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Herzen

Frankreich, 2006
Liebesdrama, 120 Minuten

Originaltitel
Coeurs

Kino-Start
29.03.2007

Regie
Alain Resnais

Darsteller
Sabine Azéma (Charlotte), Lambert Wilson (Dan), André Dussollier (Thierry), Pierre Arditi (Lionel), Laura Morante (Nicole), Isabelle Carré (Gaëlle), Françoise Gillard (Sprecherin TV), Anne Kessler (Moderatorin im TV), Roger Mollien (Dichter im TV), Florence Muller (Kritikerin im TV), Michel Vuillermoz (Architekt im TV)
Herzen - Kinoplakat
Für acht Césars war "Coeurs" nominiert, außerdem für den Goldenen Löwen von Venedig. Dort gab es schließlich den Silbernen Löwen für die beste Regie sowie den Pasinetti-Preis für Laura Morante als beste Schauspielerin. Das Werk inszenierte der französische Regie-Veteran Alain Resnais nach dem Bühnenstück "Private Fears In Public Places" (Heimliche Ängste) von Alan Ayckbourn.

Immobilienmakler Thierry (André Dussollier) tut sich schwer, für seine momentane Kundschaft eine angemessene Wohnung zu finden. Der abgesetzte Militäroffizier Dan (Lambert Wilson) und seine desillusionierte Verlobte Nicole (Laura Morante) sind wahrlich nicht leicht zufriedenzustellenden. Da ist es für den Junggesellen Thierry eine willkommene Abwechslung, im Büro mal wieder mit seiner Mitarbeiterin Charlotte (Sabine Azéma) zu flirten.

Die beiden haben ihre Blütejahre bereits hinter sich, und so hat Charlotte sich verstärkt dem christlichen Glauben zugewandt. Sie schwärmt gerade von einer religiös angehauchten Fernsehsendung "Die Lieder, die mein Leben geändert haben" und gibt Thierry eine Videokassette mit einer Aufnahme davon.

Er teilt sich mit seiner jüngeren Schwester Gaëlle (Isabelle Carré) eine schicke Wohnung im noblen Pariser Stadtviertel Bercy. Sie ist immer noch auf der Suche nach der Liebe ihres Lebens, versucht es mit Zeitungsanzeigen und abendlichen Flirts in der Bar. Linoel (Pierre Arditi) ist Barkeeper in einem neuen Hotel des dreizehnten Arrondissements, der gewohnt ist, seinen Gästen zuzuhören und ihnen schon mal einen Gefallen zu erweisen.

Während Dan Nicole hintergeht und sich zu einem Blind Date mit Gaelle trifft, hat Lionel (Pierre Arditi) jemand gefunden, der sich während seiner Arbeitszeit um seinen kranken Vater Arthur kümmert: die barmherzige Charlotte. Dan und Gaelle verbringen eine schöne Zeit miteinander, doch dann sieht sie ihn zusammen mit Nicole...



Film-Inhalt  


Thierry (André Dussollier) flirtet mit Charlotte (Sabine Azéma) im Büro
Thierry (André Dussollier) flirtet mit Charlotte (Sabine Azéma) im Büro


  Fragen an Jean-Michel Ribes


Dan (Lambert Wilson) und Lionel (Pierre Arditi) an der Bar
Dan (Lambert Wilson) und Lionel (Pierre Arditi) an der Bar

Was waren Ihre Bezüge zu den Filmen von Alain Resnais?

In meiner cineastischen Ruhmeshalle haben auf jeden Fall Fellini, Bunuel und auch die Filme von Alain Resnais ihren Platz, insbesondere "Providence", das mich sehr bewegt hat. In jungen Jahren habe ich "Nuit et brouillard" (Nacht und Nebel) gesehen. Das war nicht nur ein dokumentarischer Schock über den Horror (Der Film handelt von den deutschen KZs), sondern enthüllte ein mysteriöses All, jenseits der einsamen Realität des Schreckens.

Waren Sie vertraut mit den Bühnenstücken von Alan Ayckbourn?

Er ist ein großartiger Autor, er hat einen dauerhaften Erfolg in England, und er hat dasselbe nie in Frankreich erlebt; zweifellos weil man ihn ständig mit Feydeau vergleicht und damit sein Werk einzig auf das Komische verkürzt. Der Humor von Ayckbourn ist aber selbstverständlich komplexer. Das Verhängnis und das Fremde vermischen sich unaufhörlich mit dem Drolligen des Unsinns.

"Herzen" ist Ihre erste Drehbuchumsetzung fürs Kino?

Ja, sofern man meine reinen Drehbücher ausnimmt, die gelegentlich meinen Stücken entlehnt sind. Als ich ganz jung war, hatte ich zum Beispiel aus Gefälligkeit für Georges Lautner das Drehbuch von "Laisse aller, c´est une valse" (Der große Coup des Kommissars) neugeschrieben, das jemand geschrieben hatte, den ich sehr verehre: Bertrand Blier. Belohnt wurde ich mit einer kleinen Rolle im Film.

Wie haben Sie diesmal gearbeitet?

Nach der Übersetzung habe ich schnell das Gefühl gehabt, mich im Geflecht der Persönlichkeiten wiederzufinden, die allmählich über dem Teppich treiben, der aus ihren Geheimnissen und Lügen gewebt ist. In dem Moment, als Resnais gelungen ist, mich von einem lähmenden Respekt vor dem Autor und den historischen Anglizismen zu befreien, habe ich dieses Stück mehr und mehr als das Meine angenommen, mit dem Anspruch, jeder Figur eine Sprache zu geben, die ihrem Charakter entspricht. Ich habe sehr an den Dialogen gearbeitet, dieser sehr seltene Ort, wo sich Seele und Körper vereinen, der einzige Ort, wo die Schauspieler ihre Charaktere verkörpern können. Das Wesentliche war, zusammenzubringen, was neben der Normalität der Figuren verborgen ist, sozusagen hinter dem alltäglichen Auftreten, sich herantasten an unmerkliche Trugbilder, Neurosen und Phantasien, und dass unter einer anscheinenden Banalität das Ungewöhnliche und Unerwartete ständig präsent sind. Es stimmt, dass mir dieses ungewöhnliche Universum vertraut ist, und ich immer bei meiner Arbeit geliebt habe, mich mit dem Schauspieler zu umgeben, für den es das auch war. Dieser Film zeigt deutlich die Verwandtschaft zwischen Ayckbourn und Resnais. Zudem haben Isabelle Carré, Laura Morante, Sabine Azéma, Lambert Wilson, André Dussolier und Pierre Arditi alle diese sehr "britische" Fähigkeit, das gesamte Spektrum der Gefühle abzudecken.



Kann man sagen, dass die Schauspieler von "Herzen" genauso in der "Comédie Resnais" sind wie ein Stammensemble am Theater?

Es ist die Freude, jedesmal sehr verschiedene Rollen zu entwerfen und sich in ihnen wiederzufinden, wie in einer tatsächlichen Truppe. Während seiner ersten Filme ist Alain Resnais von einer großen Genauigkeit gegenüber seinen Schauspielern und seinen Technikern, doch er erneuert jedesmal, besetzt die Schauspieler gegen ihre bisherigen Verwendungen und erweitert damit das Bild, was man von ihnen hat. Damit bietet er ihnen unverhoffte Anteile oder vereinigt sie in verschiedenen Beziehungen, was sowohl die Geschichte wie auch deren Handelnde bereichert.

Sind die Filme von Resnais in Ihren Augen ein Werk als Teil eines Ganzen, oder sehen Sie darin die Handschrift von Duras, Robbe-Grillet oder Ayckbourn, von denen der Cineast die Substanz zieht, um den Film besser umzusetzen, die Literatur oder das Theater?

Die Auswahl der Themen und der Gestaltung sind jedes Mal so unterschiedlich. Seine Stoffe sind Abbilder seiner Kultur und seiner Neugier, und an der Auswahl seiner Drehbuchautoren ist auch sein kreativer Geist beteiligt, um daraus ein Werk zu schaffen, das sich von den vorherigen unterscheidet. Die meisten Drehbuchschreiber, die Sie erwähnt haben, haben übrigens beim Film angefangen wegen Alain Resnais. Ihre Persönlichkeit - wie ein Schauspieler für seine Rolle - muss dem Thema dienen, das Resnais vorhat zu erforschen.

Der freie Wille zählt wenig angesichts des Zufalls, der die Begegnungen zwischen den Menschen bestimmt, hat Resnais einmal gesagt. Ist Ihre Begegnung mit ihm bestimmt gewesen auf Ihrem Weg?

Sicherlich, und seit der Zeit ist für mich diese Begnung mit ihm beispielhaft, ebenso in meinem Leben wie in meiner Arbeit. Sie kam zustande durch seinen Wunsch und durch Zufall, denn mein freier Wille hat nicht gereicht, so beschäftigt, wie ich am Theater war, um sein erstes Angebot zu beantworten. Dann sind Alain Resnais und der Zufall erneut vorstellig geworden mit "La Vie est un roman" (Das Leben ist ein Roman). Seitdem hat er mir das Geschenk gemacht, von neuen Autoren vorzutragen. Ich kam mir ein wenig wie in einem Traum vor.



Fragen an André Dussollier  


Gaëlle (Isabelle Carré) sieht Dan mit dessen Verlobter
Gaëlle (Isabelle Carré) sieht Dan mit dessen Verlobter
► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Herzen" in der Regie von Alain Resnais liefen am 29.03.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Triff die Robinsons
Animation, USA, 2007

The Host
Science-Fiction-Drama, Südkorea, 2006

The Hills Have Eyes II
Horror, USA, 2007

The Cemetery Club
Dokumentation, Israel, 2006

Stellas Versuchung
Romantik-Thriller, England, Irland, 2005

Mr. Bean macht Ferien
Komödie, England, 2007

Havanna - Die neue Kunst Ruinen zu bauen
Dokumentation, Deutschland, Kuba, 2006

Ein Perfektes Paar
Drama, Frankreich, 2005

Die Herbstzeitlosen
Tragikomödie, Schweiz, 2006

Der Photograph
Dokumentation, Deutschland, Italien, Belgien, 2006



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