Was waren Ihre Bezüge zu den Filmen von Alain Resnais?
In meiner cineastischen Ruhmeshalle haben auf jeden Fall Fellini, Bunuel und auch die Filme von Alain Resnais ihren Platz, insbesondere "Providence", das mich sehr bewegt hat. In jungen Jahren habe ich "Nuit et brouillard" (Nacht und Nebel) gesehen. Das war nicht nur ein dokumentarischer Schock über den Horror (Der Film handelt von den deutschen KZs), sondern enthüllte ein mysteriöses All, jenseits der einsamen Realität des Schreckens.
Waren Sie vertraut mit den Bühnenstücken von Alan Ayckbourn?
Er ist ein großartiger Autor, er hat einen dauerhaften Erfolg in England, und er hat dasselbe nie in Frankreich erlebt; zweifellos weil man ihn ständig mit Feydeau vergleicht und damit sein Werk einzig auf das Komische verkürzt. Der Humor von Ayckbourn ist aber selbstverständlich komplexer. Das Verhängnis und das Fremde vermischen sich unaufhörlich mit dem Drolligen des Unsinns.
"Herzen" ist Ihre erste Drehbuchumsetzung fürs Kino?
Ja, sofern man meine reinen Drehbücher ausnimmt, die gelegentlich meinen Stücken entlehnt sind. Als ich ganz jung war, hatte ich zum Beispiel aus Gefälligkeit für Georges Lautner das Drehbuch von "Laisse aller, c´est une valse" (Der große Coup des Kommissars) neugeschrieben, das jemand geschrieben hatte, den ich sehr verehre: Bertrand Blier. Belohnt wurde ich mit einer kleinen Rolle im Film.
Wie haben Sie diesmal gearbeitet?
Nach der Übersetzung habe ich schnell das Gefühl gehabt, mich im Geflecht der Persönlichkeiten wiederzufinden, die allmählich über dem Teppich treiben, der aus ihren Geheimnissen und Lügen gewebt ist. In dem Moment, als Resnais gelungen ist, mich von einem lähmenden Respekt vor dem Autor und den historischen Anglizismen zu befreien, habe ich dieses Stück mehr und mehr als das Meine angenommen, mit dem Anspruch, jeder Figur eine Sprache zu geben, die ihrem Charakter entspricht. Ich habe sehr an den Dialogen gearbeitet, dieser sehr seltene Ort, wo sich Seele und Körper vereinen, der einzige Ort, wo die Schauspieler ihre Charaktere verkörpern können. Das Wesentliche war, zusammenzubringen, was neben der Normalität der Figuren verborgen ist, sozusagen hinter dem alltäglichen Auftreten, sich herantasten an unmerkliche Trugbilder, Neurosen und Phantasien, und dass unter einer anscheinenden Banalität das Ungewöhnliche und Unerwartete ständig präsent sind. Es stimmt, dass mir dieses ungewöhnliche Universum vertraut ist, und ich immer bei meiner Arbeit geliebt habe, mich mit dem Schauspieler zu umgeben, für den es das auch war. Dieser Film zeigt deutlich die Verwandtschaft zwischen Ayckbourn und Resnais. Zudem haben Isabelle Carré, Laura Morante, Sabine Azéma, Lambert Wilson, André Dussolier und Pierre Arditi alle diese sehr "britische" Fähigkeit, das gesamte Spektrum der Gefühle abzudecken.