eingeleitet

1976-1984

Dekontaminationsmaßnahmen

10. August 1982

Das Gift wird in 41 Stahlfässern entsorgt. Auf dem Weg durch Frankreich gehen die Fässer verloren

19. Mai 1983

Die Fässer werden in einem nordfranzösischen Schlachthof wiedergefunden

Mai 1983

Prozessauftakt in Monza

September 1983

Erstinstanzliche Urteilsverkündigung

September 1985

Urteil im Berufungsverfahren

Oktober 1993

Ausstrahlung des Films "Das Geheimnis von Seveso"



Schleichendes Gift - Die Chronologie der Ereignisse  


Ab dafür: Die Odyssee des Giftes beginnt
Ab dafür: Die Odyssee des Giftes beginnt
► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Gambit" in der Regie von Sabine Gisiger liefen am 21.09.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Swinger Club
Drama, Deutschland, 2006

She´s the Man - Voll Mein Typ
Komödie, USA, 2006

Road to Guantanamo
Doku-Drama, England, Pakistan, Afghanistan, 2006

Oh wie schön ist Panama
Zeichentrick, Deutschland, 2006

In den Süden
Drama, Frankreich, Haiti, Kanada, 2005

Ich, Du und der Andere
Komödie, USA, 2006

Der Unbekannte Soldat
Dokumentation, Deutschland, 2006

Der Kick
Kriminalfilm, Deutschland, 2006

Crank
Action, USA, 2006

Candy
Liebesdrama, Australien, 2006

Brick
Drama, USA, 2005



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