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Geheime Staatsaffären

Frankreich, 2006
Thriller-Drama, 110 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
L´Ivresse du pouvoir

Kino-Start
20.07.2006

Regie
Claude Chabrol

Darsteller
Isabelle Huppert (Jeanne Charmant-Killman), François Berléand (Michel Humeau), Patrick Bruel (Jacques Sibaud), Robin Renucci (Philippe), Thomas Chabrol (Félix), Marilyne Canto (Erika), Jean-François Balmer (Boldi), Pierre Vernier (Gerichtsprädident Martino)
Geheime Staatsaffären - Kinoplakat
In einem Alter, wo andere längst ihre Rente genießen, zeigt Filmautor und Regisseur Claude Chabrol noch einmal so richtig was er kann: Eine Geschichte um Macht, Korruption, Intrigen und Entfremdung in bester Tradition des französischen Polit-Thrillers. Bereits zum siebten Mal zeigt Isabelle Huppert dabei in einem Film des Maitre ihre Schauspielkunst.

Als Michel Humeau (François Berléand), Vorsitzender eines globalen Industriekonzerns, beim Verlassen seines Büros festgenommen wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. In Gegenwart seines Anwalts Parlebas (Jean-Christophe Bouvet) konfrontiert ihn die Ermittlungsrichterin Jeanne Charmant-Killman (Isabelle Huppert) mit einer ganzen Latte von Vorwürfen, angefangen bei Veruntreuung, Unterschlagung und Bilanzfälschung. Sie macht keinen Hehl daraus, in diesem Fall ein Exempel statuieren zu wollen. Die drei Geschäftsleute, die im Restaurant Meurice zu einem Meeting zusammengekommen sind, warten vergebens auf den Firmenchef. Als sie von dessen Verhaftung erfahren, wissen sie, dass sie etwas unternehmen müssen.

Das Material für ihre Anklage hat Jeanne von Jacques Sibaud (Patrick Bruel) erhalten, der damit die Karriereleiter emporsteigt: Er wird selbst neuer Boss in Humeaus Unternehmen. Der charmante Geschäftsmann versucht seine Kontakte zur Richterin zu vertiefen, doch Jeanne merkt bereits, dass sie aufpassen muss, in diesem brisanten Fall Neutralität zu wahren. Mit allen Mitteln versucht sie, mehr Licht in diese sich ausweitende Affäre zu bringen und setzt den Delinquenten unter Druck - Die Bloßstellung von Humeaus außerehelichem Verhältnis, eine richterliche Durchsuchung von dessen Haus in Anwesenheit der Ehefrau Nicole (Michelle Goddet), eine Inspektion seiner Zelle und sogar eine Leibesvisitation zeigen, dass sie vor keinem Mittel zurückschreckt. Und in der Tat: Die Vorwürfe weiten sich aus, und die Zahl der Verdächtigen nimmt zu. Das Konsortium soll Einfluss auf die Entscheidungen auswärtiger Regierungen genommen haben, und in den Fall sind offensichtlich auch hochrangige Politiker verwickelt.

Während Jeannes Untersuchungen immer weitere Kreise ziehen, gibt es zuhause Besuch: Félix (Thomas Chabrol), der Neffe ihres Ehemannes Philippe (Robin Renucci), wohnt für einige Tage bei ihnen. Die Gespräche mit dem unbekümmerten jungen Mann bauen die gestresste Frau wieder auf, und es entwickelt sich gar eine innige Beziehung zwischen den beiden. Das Verhältnis zum Gatten gerät hingegen zunehmend unter Spannung. Der Arzt Philippe, der die Tochter einer Hausmeisterin gegen den Willen seiner Familie geheiratet hatte, leidet unter der öffentlichen Aufmerksamkeit, die seine Frau erfährt. Als Jeanne eines abends wegen Bremsversagens einen Unfall baut, ist sie überzeugt, Opfer einer Sabotage zu sein. Daher werden ihr Bewacher zur Seite gestellt, doch das verschärft nur ihre Probleme: Die weitere Beschneidung der Privatsphäre führt zum handfesten Streit mit Philippe, worauf Jeanne auszieht. Doch kurz darauf erfährt sie, dass er sich aus dem Fenster gestürzt hat. Und der Einfluss aus Kreisen von Wirtschaft und Politik scheint Erfolg zu zeigen: Gerichtspräsident Martino (Pierre Vernier) zieht Jeanne von dem Fall ab...



Film-Inhalt  


Immer scharf auf Neuigkeiten: Richterin Jeanne Charmant-Killman (Isabelle Huppert)
Immer scharf auf Neuigkeiten: Richterin Jeanne Charmant-Killman (Isabelle Huppert)


  Claude Chabrol - Macher der Geheimen Staatsaffären


Ihm geht´s an den Kragen: Firmenboss Michel Humeau (François Berléand)
Ihm geht´s an den Kragen: Firmenboss Michel Humeau (François Berléand)

Autor und Regisseur Claude Chabrol wurde am am 24. Juni 1930 als Sohn des Apothekers Yves Chabrol und dessen Frau Madeleine in Paris geboren. Während der deutschen Besatzung wuchs er bei den Großeltern in Sardent im Limousin auf. Nach der Rückkehr in die Hauptstadt studierte er an der Sorbonne Pharmazie, Jura und Literatur. Im Cineastenzirkel, der regelmäßig im Pariser "Café de la Comédie" abgehalten wurde, war er bald regelmäßiger Gast und lernte einflussreiche Leute aus dem Filmgeschäft kennen. Er begann als Kritiker für die bedeutende Filmzeitschrift "Cahiers du Cinéma" zu schreiben.

1957 veröffentlichte er zusammen mit dem bereits etablierten Regisseur Éric Rohmer eine Biographie über Alfred Hitchcock. Eine Erbschaft seiner damaligen Ehefrau Agnes Goute ermöglichte es Chabrol, selbst in die Filmkunst einzusteigen. Er ist Mitbegründer und neben Jean-Luc Godard, Louis Malle und François Truffaut einer der wichtigsten Vertreter der Nouvelle Vague, einer im französischen Film Ende der 1950er Jahre entstandenen Stilrichtung. Bereits 1956 hatte er sein erstes Drehbuch zum Kurzfilm "Le Coup du berger" geschrieben, ein Jahr darauf folgt das Regiedebüt mit "Beau Serge" (Die Enttäuschten), das sogleich das Silberne Segel auf dem Internationalen Locarno Film Festival errang.

Bereits mit diesem Werk wandte Chabrol kompromisslos die Grundlagen der Nouvelle Vague und des Film auteur an. Auch sein zweiter Film "Les Cousins" (Schrei, wenn du kannst) wurde ein voller Erfolg und bescherte dem Regisseur den Goldenen Bären auf der Berlinale. Nach einigen Agentenfilm-Parodien fand Chabrol im Lauf der sechziger dann seinen ganz eigenen Stil, eine Art Gesellschaftsthriller, der stets menschliche Untiefen unter bürgerlicher Fassade thematisierte.

Aus erster Ehe mit Agnès gingen die Söhne Jacques-Yves und Matthieu hervor, der die Musik zu "Geheime Staatsaffären" schrieb, mit seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Stéphane Audran, hat er Thomas zum Sohn, der den Félix in diesem Film spielt. Chabrols dritte Frau Aurore Pajot schließlich wirkte als Script Supervisor daran mit.



Der französische Altmeister Claude Chabrol hat sich zu diesem Polit-Thriller von der Affäre um das Öl-Konsortium Elf Aquitaine inspirieren lassen. Dieser französische Staats-Konzern hatte seit den 1960er Jahren eine Infrastruktur aufgebaut, mit deren Hilfe die Politik einen mehr oder weniger verdeckten Einfluss auf wichtige, hauptsächlich afrikanische Staaten nehmen konnte, der seit dem Ende der Kolonialära auf offiziellem Wege nicht mehr möglich war. Damit sollten die "vitalen Interessen" Frankreichs für die Energieversorgung und den Öl-Nachschub auch weiterhin gesichert bleiben. Seit seinem Amtsantritt als Präsident 1981 hatte der Sozialist Francois Mitterand diese Strukturen reorganisiert und gezielt für seine Zwecke eingesetzt. Es bildete sich ein Machtzentrum innerhalb des Konzerns, von dem aus Vorstandsmitglieder massiven Einfluss auf Politik nicht nur in den OPEC-Staaten ausübten, sondern auch in Frankreich und in anderen europäischen Staaten. Und auch vor persönlicher Bereicherung machten einige Wirtschaftsbosse nicht halt.

Loïk Le Floch-Prigent, Vorstandsvorsitzender der Elf von 1989 bis 1993, hatte entscheidenden Anteil an der Übernahme der maroden ostdeutschen Raffinerie Leuna und des unwirtschaftlichen Tankstellen-Netzes von Minol aus der Verwaltung der Treuhandanstalt. Dabei flossen Schmiergeldzahlungen in zweistelliger (Euro-)Millionenhöhe an Politiker, die die Transaktion positiv beeinflussen sollten und zudem der Elf Aquitaine eine Milliardenschwere Subvention für diesen Deal aus EU-Töpfen bescheren sollte. Die oberste Untersuchungsrichterin im französischen Finanzministerium, Eva Joly, die ursprünglich illegale Börsengeschäfte des Konzerns untersuchte, deckte bei ihren Ermittlungen trotz massiven Widerstands seitens Wirtschaft und Politik den bis dato größten Korruptionsskandal in Europa auf. Dies führte zur Verurteilung meherer Manager, an deren Spitze Floch-Prigent drei Jahre Haft erhielt.



Gut geschmiert: Öl in der Politik  


Hat ausgepackt: Humeaus Nachfolger Jacques Sibaud (Patrick Bruel)
Hat ausgepackt: Humeaus Nachfolger Jacques Sibaud (Patrick Bruel)
► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Geheime Staatsaffären" in der Regie von Claude Chabrol liefen am 20.07.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Vinzent
Mystery-Drama, Deutschland, 2004

Man muss mich nicht lieben
Tragikomödie, Frankreich, 2005

Hui Buh - Das Schlossgespenst
Grusel-Komödie, Deutschland, Tschechien, 2005

Battle in Heaven
Drama, Mexiko, Belgien, Frankreich, Deutschland, 2005



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