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The Giant Buddhas

Schweiz, 2005
Dokumentation, 95 Minuten

Originaltitel
The Giant Buddhas

Kino-Start
03.08.2006

Regie
Christian Frei

Darsteller
Taysir Alony, Sayeed Mirza Hussain, Nelofer Pazira, Zémaryalaï Tarzi
The Giant Buddhas - Kinoplakat
Die religös bedingte Zerstörung fremder Kulturen - was die Christenheit seit vielen Jahrhunderten hinter sich gelassen hat, ist unter ismlamistischen Führern von "Gottesstaaten" im dritten Jahrtausend gebräuchliche Praxis. Die Taliban, bis 2002 religiöse Führerkaste in Afghanistan, ordnete einen mittelalterlichen Akt der Barbarei an zwei einzigartigen buddhistischen Momumenten an

Ende des fünften Jahrhundert A.D. war die Provinz Bamiyan in Zentral-Afghanistan eine Drehscheibe an der Seidenstraße zwischen Europa und Asien, was der Stadt Bamiyan einen beträchtlichen Wohlstand brachte. Außerdem war die Gegend eine Hochburg des Buddhismus. Zu dieser Zeit wurden in ein breites Kliff Felsnischen gehauen, in denen zwei riesige Statuen errichtet wurden: eine Figur 35 Meter hoch, etwa 50 Jahre später eine noch größere mit 53 Metern. Die kleinere Statue wurde „Shamama“ (Königinmutter) genannt, die größere „Salsal“-Buddha („Licht scheint durch das Universum“).

Seither haben unzählige buddhistische Pilger diese Stätte aufgesucht, doch für die Regierung der islamistischen Taliban waren diese Statuen Götzenfiguren und Sinnbilder einer fremden Kultur, die es auszumerzen galt. So verkündete deren Führer Mullah Mohammed Omar im Frühjahr 2001, diese Monumente zerstören zu wollen. Ein Beschluss, der weltweit Empörung auslöste. Die UNESCO sandte einen Sonderbotschafter nach Kabul, und das Metropolitan Museum of Art in New York bot an, diese unersetzbaren Denkmäler aufzukaufen.

Die Taliban ließen sich jedoch von ihrem Vorhaben nicht abbringen, und so wurden im März 2001 die Buddhas von Sprengstoffexperten der Al-Qaida zerstört. Christian Freis untersucht in seinem Film die Folgen dieser religiösen Wahntat, beschäftigt sich mit dem historischen Hintergrund und befragt Betroffene. So etwa einen der wenigen Augenzeugen der Zerstörung, Sayyed Mirza Hussain, der in einer Höhle des Kliffs lebt, und die Exil-Afghanin Nelofer Pazira, Journalistin aus Toronto, die nach dem Sturz der Gotteskrieger in ihre frühere Heimat, das Tal der Buddhas zurückkehrt. Oder Taysir Alony, den Journalisten des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschazira, der die Genehmigung hatte, die Explosionen zu filmen.

Desweiteren beschäftigt sich Frei aber nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft: Fasziniert von Gerüchten um den "Schlafenden Buddha" ist der Archäologe Professor Zémaryalaï Tarzi vor Ort, um eine dritte, bislang unentdeckte Statue mit Hilfe von 200 afghanischen Arbeitern aufzuspüren, die mit vermuteten 300 Metern wohl ein einmaliger Fund wäre. Und auch die Arbeiten an einer geplanten Rekonstruktion der beiden Figuren beobachtet der Filmemacher: Mit der Methode der Photogrammetrie sollen an Computern der ETH Zürich die Trümmerteile sortiert und in die neu zu schaffenden Monumente integriert werden.



Film-Inhalt  


Akt der Barbarei: Sprengung der kleineren Statue
Akt der Barbarei: Sprengung der kleineren Statue


  Film-Kritik


Bannte das Verbrechen auf Film: Taysir Alony
Bannte das Verbrechen auf Film: Taysir Alony

In Form eines Essay geht Christian Frei das Thema an: Ein Briefverkehr des Erzählers mit der Kanadierin afghanischen Ursprungs Nelofer Pazira verknüpft die einzelnen Schauplätze und Themengebiete und bindet den Zuschauer auf der Reise des Filmteams ein, die außer dem Bamiyan-Tal über die Stationen Kabul, Qatar, China, Schweiz, Frankreich, Deutschland und Kanada führt.

Die Chronologie dieser Dokumentation ist darauf ausgelegt, das Verständnis der Themengebiete zu erleichtern. Als Einführung dienen die Erinnerungen des chinesischen Mönchs Xuanzang, der im 7. Jahrhundert eine Reise entlang der Seidenstraße gemacht hatte, und dessen Beobachtungen erste Aufschlüsse über die Verbreitung und Bedeutung des Buddhismus im westasiatischen Raum hatte. Mit weiteren historischen Quellen und Befragungen von Bewohnern werden der Ursprung und die Bedeutung der Monumente im Alltag erhellt.

Die Berichte zur Sprengung und dessen Aufnahmen bilden eine Zäsur in dieser Abhandlung, worauf der Film sich den Konsequenzen des Verlustes zuwendet. Dabei beleuchtet Frei kulturelle, politische, wissenschaftliche und auch soziale Aspekte. So wird die Problematik der Ernennung eines Ortes zum Weltkulturerbe der UNESCO kritisch beleuchtet, das die Einwohner zur Umsiedlung nötigt.

Die Erzählweise der Dokumentation ist weitgehend unparteiisch und zeigt ein weites Spektrum von Themenbereichen auf, die neben informativen auch unterhaltende Elemente bieten. So bietet das Interview mit dem Al-Dschazira-Reporter durchaus Spannung, währen etwa der Bericht über die kitschigen Replikas in China mit Ironie gefallen.

Die atmosphärisch stimmigen Bilder von Kameramann Peter Indergand werden durch einen wohlausgewählten Soundtrack unterstützt, der thematisch passende, teils meditative Stimmung vermittelt. Die unterschiedlichen Erzählperspektiven schaffen es, den Betrachter in ihren Bann zu ziehen, und die Vermeidung eindeutiger Stellungnahme entlässt ihn mit einer positiven Nachdenklichkeit.



Wenn Fabio Remondino, Absolvent der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) seine 3-D-Shutter-Brille aufsetzt und mittels Gleitmarkierung die dreidimensionalen Bilder der Riesenstatuen vermisst, zeigt sich, wie der Fortschritt in der EDV auch die Archäologie voranbringt. Das Stichwort: Fotogrammetrie - eine Methode, mit der Kulturgüter erfasst, vermessen und dokumentiert werden, und die erlaubt, Ruinen wieder auferstehen zu lassen. Das Scannen von Bildern aus verschiedenen Perspektiven ermöglicht, den Baukörper virtuell bis ins Detail im Computer aufzubauen - mit zentimetergenauer Präzision. So wie beispielsweise auch bei der Anastilosis an der Frauenkirche in Dresden bereits in der Praxis bewährt, sollen die Trümmerteile erfasst und an der berechneten Stelle in die Rekonstruktion eingefügt werden. Bei der Positionierung hilft auch die magnetische Ausrichtung der einzelnen Rudimente.

Armin Grün, Professor am Institut für Geodäsie und Photogrammetrie der ETH, hat sich des Projektes angenommen und ist bereits vor Ort gereist, um die entscheidenden Schritte einzuleiten, doch auch Kollegen an wissenschaftlichen Instituten in anderen Ländern arbeiten an der Aufgabe. Für den Film "The Giant Buddhas" haben Patrick Lindenmaier und Paul Avondet von Andromeda Film AG in enger Zusammenarbeit mit der ETH die visuellen Effekte gestaltet. Dank präziser Bilddaten, die vom Afghanischen Institut im Schweizer Bubendor und von der Kyoto-Universität in Japan geliefert wurden, wirken die virtuellen Buddhas von Bamiyan authentisch, so wie sie es vor der Zerstörung durch die Taliban waren.

Der Sturz des Taliban-Regimes in Afghanistan bietet eine Chance, diese bedeutenten Monumente zu rekonstruieren und damit Afghanistan einen Teil seiner beraubten kulturellen Identität zurückzugeben. Dafür setzt sich unter anderem Mohammed Sahir Schah ein, der frühere König von Afghanistan. Die Diskussion um einen möglichen Wiederaufbau umfasst neben technischen und finanziellen Aspekten allerdings auch Fragen der kulturellen Authentizität und ethischen Wahrhaftigkeit. Christian Manhart vom Hauptquartier der UNESCO in Paris ist für Afghanistan verantwortlich, hat aber bezüglich Bamiyan andere Prioritäten: Eine Rekonstruktion der Buddhas steht nicht an erster Stelle.

Allerdings müssen die Felsnischen, die bei den Explosionen beschädigt wurden und einzustürzen drohen, stabilisiert werden. Auch die verbleibenden Skulpturen und Malereien erfordern eine Restauration, und die verbliebenen Trümmerteile benötigen zumindest Schutz und Identifikation. Die entgültige Entscheidung über die Zukunft der Buddhas von Bamiyan ist noch nicht getroffen. Auch Vorschläge über ein Mahnmal als Ersatz oder eine Lichtshow mit Laser am Nachthimmel wurden gemacht. Einer der vor Ort tätigen Geologen verlautbarte, das ganze Kliff würde ohnehin in einigen Millionen Jahren nicht mehr da sein. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht die abschließende Antwort auf das hoffnungsvolle Projekt bleibt.



High Tech für die Buddhas  


Augen schauen ins Leere: Muezzin vor der Felsnische
Augen schauen ins Leere: Muezzin vor der Felsnische
► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "The Giant Buddhas" in der Regie von Christian Frei liefen am 03.08.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Volver - Zurückkehren
Abenteuerkomödie, Spanien, 2006

Urmel aus dem Eis
Animation, Deutschland, 2006

Phat Girlz
Komödie, USA, 2005

Garfield 2
Komödie, USA, 2006

Dave Chappelle´s Block Party
Dokumentation, USA, 2006

Born to Fight
Action, Thailand, 2004



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