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Havanna - Die neue Kunst Ruinen zu bauen

Deutschland, Kuba, 2006
Dokumentation, 86 Minuten

Originaltitel
Habana - Arte nuevo de hacer ruinas

Kino-Start
29.03.2007

Regie
Florian Borchmeyer

Darsteller
Antonio José Ponte, Totico Fernández, Misleidys, Nicanor del Campo, Reinaldo Lottis, Silvia Hernández Guzmán, Ana Magdalena Bernal
Havanna - Die neue Kunst Ruinen zu bauen - Kinoplakat
Die einstige "Perle der Karibik" hat viel von ihrer früheren Pracht verloren. Diese Dokumentation portraitiert fünf Bauwerke, die wegen des Geldmangels der sozialistischen Republik zerfallen oder schon eingestürzt sind, und ihre Bewohner, die versuchen, sich in den Verhältnissen einzurichten.

Fast fünfzig Jahre nach der Revolution in Kuba und über ein Jahrzehnt, nachdem der Förderer Sowjetunion ausgefallen ist, kann der wirtschaftliche Niedergang auch am Zustand der Bauwerke in der Hauptstadt Havanna abgelesen werden. Fast alle Häuser verfallen, und viele von ihnen drohen gar einzustürzen. Fünf Bewohner solcher RUinen gewährten dem Filmteam einen Einblick in ihren Wohn- und Lebensbereich. Sie berichten von ihrem Alltag unter erschwerten Bedingungen und den Wettlauf mit der Zeit gegen abbröckelnden Putz, Steinschlag oder die Gefahr von Einstürzen.

Die Gebäude und die Protagonisten werden von Schriftsteller Antonio José Ponte vorgestellt. Er sieht sich selbst als Ruinologen und stellt philosophische Betrachtungen über die Stadt und ihre Einwohner an. Das hat ihn in die Ungnade des Staates gestürzt, worauf er aus dem nationalen Schriftstellerverband verbannt wurde und einem Veröffentlichungsverbot in Kuba unterworfen wurde. Seither wartet Ponte, dass Fidel Castro, der Massimo Leader, wie eine Ruine zusammenstürzt.

Kollabiert ist bereits das Teatro Campoamor, in dessen Resten sich der frühere Obdachlose Reinaldo Lottis häuslich eingerichtet hat. Auf dem Balkon, wo die Zuschauer die Aufführungen genossen haben, ist sein Wohnbereich; Wo sich früher die Schauspieler geschminkt haben, schläft er, und die Tatsache dass in dem Theater einst Größen wie Enrico Caruso auftraten, erfüllt ihn mit einem gewissen Stolz.

Gegenüber von Reinaldo wohnt Misleidys im obersten Stock eines Bauwerks, das zwar noch steht, aber seine guten Zeiten längst hinter sich hat. Es ist das Hotel Regina, wo vor langer Zeit zahlungskräftige Gäste beherbergt wurden. Die neue Bewohnerin kann auf die Theaterruinen hinabblicken, und das tut sie voller Wehmut, da sie als kleines Mädchen selbst Schauspielerin werden wollte.

Am Rande von Havanna wohnt die Familie von Nicanor del Campo, der in jungen Jahren Revolutionsanhänger war, jedoch als Großgrundbesitzer selbst Opfer des Regimes wurde. Nach seiner Inhaftierung und der Enteignung fast des gesamten Vermögens konnte er immerhin in sein Heimathaus zurückkehren. Verzweifelt versucht er, dessen Verfall aufzuhalten.

Einen mindestens ebenso traurigen Anblick bietet der heruntergekommene Wohnblock, in dem Klempner Totico Fernández seine Wohnung hat. Die Ehe des leidenschaftlichen Taubenzüchters ist an seinem Hobby gescheitert. Magdalena, die er als Kind in der Nachbarschaft kennengelernt hatte, hat ihn verlassen und ist in eine Plattenbausiedlung nach Alamar gezogen. Doch auch an dem sozialistischen Vorzeigeprojekt nagt deutlich der Zahn der Zeit.



Film-Inhalt  


Die Rohrzange im Haus: Totico Fernández
Die Rohrzange im Haus: Totico Fernández


  Hintergrund


Hier sang einst Caruso: Teatro Campoamor
Hier sang einst Caruso: Teatro Campoamor

Teatro Campoamor

Dieses Theater am Rande der Altstadt Havannas wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Da die Verwaltung das zentraler gelegene, berühmtere Gran Teatro de La Habana für die Touristen saniert hat, war das Campoamor dem Untergang geweiht. Ausländern ist das Betreten der Ruinen streng untersagt.

Hotel Regina

Auch diese einst prunkvolle Nobelherberge stammt aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier nächtigten nicht nur Touristen und Geschäftsreisende. Glanz erhielt das Domizil vor allem durch die vielen Stars, die im nahegelegenen Theater auftraten. Über die Grenzen Kubas hinaus bekannt war der im Erdgeschoss gelegene Nachtclub. Der Tony Club war rund um die Uhr geöffnet und ein In-Treff für Nachtschwärmer. Da nach der Revolution die internationalen Gäste ausblieben, wurde der Hotelbetrieb aufgegeben und die Zimmer als feste Unterkünfte vergeben. Mittlerweile wurde das Bauwerk wegen akuter Einsturzgefahr geräumt.

Edificio Arbos

Diese Mietskaserne hat eine Höhe von neun Stock und wurde 1926 gebaut. Die Wohnungen sind um den Innenhof gruppiert, und vor der Revolution wachte ein Hauswart über die Einhaltung der ridigen Hausordnung. Zwar sind noch alle Wohnungen vermietet, doch die bauliche Substanz ist bedroht, so gefährden schon mal herabstürzende Dachteile Bewohner und Passanten.

Finca El Mayor

Das Ahnenhaus der aus Spanien eingewanderten Del Campos ist das einzige Haus, das den Bewohnern nach der Revolution übriggeblieben ist. Und auch der Wert dieses Eigentums schrumpft stetig. Das Dach ist undicht, und der Regen gibt dem Modern Vorschub, der Garten ist verwildert, und das Bauwerk ist akut von Einsturz bedroht.



Havanna wurde 1515 vom spanischen Konquistador Diego Velázquez de Cuéllar gegründet. Ursprünglich lag der Ort in der Nähe der heutigen Stadt Batabanó an der Südküste von Kuba und wurde vier Jahre später an den jetzigen Standort verlegt. Seit 1607 die Metropole Hauptstadt von Kuba. Der vollständige Name der 2-Millionen-Stadt lautet "San Cristóbal de La Habana".

Havanna bildet auch eine der vierzehn Provinzen Kubas. Die Stadt liegt im Nordwesten der Insel und ist rund 150 Kilometer von Key West in Florida entfernt. Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs des Landes wurde Havanna zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert zu einer der reichsten Städte Amerikas

Die Altstadt von Havanna wurde 1982 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Bemerkenswert sind viele der im neoklassizistischen oder Barockstil erbauten Häuser. Hier sind die meisten historischen Gebäude gut erhalten, im Gegensatz zu den äußeren, von wenigen Touristen besuchten Bezirken.



Perle der Karibik  


Blick ins Leere: Antonio José Ponte
Blick ins Leere: Antonio José Ponte
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  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Havanna - Die neue Kunst Ruinen zu bauen" in der Regie von Florian Borchmeyer liefen am 29.03.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Triff die Robinsons
Animation, USA, 2007

The Host
Science-Fiction-Drama, Südkorea, 2006

The Hills Have Eyes II
Horror, USA, 2007

The Cemetery Club
Dokumentation, Israel, 2006

Stellas Versuchung
Romantik-Thriller, England, Irland, 2005

Mr. Bean macht Ferien
Komödie, England, 2007

Herzen
Liebesdrama, Frankreich, 2006

Ein Perfektes Paar
Drama, Frankreich, 2005

Die Herbstzeitlosen
Tragikomödie, Schweiz, 2006

Der Photograph
Dokumentation, Deutschland, Italien, Belgien, 2006



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