Ende des fünften Jahrhundert A.D. war die Provinz Bamiyan in Zentral-Afghanistan eine Drehscheibe an der Seidenstraße zwischen Europa und Asien, was der Stadt Bamiyan einen beträchtlichen Wohlstand brachte. Außerdem war die Gegend eine Hochburg des Buddhismus. Zu dieser Zeit wurden in ein breites Kliff Felsnischen gehauen, in denen zwei riesige Statuen errichtet wurden: eine Figur 35 Meter hoch, etwa 50 Jahre später eine noch größere mit 53 Metern. Die kleinere Statue wurde „Shamama“ (Königinmutter) genannt, die größere „Salsal“-Buddha („Licht scheint durch das Universum“).
Seither haben unzählige buddhistische Pilger diese Stätte aufgesucht, doch für die Regierung der islamistischen Taliban waren diese Statuen Götzenfiguren und Sinnbilder einer fremden Kultur, die es auszumerzen galt. So verkündete deren Führer Mullah Mohammed Omar im Frühjahr 2001, diese Monumente zerstören zu wollen. Ein Beschluss, der weltweit Empörung auslöste. Die UNESCO sandte einen Sonderbotschafter nach Kabul, und das Metropolitan Museum of Art in New York bot an, diese unersetzbaren Denkmäler aufzukaufen.
Die Taliban ließen sich jedoch von ihrem Vorhaben nicht abbringen, und so wurden im März 2001 die Buddhas von Sprengstoffexperten der Al-Qaida zerstört. Christian Freis untersucht in seinem Film die Folgen dieser religiösen Wahntat, beschäftigt sich mit dem historischen Hintergrund und befragt Betroffene. So etwa einen der wenigen Augenzeugen der Zerstörung, Sayyed Mirza Hussain, der in einer Höhle des Kliffs lebt, und die Exil-Afghanin Nelofer Pazira, Journalistin aus Toronto, die nach dem Sturz der Gotteskrieger in ihre frühere Heimat, das Tal der Buddhas zurückkehrt. Oder Taysir Alony, den Journalisten des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschazira, der die Genehmigung hatte, die Explosionen zu filmen.
Desweiteren beschäftigt sich Frei aber nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft: Fasziniert von Gerüchten um den "Schlafenden Buddha" ist der Archäologe Professor Zémaryalaï Tarzi vor Ort, um eine dritte, bislang unentdeckte Statue mit Hilfe von 200 afghanischen Arbeitern aufzuspüren, die mit vermuteten 300 Metern wohl ein einmaliger Fund wäre. Und auch die Arbeiten an einer geplanten Rekonstruktion der beiden Figuren beobachtet der Filmemacher: Mit der Methode der Photogrammetrie sollen an Computern der ETH Zürich die Trümmerteile sortiert und in die neu zu schaffenden Monumente integriert werden.