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In den Süden

Frankreich, Haiti, Kanada, 2005
Drama, 104 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Vers le sud

Kino-Start
21.09.2006

Regie
Laurent Cantet

Darsteller
Charlotte Rampling (Ellen), Karen Young (Brenda), Louise Portal (Sue), Ménothy Cesar (Legba), Lys Ambroise (Albert), Jackenson Pierre Olmo Diaz (Eddy), Anotte Saint Ford (Legbas Freundin)
In den Süden - Kinoplakat
Sextourismus - ein heißes Thema, bei dem die meisten wohl an lüsterne Männer denken, die das globale Wohlstandsgefälle ausnutzen. Dass aber auch Frauen bereit sind, für den Reiz exotischer Männer zu bezahlen, ist Gegenstand von "In den Süden", mit dem Regisseur Laurent Cantet zum zweiten Mal auf dem Filmfestival in Venedig punkten konnte.

Haiti, zu Beginn der 1980er Jahre: Trotz der noch andauernden Diktatur von Jean-Claude Duvalier, berüchtigt als "Baby Doc", und der Unruhen in der Bevölkerung ist die karibische Insel ein beliebtes Reiseziel für Nordamerikaner. Das Hotel "La Petite Anse", unweit von Port au Prince gelegen, ist ein isoliertes Paradies, in das scheinbar kein Unbill von außen eindringen kann.

Albert (Lys Ambroise) steht in den Diensten des Hotels und holt Brenda (Karen Young) aus Georgia vom Flughafen ab. Sie war schon einmal hier im Urlaub gewesen und hatte nicht nur Sonne, Sand und Wasser genossen, sondern auch die Liebesdienste des jungen Schwarzen Legba (Ménothy Cesar), woran damals ihre Ehe gescheitert ist.

Im Hotel lernt sie Ellen (Charlotte Rampling) kennen, Professorin für französische Literatur aus Boston. Die ist hier bereits zum sechsten Mal auf Sommerurlaub und hat ebenfalls eine Schwäche für die einheimischen Männer, ebenso wie die stämmige Sue (Louise Portal) aus dem kanadischen Montreal. Alle drei vergnügen sich mit den jungen Haitianern und geben Geld oder Geschenke als Gegenleistung. Ellen hat sich ebenso wie Brenda in Legba verliebt, und es ist mehr als sexuelles Begehren, es ist echte Zuneigung.

So kommt es zwischen den beiden immer wieder zum Streit über den farbigen Adonis. Der genießt zwar einerseits die Begegnungen mir den freigiebigen Frauen, andererseits stört in die Bevormundung, die von Ellen ausgeht. Und ihre Sorge um Legba ist nicht unberechtigt, denn der gerät mit der haitianischen Geheimpolizei Tonton Macoute aneinander. Zwar verspricht ihm eine Freundin (Anotte Saint Ford) aus Kindertagen, selbst Mätresse eines einflussreichen Politikers, Zuflucht, doch Legba zieht es wieder zurück zu seinen beiden Verehrerinnen...



Film-Inhalt  


Gegensätze ziehen sich an: Ellen (Charlotte Rampling) und Legba (Ménothy Cesar)
Gegensätze ziehen sich an: Ellen (Charlotte Rampling) und Legba (Ménothy Cesar)


  Film-Kritik


Hält den Augenblick fest: Ellen fotografiert den schlafenden Legba
Hält den Augenblick fest: Ellen fotografiert den schlafenden Legba

Als Vorlage von "In den Süden" dienten Cantet drei Kurzgeschichten, aus der er gleich einen ganzen Katalog von Themen herauspickte. Im Vordergrund steht die Geschichte der beiden Frauen Ellen und Brenda, hier die abgeklärte britische Intellektuelle, dort die gefühlsbetonte Südstaatlerin. Ihr Entschluss, in fortschreitendem Alter ihre sexuellen, aber auch emotionalen Bedürfnisse ohne Rücksicht auf die Normen ihrer Heimat zu befriedigen, wird ohne moralische Entrüstung geschildert.

Viele Themen, wie politische und rassische Konflikte und Probleme werden eher beiläufig behandelt. Die Kamera verirrt sich nur selten außerhalb der paradiesischen Hotelanlage in den Moloch der haitianischen Hauptstadt und deutet die krassen Kontraste an, ohne sie inhaltlich zu vertiefen. Kontraste zwischen schwarz und weiß, zwischen Wohlstand und Armut, zwischen Jung und Alt, zwischen Frieden und Gewalt werden nur angedeutet, und auch die Rolle des Legba erhält wenig Tiefe.

So erhält er, obwohl dramaturgisch als eine der zentralen Figuren angesetzt, im Gegensatz zu den drei Frauen und dem Hotelmanager keinen inneren Monolog, in dem diese ihre biografischen Hintergründe schildern. "In den Süden" ist ein Film über die Sehnsucht nach Liebe, mit überzeugend agierenden Darstellern und vor gekonnt gefilmter exotischer Kulisse und mit subtiler Erotik. Emotional bewegend, verurteilt er nicht seine Protagonisten, sondern provoziert den Betrachter zu eigenen Schlussfolgerungen.



Haiti liegt westlich der Dominikanische Republik auf der karibischen Insel Hispaniola, die zu den Großen Antillen gehört. Es ist mit 511 US-Dollar pro Kopf im Jahr 2005 das ärmste amerikanische Land und hat einen Alphabetisierungsgrad von rund fünfzig Prozent. Im Jahr 1492 landete Christoph Kolumbus erstmals auf der Insel, die von den Spaniern besetzt wurde. 1665 errichtete Frankreich im westlichen Teil eine französische Kolonie, die Saint Domingue genannt wurde.

Nachdem die Urbevölkerung von den Spaniern fast vollständig ausgerottet worden war, besiedelten die Franzosen ihr Hoheitsgebiet mit Sklaven aus ihren afrikanischen Kolonien, die auf den Zuckerplantagen arbeiten mussten. Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einem Sklavenaufstand, der schließlich am 1. Januar 1804 in die Unabhängig von Frankreich führte und Haiti seinen heutigen Namen bescherte.

Seither ist das Land von Aufständen, politischen und nationalen Führungswechseln gebeutelt, an denen neben Frankreich auch England, Deutschland und die USA beteiligt waren. 1915 wurde Haiti von den USA besetzt und erklärte im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs Deutschland den Krieg, ebenso im Zweiten Weltkrieg, einen Tag nach Kriegseintritt der USA.



Haiti gestern - Die Geschichte  


Ein schöner Rücken kann entzücken: Brenda (Karen Young) betrachtet den schlafenden Legba
Ein schöner Rücken kann entzücken: Brenda (Karen Young) betrachtet den schlafenden Legba

  Papa und Baby Doc - Eine schöne Familie


Nur Sex oder auch Liebe? Ellen und Legba vor dem Bett
Nur Sex oder auch Liebe? Ellen und Legba vor dem Bett

1957 kam mit massiver Unterstützung des Militärs François Duvalier, genannt "Papa Doc", an die Macht. Er baute die Verfassung um und erzielte so bei den Wahlen 1961 ein traumhaftes Wahlergebnis von 100 Prozent - mit vorgedruckten Stimmzetteln. Nach einer weiteren Verfassungsänderung lässt er sich 1964 zum Präsident auf Lebenszeit wählen, diesmal mit "nur" 99,88 Prozent. Mit Hilfe der Tontons Macoutes, einer Art Geheimpolizei, hielt Papa Doc die Bevölkerung in Schach.

Mit Duvaliers Tod 1971 war das Terrorregime keineswegs beendet: Kurz zuvor hatte er das Mindestalter für den Präsidenten von 40 auf 18 Jahre herabgesetzt, um seinen 19-jährigen Sohn Jean-Claude ins Amt hieven zu können - mit "Zustimmung" des Volkes von 100 Prozent. "Baby Doc" ließ sich ebenfalls als Präsident auf Lebenszeit bestätigen, war allerdings damit nicht so erfolgreich wie der Herr Papa: Die eskalierenden inneren Unruhen mündeten 1986 in eine Revolte, bei der Duvalier junior sich absetzte und in Frankreich Exil fand.

Auch nach der Duvalier-Dynastie fand das Land keine politische Ruhe. Es folgte, forciert durch das Militär, ein stetiger Wechsel der Amtsmacht, die vier Mal bei Jean Bertrand Aristide landete. Nach massiver Intervention der USA und Frankreichs wurde dieser schließlich 2004 entmachtet.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "In den Süden" in der Regie von Laurent Cantet liefen am 21.09.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Swinger Club
Drama, Deutschland, 2006

She´s the Man - Voll Mein Typ
Komödie, USA, 2006

Road to Guantanamo
Doku-Drama, England, Pakistan, Afghanistan, 2006

Oh wie schön ist Panama
Zeichentrick, Deutschland, 2006

Ich, Du und der Andere
Komödie, USA, 2006

Gambit
Dokumentation, Deutschland, Schweiz, 2005

Der Unbekannte Soldat
Dokumentation, Deutschland, 2006

Der Kick
Kriminalfilm, Deutschland, 2006

Crank
Action, USA, 2006

Candy
Liebesdrama, Australien, 2006

Brick
Drama, USA, 2005

Ebenfalls im Kino 




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