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Hui Buh - Das Schlossgespenst

Deutschland, Tschechien, 2005
Grusel-Komödie, 102 Minuten, FSK: 0

Originaltitel
Hui Buh - Das Schlossgespenst

Kino-Start
20.07.2006

Regie
Sebastian Niemann

Darsteller
Michael Herbig (Hui Buh), Hans Clarin (Kastellan), Christoph Maria Herbst (König Julius der 111.), Ellenie Salvo González (Konstanzia), Heike Makatsch (Gräfin Leonora zu Etepetete), Rick Kavanian (Charles), Wolfgang Völz (Major Servatius Sebaldus), Nick Brimble (Adolar / Daalor)
Hui Buh - Das Schlossgespenst - Kinoplakat
Nach Winnetouch im "Schuh des Manitu" und Mr. Spuck in "(T)Raumschiff Surprise" ist Bully Michael Herbig nun in seiner dritte Hauptrolle in einem Spielfilm zu sehen. In Realitas allerdings nur sehr kurz - die meiste Zeit spukt sein digitaler Geist durch den Film, seinem Gesicht und seiner Mimik nachempfunden und natürlich mit seiner Stimme synchronisiert.

Königreich Luxenstein, zum Ende des 14. Jahrhunderts: Ritter Balduin (Michael Bully Herbig) ist nicht das, was man sich unter einem edlen Ritter des Mittelalters gemeinhin vorstellt. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Kartenspielen - und dabei schummelt er nach Strich und Faden. Als er auf Schloss Burgeck in geselliger Runde wieder einmal versucht, seine Ritterkollegen beim Pokern übers Ohr zu hauen, stellt er sich zu ungeschickt an, sein Kontrahent Ritter Adolar (Nick Brimble) durchschaut die Mogelei und belegt ihn mit einem Fluch - nicht ahnend, dass dieser sogleich in Form eines Blitzes erfüllt wird: Der schlägt in den Ertappten, der sich in ein Gespenst verwandelt und von Stund an verdammt ist, als Hui Buh in den Mauern des Gebäudes umherzuspuken...

Die Jahrhunderte vergehen, und in den altehrwürdigen Gemäuern wohnt schon längst niemand mehr, den Hui Buh noch erschrecken könnte - bis auf den Kastellan (Hans Clarin), der sich um das Schloss kümmert und redlich Mühe gibt, auf Hui Buhs Spuk-Attacken angemessen erschreckt zu reagieren. Doch eines Tages beansprucht König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) Schloss Burgeck, da sein Erstwohnsitz abgebrannt ist, und zieht mit seinem Hof dort ein. Der zeigt sich vom spukenden Bewohner weniger gegruselt denn genervt - steht doch der pompöse Empfang anlässlich der Verlobung mit Gräfin Leonora zu Etepetete (Heike Makatsch) bevor. Und diesen nutzt Hui Buh denn auch, um endlich mal wieder viele Leute erschrecken zu können.

Doch zu seiner Enttäuschung graut es nicht einmal Tommy (Martin Kurz), dem 10-jährigen Sohn von Leonoras Zofe Konstanzia (Ellenie Salvo González), vor dem uralten Gespenst, im Gegenteil ist er sogar belustigt. Nachdem Hui Buh die Verlobungsfeier aufgemischt hat, verbrennt der König zornig dessen Spuklizenz - und ruft damit den schrecklichen Daalor (Nick Brimble) von der Geisterbehörde auf den Plan, der dem Gespenst auf Geheiß seines Vorgesetzten Major Servatius Sebaldus (Wolfgang Völz) prompt dessen Rasselkette sowie Schlüsselbund abnimmt und ihn verdonnert, binnen zwei Tagen die Gespensterprüfung zu wiederholen - andernfalls würde er in die Seelensuppe gesteckt.

Zunächst scheint Julius zufrieden, dass er den lästigen Mitbewohner bald los sein könnte, doch bald muss er feststellen, dass die königlichen Finanzen aufgebraucht sind. Als deswegen sogar sein bislang treu ergebener Adjutant Charles (Rick Kavanian) seine Dienste aufkündigt, sieht Julius ein, dass es besser wäre, mit Hui Buh an einem Strang zu ziehen - zumal sein Dünkel mit der Pleite einen Dämpfer erlitten hat und er immer mehr erkennt, dass seine wahre Liebe doch eher Konstanzia gehört. So begleitet er kurzerhand mit Putzmob getarnt Hui-Buh in die Geisterstadt, um ihm bei der Prüfung zu helfen...



Film-Inhalt  


Auch eine schöne Lücke kann entzücken: Hui Buh (Mimik und Stimme von Michael Bully Herbig)
Auch eine schöne Lücke kann entzücken: Hui Buh (Mimik und Stimme von Michael Bully Herbig)


  Film-Kritik


Am Schlafittchen erwischt: Adolar (Nick Brimble) packt Tommy (Martin Kurz)
Am Schlafittchen erwischt: Adolar (Nick Brimble) packt Tommy (Martin Kurz)

Ein 10-Millionen-Euro-Budget, deutsche Star-Comedians und eine Story, die als Hörspiel schon eine ganze Generation begeisterte - die Erwartung ist also hoch. Dem erwachsenen Zuschauer sollte jedoch klar sein, dass Produzent Becker und die Autoren sich konsequent für Kinder als Zielpublikum entschieden haben.

Grusel ist also nur andeutungsweise vorhanden, und auch die Späße sind harmlos. Slapstick gibt es reichlich; wenn allerdings zum dutzendsten Mal etwas von der Wand scheppert, wenn Hui Buh hindurchfliegt, wünscht sich wohl auch manch Heranwachsender etwas mehr Originalität. Was erfreut, ist die detailverliebte und ideenreiche Ausstattung, und auch die Darsteller werden ihren einfachen Rollen mehr als gerecht und spielen mit sichtbarer Lust an der Freude, neigen allerdings bisweilen zu chargieren.

Es drängt sich der Verdacht auf, als habe man hie und da bei "Casper" von 1995 abgeguckt - manches wirkt. Dass sich der Film zu wenig an die Hörspiel-Vorlage hält, kann man allerdings nicht vorwerfen. Insgesamt hätte man den Machern jedoch etwas mehr Mut und Fantasie gewünscht. Uneingeschränkt zu empfehlen für Kinder etwa von 4 bis 14;



Mit den auch im Filmgeschäft explodierenden Kosten und dank Öffnung des Eisernen Vorhangs macht eine malerische Stadt in Europa Hollywood Konkurrenz. In Prag wurde in den letzten Jahren immer mehr internationale Filmproduktionen abgedreht. "Mission: Impossible", "Van Helsing", "Hellboy", "Die Chroniken von Narnia" oder "Omen 666" haben so den Produzenten Millionen gespart.

Denn nicht nur Löhne und Catering sind in Tschechien billiger als in den USA oder auch Deutschland, der Staat erlässt den Filmemachern auch einen Teil der eigentlich fälligen Steuern. So kosten die Dreharbeiten grob gerechnet rund 30 Prozent weniger als in den USA und immer noch ca. 15 % weniger als in Deutschland. Produzent Christian Becker hat schon für "Der Wixxer" die Vorteile von Prag erkannt und drehte in Konsequenz auch "Hui Buh" fast vollständig dort.

So wurde das Gruselschloss in den Prager Studios komplett aufgebaut. Doch nicht nur die Kosten sind ein Standortvorteil - auch die handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten, die für Kulisse, Requisiten, Kostüme und Maske benötigt werden, sind in Böhmen und Mähren auf höchstem Niveau.



Hintergrund  


Handelt aus dem Bauch heraus: Major Servatius Sebaldus (Wolfgang Völz) von der Geisterbehörde
Handelt aus dem Bauch heraus: Major Servatius Sebaldus (Wolfgang Völz) von der Geisterbehörde

  Der Schöpfer von Hui Buh


Nimmt sich die Armbrust zur Brust: Gräfin Leonora zu Etepetete (Heike Makatsch)
Nimmt sich die Armbrust zur Brust: Gräfin Leonora zu Etepetete (Heike Makatsch)

Eberhard Alexander Burgh wurde 1929 in Berlin geboren. Während des Zweiten Weltkriegs verdiente er sich Zusatzrationen, indem er Kindern im Krankenhaus selbstergedachte Geschichten erzählte. Nach einem Studium der Germanistik arbeitete er bei einer Bank als Volontär. Da sein Arbeitgeber jedoch pleite ging, fröhnte Burgh seinem Hang zur Literatur und schrieb sein erstes Märchen "Der dicke Sultan und sein Wunderturm". Seine Frau sandte es heimlich bei einem Rundfunkwettbewerb ein - prompt erhielt er das Preisgeld in Höhe von 100 Mark, und das Märchen wurde 1954 fürs Radio produziert. Auf Drängen des Redakteurs schrieb der frischgebackene Autor dann sein erstes Hörspiel "Die Lügenprinzessin", das unter der Regie des bekannten Wolfgang Spier umgesetzt und über 30 mal ausgestrahlt wurde. Eines seiner nächsten Hörspiele wurde beste Sendung des Jahres; 15 Geschichten wurden vom Fernsehen übernommen, 25 erschienen als Bücher, und über 90 Tonträger erschienen mit Hörspielen des Autors.

Das Manuskript zu "Hui Buh das Schlossgespenst" sandte Burgh zusammen mit zwei anderen, einer Musical-Bearbeitung von "Der Rattenfänger von Hameln" und "Sinbad der Seefahrer" beim Verlag Miller International ein, der unter dem Label "Europa" preisgünstige Langspielplatten auf den Markt gebracht hatte. Alle drei Titel wurden auf Schallplatte veröffentlicht, und "Hui Buh" wurde ein durchschlagender Erfolg. 23 Folgen erschienen seit Ende der 1960er auf Millionen von Platten und Kassetten und beschertem den ersten deutschen für Literatur vergebenen Platin-Tonträger sowie fünf goldene Tonträger. Desweiteren erschienen 7 Hui-Buh-Bücher, ein Song und ein Theaterstück.

Mit Hui Buh ist Eberhard Alexander Burgh wohl der größte Erfolg beschieden worden, doch auch andere Titel haben eine große Zahl von Fans begeistern können. Dazu zählen "Die Hexe Schrumpeldei" mit zwei goldenen Tonträgern, "Simba der schüchterne Löwe", die Radio- und Fernsehgeschichten von "Der Faxenmax" und die Kinderkrimi-Serie "Meisterdetektiv Hieronymus Neunmalklug". Nach seinem Tode im Jahr 2004 vermachte Burgh den Großteil seines Vermögens Berliner Waisenhäusern.



1929 - Im selben Jahr wie Hui-Buh-Vater Eberhard Alexander-Burgh wurde Hans Clarin geboren. Nach dem Besuch der Schauspielschule feierte er seine ersten Erfolge auf der Bühne 1951 am Staatstheater in München. Schon ein Jahr später folgte der erste Kinofilm in der Titelrolle bei "Zwerg Nase" nach dem Märchen von Wilhelm Hauff. Seither hat er in weit über 100 Spielfilmen und Fernsehproduktionen mitgespielt, darunter in "Charleys Tante", "Das Wirtshaus im Spessart", "Pippi Langstrumpf" und "Max, der Taschendieb"

Clarins Markenzeichen war seine unverweckselbare, "kieksige" Stimme, die ihm mehr noch als auf Leinwand und Bildschirm Popularität als Sprecher einbrachte. So synchronisierte er Edd Byrnes in der Rolle des "Kookie" in der beliebten Krimiserie "77 Sunset Strip" von 1958. In den 1980ern dürfte sich sein Organ in die Kinderherzen eingebrannt haben, die die Serie "Meister Eder und sein Pumuckl" verschlungen haben - seine Stimme schien dem frechen Holz-Kobold auf den Leib geschnitten zu sein.

Doch schon viel früher hörten Kinder Hans Clarin als Sprecher eines ihrer Helden: Als schaurig-fröhliches Schlossgespenst Hui-Buh spukte er seit Ende der 1960er Jahre auf unzähligen Hörspielplatten- und Kassetten und rasselte mit den Stimmbändern mindestens so furchterregend wie mit den rostigen Ketten. Und wie schon 2003, als Pumuckls Synchronsprecher in "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" sein schauspielerisches Talent als Meister Eders Vetter Ferdinand zeigen konnte, so gab sich Clarin für die Kinoproduktion von Hui Buh die Ehre und stellte sich für die Rolle des Kastellan des Spukschlosses zur Verfügung. Dies war zugleich seine letzte Spielfilm-Rolle: Am 28. August 2005, kurz nach Abschluss der Dreharbeiten, starb Hans Clarin im 450 Jahre alten Moserhof in Aschau im oberbayerischen Chiemgau.



Die Stimme von Hui Buh im Hörspiel  

► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Teaser-Poster► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Hui Buh - Das Schlossgespenst" in der Regie von Sebastian Niemann liefen am 20.07.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Vinzent
Mystery-Drama, Deutschland, 2004

Man muss mich nicht lieben
Tragikomödie, Frankreich, 2005

Geheime Staatsaffären
Thriller-Drama, Frankreich, 2006

Battle in Heaven
Drama, Mexiko, Belgien, Frankreich, Deutschland, 2005



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