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Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez

Deutschland, 2006
Dokumentation, 90 Minuten

Originaltitel
Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez

Kino-Start
07.12.2006

Regie
Heidi Specogna

Darsteller
Patrick Atkinson (Waisenhausleiter), Fabian Giron (Sozialarbeiter), Engracia Gutierrez (Schwester), Wendy Perlera (Sozialarbeiterin), Nora Mosquera (Pflegemutter), Marc Montez (Zugführer), Miguel Perez (Funker), Veronica Morales, David Gonzales,
Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez - Kinoplakat
Auch im Jahr 2006 sorgt der Konflikt im Irak jeden Tag für Stoff in den Nachrichten. Für Schlagzeilen sorgte auch der erste gefallene US-Soldat dieses Krieges. Über dessen Schicksal berichtet Heidi Specogna in ihrer Dokumentation "Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez".

Einer der hundertausenden von Soldaten, die die USA mit ihren Verbündeten gegen das Regime von Saddam Hussein im Irak 2003 geschickt hatten, war José Antonio Gutierrez. Ein Soldat mit einem einzigartigen Schicksal, das dort sein Ende finden würde: Er gehörte zu den ersten gefallenen US-Soldaten in diesem Krieg. Er bezahlte einen Deal mit seinem Leben, den die US-Army mit rund 30.000 weiteren Angehörigen abgeschlossen hatte.

Gutierrez ist als Waise in Guatemala aufgewachsen, seine Eltern waren während des über 30 Jahre dauernden Bürgerkriegs umgekommen. Seither musste er sich als Straßenkind durchschlagen. Über die Stationen Chiapas und Tijuana in Mexiko und gelangte er mit 22 Jahren schließlich als illegaler Einwanderer nach Los Angeles - wieder heimatlos, als Flüchtling.

Er findet zwar Aufnahme bei einer Pflegefamilie, allerdings sind seine Zukunftschancen als unerwünschter Imigrant alles andere als rosig. Doch ein neues Gesetz der Bush-Regierung gibt ihm Hoffnung: Es erlaubt Immigranten die Erlangung der Staatsbürgerschaft als Gegenleistung für den Militärdienst. So starb Gutierrez dafür, Amerikaner werden zu dürfen.

Die Schweizerin Heidi Specogna rekonstruiert Gutierrez´ Weg und spricht mit dessen Weggefährten, angefangen mit denen aus Guatemala; mit Freunden aus seiner Kindheit, seiner Schwester Engracia, Sozialarbeiter Fabian Girón und mit Patrick Atkinson, dem Leiter des Waisenhauses, weiterhin mit Nora Mosquera, seiner Pflegemutter in den USA und mit seinen Kameraden der US-Marines vom Camp Pendleton in San Diego. Schließlich versuchen am Kampf beteiligte Soldaten die Umstände zu schildern, so der Funker Miguel Perez und Gutierrez´ Zugführer Marc Montez.



Film-Inhalt  


Holzkreuz auf dem Arlington National Cemetery am Strand von Santa Monica
Holzkreuz auf dem Arlington National Cemetery am Strand von Santa Monica


  Hintergrund


Flüchtling auf einem Güterzug durch Mexiko
Flüchtling auf einem Güterzug durch Mexiko

Nach dem ersten Irakkrieg 1990-1991 wurden insgesamt dreizehn Resolutionen vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegen den Irak verhängt, die meisten davon im Zusammen mit Kontrollen von Massenvernichtungswaffen. Nach dem Attentat des Al-Qaida-Netzwerks gegen die USA vom 11. September 2001 und dem anschließenden Einsatz in Afghanistan drängte die US-Administration auf schärfere Maßnahmen gegen den Irak. Hauptgründe waren die angebliche Zusammenarbeit des Regimes von Saddam Hussein mit Al Quaida und ebenso angebliche Beweise für den Besitz von bzw. das Streben nach Massenvernichtungswaffen. Am 20. März 2003 griffen die USA mit ihren Verbündeten den Irak an.

In den ersten zehn Tagen des 2. Irakkriegs kamen auf alliierter Seite 92 Soldaten ums Leben, davon 27 Briten und 65 US-Amerikaner, bis zum offiziellen Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai 2003 waren es 171 Gefallene in der "Koalition der Willigen". Darunter starben - wie auch Lance Corporal Jose Antonio Gutierrez - rund 10 Prozent durch "friendly fire". Also durch Beschuss aus den eigenen Reihen. Weitere zehn Prozent starben ohne Feindeinwirkung, meist bei Unfällen mit Fahrzeugen oder Hubschraubern oder durch Fehlfunktionen von Waffen.

Unter rein militärischen Gesichtspunkten war dieser Krieg einer der "erfolgreichsten" der neueren Geschichte, setzt man den von George W. Bush proklamierten 1. Mai als Tag der Kapitulation an. Besonders deutlich wird das am Verhältnis der Größe des eroberten Gebiets zu den eigenen Verlusten und den Einsatztagen. Eine Betrachtungsweise, die die nachfolgende Zeit berücksichtigt, wendet das Blatt allerdings schnell. So sind in den ersten drei Jahren nach "Kriegsende" etwa 2500 alliierte Soldaten ums Leben gekommen.



Er sagte, dass es für ihn in Guatemala nichts geben würde. Er erzählte mir, dass er gehen wolle, und ich sagte: 'Tu´s nicht'. Und er versprach mir zu bleiben. Ich wollte ihn davon abhalten, weil es gefährlich würde; Leute sterben auf der Strecke, Leute werden ausgeraubt, sie wandern ins Gefängnis auf ihrem Weg. Und er sagte: 'In Ordnung'. Typisch für einen kleinen Jungen. Was erzählst Du deinem Vater? Schon gut.

Ich sage 'Tono, was willst Du tun? Gehe zurück zur Schule!' Tono sagt: 'Mach´ ich'. Nein, er hatte nicht die Absicht zur Schule zu gehen. Und an seiner Geburtstagsfeier, einen Abend im Restaurant, sprachen alle davon, was sie einmal machen wollten. Tono ist ziemlich still, doch er sagt: 'Ich werde zur Schule gehen, ich werde jemand sein, mich um meine Schwester kümmern...'

Ich dachte gar nicht daran ihn zu fragen, wo er zur Schule gehen wolle. Weil er diese Nacht seine Taschen gepackt hatte - und am nächsten Morgen verlässt er Antigua, um sechs Uhr in der Früh, nimmt einen Bus von hier Richtung mexikanischer Grenze, steigt aus, wartet bis es an der Zeit ist, überquert die Grenze und beginnt seine Reise nach Norden...

Ironischerweise denke ich, Antonios Entscheidung zu den Marines zu gehen passt sehr genau zu meinem Eindruck von Antionio über eine seiner Seiten: Er war immer auf der Suche nach Familie. So, wie du sie in der Werbung im Fernsehen und im Kino siehst, über die Marines, und sie haben diesen Zusammenhalt und sie marschieren zusammen und sie singen gemeinsam und sie sind, du weißt, Waffenbrüder. Du weißt, 'wir sind eine Familie', und das passte perfekt zu seiner Sehnsucht nach Familie...



Patrick Atkinson, Gutierrez´ Waisenhausdirektor Guatemala  


Rekruten im Marine Camp Pendleton, San Diego
Rekruten im Marine Camp Pendleton, San Diego

  Miguel Perez, Funker


Lance Corporal Jose Antonio Gutierrez
Lance Corporal Jose Antonio Gutierrez

Plötzlich höre ich einen Hubschrauber, und ich sehe sie jemanden ziemlich schnell reinbringen. Ein paar Minuten vergehen, und ich sehe diesen Mann in einer britischen Uniform, der sagt: 'Gehören Sie zur Marine?' und ich: 'Ja, Sir.' Und er sagt: 'Wir haben einen von Euren Leuten da drin.' Er bereitet mich vor, sagt mir, dieser Kerl ist ziemlich hinüber. Er öffnet den Vorhang, und ich sehe, es war eine Schande. Ich erinnere mich, sein Kopf war rasiert, ich fixierte sein Gesicht, ich versuchte herauszukriegen ob er einer meiner Kumpel war, aber dann dachte ich: Hey, er ist ein Marine, also musste ich es tun. So ging ich zu ihm, und ich erinnere mich, nur seine Hand nehmen, ihn nur fragen: 'Hey, Teufelskerl, was ist los?'

Sein Begleiter ist immer noch hinter mir. Er flüstert mir ins Ohr, und ich versuche zu verstehen, was er sagt, weil ich versuche alles für seine Familie aufzuschreiben. Und dann verstehe ich: Dieser Kerl ist am sterben. Und ich erinnere mich, ich versuchte, seine Worte aufzuschnappen, er sprach undeutlich. Und ich wurde fast verrückt, weil ich niemanden sah, der sich noch um ihn kümmerte. Ich erinnere, seine ganze Seite war voller Blut, ich weiß nicht wodurch, ich hing nur an seinen Lippen. Und ich konnte ihn nicht hören, ich war so sauer, weil die Ventilatoren so laut waren, und ich traute mich nicht näherzugehen, so beugte ich mich nur etwas über, nur um rauszukriegen, was er versuchte zu sagen. Ich bekam nur ein paar Worte mit und drehte mich zum Begleiter um, ich denke er fragt nach seiner Oma.

Und das war´s. Ich erinnere mich an seine Haut, wie ich seine Hand und seinen Kopf berührte, und ich weiß nicht, es war der Raum und die Lüftung, es war nur kalt da drin. Das letzte woran ich mich erinnere war als der Begleiter sagte: "Alright, let´s go", und er ging raus, und ich blieb allein in dieser langen Halle. Ich fühlte als wäre ich kalt und heiß, und wusste nicht wohin. Und ich fühlte... ich fühlte als hätte alles angehalten, ich wünschte nur meine Mom, ich wünschte irgendwas familiäres. Und ich ging zurück in den verdammten Wartesaal ohne jemand zum Reden, und ich wusste: Das ist die Realität.



► Cast, Crew► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Das kurze Leben des José Antonio Gutierrez" in der Regie von Heidi Specogna liefen am 07.12.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

The Saddest Music in the World
Musical-Drama, Kanada, 2003

Niceland
Drama, Island, Dänemark, Deutschland, England, 2004

Flutsch und weg
Animation, England, USA, 2006

Es begab sich aber zu der Zeit...
Drama, USA, 2006

Die Bewohner der Eremitage
Dokumentation, Holland, Russland, 2003

Der Pakt - The Covenant
Horrorthriller, USA, 2006

Der Lebensversicherer
Drama, Deutschland, 2006

Departed: Unter Feinden
Action-Thriller, USA, 2006

Ebenfalls im Kino 




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