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Die Hochstapler

Deutschland, 2007
Dokumentation, 85 Minuten

Originaltitel
Die Hochstapler

Kino-Start
26.04.2007

Regie
Alexander Adolph, Nina Ergang

Darsteller
Jürgen Harksen, Torsten Schmitt, Mark Z., Peter G.
Die Hochstapler - Kinoplakat
Im Spielfilm sind sie gang und gäbe, oft geben sie zentrale Figuren ab: Kriminelle, die ihre Opfer unter Vorspiegelung "falscher Tatsachen" über´s Ohr hauen. "Die Hochstapler" des Münchner Grimmepreisträgers Alexander Adolph ist allerdings Premiere, was den Bereich Dokumentarfilm angeht.

Diese Dokumentation lässt vier Männer zu Wort kommen, die mit Lug und Betrug andere Leute übers Ohr gehauen haben. Dabei geht es nicht in jedem Fall um materielle Bereicherung, sondern auch um Macht über Andere.

Alexander Adolph hat für sein Portrait nach jahrelangen Recherchen die vier verurteilten Straftäter ausgesucht, die bereit waren, dem Filmemacher Einsicht in ihre Strafakten zu gewähren und ihre Anwälte von der Schweigepflicht zu befreien.

Über meherere Tage konfrontiert er sie mit den Tatsachen, und die Hochstapler und Betrüger berichten, mit welchen Tricks sie ihren Mitmenschen das Geld aus der Tasche gezogen haben oder eine ganze Stadt nach ihrer Pfeife tanzen ließen.

Der Interviewer hält sich mit seinen Fragen zurück; den meisten Raum nehmen die Protagonisten selber ein, die ihre Taten eloquent und selbstbewusst beschreiben und dabei demonstrieren, welches das wichtigste Werkzeug ihrer Sparte des Verbrechens ist: die Sprache.

Und auch die Leichtgläubigkeit, mit der ihre Opfer bereitwillig auf haarsträubende Geschichten hereinfallen, wird deutlich. Wenn etwa ein Manager einen Mondflug für mehrere Millionen finanziert, fragt sich der Zuschauer fast unwillkürlich, ob er die Chuzpe des Täters bewundern oder eher den Geneppten wegen dessen Naivität bemitleiden soll.



Film-Inhalt  


Mit geliehenem Protz-Auto zur Bank: Peter G
Mit geliehenem Protz-Auto zur Bank: Peter G


  Hintergrund


Mitarbeiter des Äußersten: Torsten S.
Mitarbeiter des Äußersten: Torsten S.

Jürgen H. (45)

Prominentester der vier Interviewpartner dürfte wohl Jürgen Harksen sein: Er betätigte sich als Vermögensberater und konnte in Hamburg mit utopischen Renditeversprechen solvente Kunden gewinnen, darunter auch Udo Lindenberg. Der bekam aufgrund seines frühzeitigen Misstrauens zwar seinen Einsatz zurück, nicht so allerdings Dieter Bohlen, den er um einen wohl nicht unerheblichen Betrag erleichtert hatte. Harksen setzte sich 1993 nach Kapstadt ab, wurde jedoch von Südafrika knapp zehn Jahre später ausgeliefert, in Deutschland verurteilt und in die JVA Fuhlsbüttel eingeliefert.

Thorsten S. (40)

Torsten Schmitt war zu DDR-Zeiten in einem Kinderheim in Bitterfeld gelandet und kam durch einige Delikte in die Jugendstrafanstalt Torgau. Auch nach der Wende setzte sich seine kriminelle Karriere fort. Aus kleineren Gaunereien wuchs der Ehrgeiz zu größeren Betrügereien. Er gab sich als Freund von Joschka Fischer aus, legte sich einen gefälschten Ausweis des Auswärtigen Amtes zu und organisierte schließlich eine gefakte Nato-Sicherheitskonferenz.

Mark Z. (35)

Schon als Schüler hat er nach eigenen Angaben den Anderen immer etwas vorgemacht. Er wurde im bürgerlichen Beruf Textilkaufmann und baute sich nebenbei eine kriminelle Existenz als Vermögensberater auf. Er erschlich sich das Vertrauen seiner Opfer, verkaufte Immobilien, die er selbst nur angemietet hatte und brachte so seine Kunden um ein Vermögen.

Peter G (60)

Als Sohn von Zeugen Jehovas war Peter G. schon von klein auf an die Aquise gewöhnt. Doch er wollte nicht den Idealen dieser Sekte entsprechen, sondern sich eigenen Besitz anhäufen. Dabei geriet er schnell auf die falsche Seite des Gesetzes. Mit Scheckbetrug und Urkundenfälschungen brachte er auch Banken dazu, ihm auf den Leim zu gehen. Dafür hat er insgesamt 28 Jahre hinter Gittern gesessen.



Betrug interessiert mich als Thema; es ist eine Sache, mit der ich mich immer schon beschäftigt habe, auch in den Sachen, die ich schreibe. Ich interessiere mich für Leute, die lügen; ich interessiere mich für die Wahrhaftigkeit hinter den Lügen; ich interessiere mich dafür, was Lügen mit Menschen machen - das ist das eine.

Das andere ist, dass Hochstapler ja so ein Archetyp sind, des komischen Films vor allem. Da sieht man immer ganz viele lustige Leute, die glamouröse Dinge tun: Das kennt man bei Steven Spielberg, das kennt man auch bei Lubitsch, und ich habe mich gefragt, wie wirkliche Hochstapler wohl sein mögen. Und dann habe ich angefanngen zu Recherchieren.



Alexander Adolph über seine Motivation  


Verkaufte gemietete Häuser: Mark Z.
Verkaufte gemietete Häuser: Mark Z.

  Adolph über eine Bewertung


Lässt es sich gutgehen: Jürgen H.
Lässt es sich gutgehen: Jürgen H.

Ich vermag die Taten meiner Protagonisten nicht zu werten. Das darf ich auch nicht, denn die haben mir vertraut, und das, was sie im Film erzählen, ist sehr viel über sich. Das muss jeder Zuschauer für sich entscheiden, was er jetzt im Film sieht und wie er selber das bewertet.

Wir haben versucht, auf Augenhöhe zu sein und uns nach Möglichkeit aller Kommentare, aber auch aller Schuldsprüche zu enthalten, und zu sehen: "Warst Du jetzt ein ungezogener Junge, tut´s Dir leid? Oder bist Du ein eiskalter Typ?" Letztlich ist es etwas, das man sehen kann, wenn man es sehen will.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Die Hochstapler" in der Regie von Alexander Adolph, Nina Ergang liefen am 26.04.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Valerie
Drama, Deutschland, 2006

The Marine
Actionthriller, USA, 2006

Pars: Operation Kirsche
Thriller, Türkei, 2007

Little Children
Kriminal-Drama, USA, 2006

Lieben und Lassen
Liebeskomödie, USA, 2006

Inland Empire
Mystery-Drama, USA, Polen, Frankreich, 2006

Dol - Tal der Trommeln
Drama, Deutschland, Irak, Frankreich, 2007

Der Fluch der goldenen Blume
Action, China (Hongkong), 2006

Ebenfalls im Kino 




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