Filmen wir vor 60 Jahren. Gregory Jacobs, der bereits seinen vierzehnten Film mit Steven Soderbergh drehte, sagt: "In 'The Good Germen' findet Soderbergh den der Story angemessenen Stil, indem er sie nach Art der Filme aus den 1940er-Jahren umsetzt, immer nur mit einer Kamera und mit Einstellungen, die sehr formal komponiert sind. Zu vielen Szenen drehte er eine Master-Einstellung, während man heute viel mehr Einzeleinstellungen dreht und jede Person ihre Großaufnahmen, Schuss und Gegenschuss bekommt. In diesem Fall entwarf er ganz spezifische Master-Einstellungen, die einen Großteil der Szene abdecken. Großaufnahmen verwendet er nur, wenn es nötig ist – so wie es damals üblich war. Wenn man sich Filme wie 'Notorious' oder 'Casablanca' ansieht, merkt man das gleich."
Ein moderner Trick besteht darin, dass Soderbergh kontrastreiches Farbfilmmaterial verwendet. Schon 1991 hatte er den Thriller "Kafka" in Schwarzweiß gedreht, kannte also die Einschränkungen und die Körnigkeit des Materials. Deshalb entschied er sich bei "The Good German" lieber für Farbmaterial, um es anschließend schwarzweiß zu kopieren – ähnlich wie George Clooney es kürzlich bei "Good Night, and Good Luck" gemacht hat.
Die Zerstörung Berlins wirkte willkürlich – oft standen völlig intakte Gebäude neben von Bomben verwüsteten Grundstücken. Entsprechend ging das Produktionsteam auch vor: Existierende Hausfassaden ließ man weitgehend unverändert; hinzu fügte man zusätzliche Gebäudeteile in unterschiedlichen Zerstörungsstadien – sie wurden auf Parkplätzen und in Lücken zwischen vorhandene Fassaden eingepasst.
Weil man sich auf das Studiogelände beschränkte, musste die Kamera meist sehr strategisch platziert werden. Das erforderte viel Planung, wie Produktionsdesigner Philip Messina beschreibt: "Die meisten Einstellungen zeigen nur einen oder zwei Blickwinkel der Szene, deshalb funktioniert das System. Ein Beispiel ist die Szene an der Bushaltestelle: Ich baute Teile eines zerbombten Hauses, durch die Steven hindurchfilmte. Die Gebäudeteile gaben einen Rahmen vor, der all das verdeckte, was wir nicht im Bild haben wollten. Trümmer haben etwas sehr Befreiendes: In dieser Situation muss man die Existenz eines Gebäudeteils nicht mehr begründen, weil man ja immer behaupten kann: 'Ach, wir nehmen einfach an, dass das Dach eingestürzt ist.' So ergibt sich der perfekte Rahmen für das, was man eigentlich zeigen will. Steven lässt die Kamera sehr schön zurückfahren – bis zu den Kanten unseres gebauten Sets. Ein Schritt weiter, und man würde es sofort als Set erkennen."