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Jagdfieber

USA, 2006
Animation, 86 Minuten, FSK: 0

Originaltitel
Open Season

Kino-Start
09.11.2006

Regie
Roger Allers, Jill Culton, Anthony Stacchi

Darsteller
Thomas Heinze (Boog), Jürgen Vogel (Elliot), Alexandra Neldel (Beth), Oliver Stritzel (Shaw), Wolfgang Spier (McSquizzy), Jörg Hengstler (Reilly), Engelbert von Nordhausen (Ian), Christian Gaul (Herr Wiener), Christel Merian (Bobbie), Tobias Kluckert (O´Toole), Frank-Otto Schenk (Serge), Heike Schroetter (Gabi), Daniela Reidies (Uschi), Roland Hemmo (Gordy), Dascha Lehmann (Giselle), Santiago Ziesmer (Stachelschwein), Martin Kautz (Deni)
Jagdfieber - Kinoplakat
Wenn es um anspruchsvolle Animationsfilme geht, hatten sich bisher die Animationsstudios Pixar von Walt Disney und DreamWorks von Universal das Rennen geliefert. Nun versucht die neugegründete Sony Pictures Animation mit "Jagdfieber" einen Fuß in die Tür zu kriegen.

Der Grizzlybär Boog (Thomas Heinze) ist im Gegensatz zu vielen Artgenossen überhaupt nicht gefährlich: Er ist in Timberline aufgewachsen und handzahm. Aufgezogen wurde Boog von der gutmütigen Parkrangerin Beth (Alexandra Neldel), in deren Garage er wohnt. Er hat menschliche Gewohnheiten angenommen, schaut mit Vorliebe Fernsehen und hat einen gesunden Apettit: achtmal am Tag wird aufgetischt. Langeweile kommt in Boogs Leben nicht auf, denn er ist der Star von Beths "Wild Life Show", die zahlreiche Touristen anlockt. Wenn er sich zur Nachtruhe begibt, kommt Teddybär Dinkelman mit ins Bett.

Das bisher recht geordnete Leben gerät durcheinander, als er Elliot (Jürgen Vogel) begegnet. Elliot ist ein Hirschkalb, dem das halbe Geweih fehlt - und festgebunden auf der Motorhaube vom Auto des Jägers Shaw (Oliver Stritzel). Der Bär befreit das hilflose Tier aus seiner misslichen Lage, der ihm darauf nicht mehr von der Seite weicht. Der kleine Hirsch verlockt Boog zu einigem Unfug - so dringen sie in einen Laden ein und stopfen sich mit Naschkram voll. Beth ist der Meinung, dass der Grizzly nun verwildert sei und lädt die beiden mitten im Wald ab.

Doch als Boog nicht in seinem kuscheligen Bett aufwacht, ist er einigermaßen verstört. Er fühlt sich für ein Leben in der freien Natur nicht geschaffen und will wieder zurück in seine vertraute Stadt. Der Bär verspricht Elliot, dass der in seiner Garage wohnen könne, wenn er ihm hülfe, wieder nach Timberline zu gelangen. Doch die Rückkehr erweist sich als eine gefährliche Angelegenheit, denn die Schonzeit ist vorbei, und die Jäger sind wieder auf der Pirsch.

Als die zwei ihre Rücktreise antreten, lernen sie das ortsansässige, ziemlich griesgrämiges Eichhörnchen namens McSquizzy (Wolfgang Spier) kennen, ein Paar schlaue Stinktiere, zwei neurotische Enten und einige Hirsche aus Elliots früherer Herde, deren Anführer Ian (Engelbert von Nordhausen) in einst vertrieben hatte, als beide sich in die hübsche Hirschkuh Giselle Dascha Lehmann) verguckt hatten. Die beiden begegnen einer Mannschaft Biber, die unter der Anleitung ihres Bauleiters Reilly (Jörg Hengstler) eifrig dabei ist, einen Damm zu bauen. Außerdem streifen in der Wildnis ein paar unglückselige Camper in ihren Wohnwagen herum, begleitet von ihrem für Unruhe sorgenden Dackel Herr Wiener (Christian Gaul)...



Film-Inhalt  


Fühlt sich bärig gut: Grizzly Boog (Thomas Heinze)
Fühlt sich bärig gut: Grizzly Boog (Thomas Heinze)


  Hintergrund


Kann ganz schön nerven: Hirsch Elliot (Jürgen Vogel)
Kann ganz schön nerven: Hirsch Elliot (Jürgen Vogel)

"Jeder Animationsfilm beginnt mit einer leeren Seite", weiß Sandra Rabins, Executive Vice President von Sony Pictures Animation. Anders als ein Live-Action-Film, der mit der Drehbuchkopie eines Casting-Agenten und einem Stapel von Porträtaufnahmen beginnt, startet ein Animationsfilm mit Künstlern, die Storyboards zeichnen. Storyboards illustrieren die Story und die Figuren, die in den Porträtzeichnungen zum Leben erweckt wurden.

Storyboards werden zunächst in einer Art Comicheft-Format abgefasst, in dem jedes Bild einen Teil der Handlung verdeutlicht. Während des Verlaufs eines animierten Films werden Abertausende von Bildern in diesem Format gezeichnet. Ein Paar davon werden an ein schwarzes Brett und an Bürowände gehängt, die meisten werden abgeheftet, und ein paar finden ihren Weg auf die Leinwand, nachdem sie aufwendig umformatiert, verfeinert und neu erdacht wurden.

"In der Storyboard-Phase probieren wir viel herum, versetzen unsere Figuren in verschiedene Situationen, und ihre Persönlichkeiten beginnen sich ganz automatisch während der Arbeit der Storyboard-Zeichner zu entfalten", erklärt Ko-Autor Donnie Long. "Wir ändern und modifizieren die Figuren, um sie so unterhaltsam wie möglich zu machen. Sobald du die Möglichkeiten und die Charakterzüge visualisiert hast, werden die Figuren klarer und es wird einfacher, ihre Geschichte zu schreiben und sie zu zeichnen."

"Das Zeichnen der Storyboards ist der Moment, in dem alles passiert", fügt Ko-Regisseur Stacchi hinzu. "Die Story kann entworfen sein, der Plot strukturiert und der Takt klar und logisch vorgegeben. Aber wenn hier kein Raum wäre, in dem die Figuren mit ihren Eigenheiten und Momenten lebendig werden dürfen, würde es auch später keinen mehr geben. Wir hatten das Glück, dass unsere Story-Abteilung zum Teil aus verbitterten Außenseitern bestand, wie es auch Boog und Elliot sind, so dass sie automatisch eine große Innensicht der Figuren hatten."

Bei "Jagdfieber" waren die frühen Storyboards die Inspiration für die nächsten vier Jahre Arbeit von mehr als 200 Künstlern und Zeichnern, die 1.223 Einstellungen bearbeiteten und mehr als 2.100 Meter Filmmaterial verwendeten, um mehr als 34.000 Storyboard-Zeichnungen zu produzieren.

Der Schöpfungsprozess dreidimensionaler Figuren für "Jagdfieber" begann mit Character Designer Carter Goodrich, der die monumentale Aufgabe übernahm, jede Figur des Films zu entwerfen. Goodrich war entscheidend an "Findet Nemo" (2003), "Die Monster AG" (2001) und Shrek (2001) beteiligt. Goodrich schenkte jedem Tier und Einwohner von Timberline seine eigene, unvergleichliche, skurrile Persönlichkeit.

"Wir arbeiteten mit den Storyboards von Story Supervisor David Feiss", erklärt Goodrich. "Wir zeigten eine Gruppe von Bildern, und die Regisseure suchten die aus, die ihnen am besten gefielen. Dann bekamen diese ihren Feinschliff und wurden bearbeitet, bis die endgültige grafische Umsetzung der Figuren abgeschlossen war."

Richard Chavez, Visual Effects Supervisor, arbeitete eng mit der Storyboard-Abteilung und dem Team zusammen, das die Figuren entwickelte, um das übergeordnete Produktionsdesign des Films zu gestalten. "Wir arbeiten zuerst dem Figurenkonzept zu", so Chavez. "Wir helfen den Regisseuren dabei, Elemente zu finden, die sowohl die Figuren als auch die Story bestimmen. Dieser frühe Arbeitsschritt ist sehr organisch. Es gibt eine große Flexibilität zu diesem Zeitpunkt, da die Dinge noch nicht eingegrenzt wurden und der Storyverlauf sich noch im Wandel befindet. Also ist alles möglich."



Goodrichs ursprüngliche Bilder für das Design der Figuren werden in den Computer übersetzt und dann von Michael Kurinsky, Visual-Effects-Künstler, ausgearbeitet, der Zeichnungen in der Bildbearbeitungs-Software Photoshop kreiert und Struktur und Farbe hinzufügt, insbesondere das Tierfell und menschliches Haar. "Jedes Tier im Film hat sein spezifisches Fell", erklärt Kurinsky. "Alles, was ich mache, sind Haare", sagt Chris Yee, Chef für computer-generiertes Haar. "Und es gibt sehr viele Haare in "Jagdfieber". Elliot hat die meisten Haare, ungefähr 3.500.000. Boog hat 1.600.000, und Beth hat 150.000 Haare. Alles zusammen reden wir über mehrere Milliarden Haare."

Nachdem das Haar mit einer neuen "Kämm"-Technologie gestylt wurde, entwickelte das Visual-Effects-Team auch ein neues "dynamisches Haar-System". Die neue Software ermöglicht, dass sich Fell in einzelnen Gruppen bewegt, wobei aber dennoch jedes einzelne Haar verlagert und sich unabhängig von den anderen verhalten kann. Das war notwendig, um für den Film authentisches Fell zu kreieren. Weil der Film vor aktiven Geschöpfen des Waldes nur so wimmelt, musste das Team viele verschiedene Pelz-Stile kreieren.

Eine weitere große Hürde für das Visual-Effects-Team war Wasser. "Das Wasser in der Sequenz, in der Boog und Elliot versehentlich einen Damm zerstören und das darunterliegende Tal überfluten, war eine der größten Herausforderungen des Films", erinnert sich CG Supervisor Darren Lurie. "Wasser bewegt sich in der Regel auf eine bestimmte Art und Weise, es ist eines der realistischsten Elemente im Film. Wir wollten, dass es lebendig erscheint, Größe und Stärke besitzt. Wasser wird hier wie eine Figur behandelt." Während des Films ist diese "Figur" in einer weiten Bandbreite von Permutationen zu sehen – bisweilen ruhig oder tobend, als Rinnsal oder als Regenguss. Konsequenterweise musste Ikeler ein realistisches Wassersystem kreieren – eines, das natürlich fließt, plätschert und mit der Umgebung und den Figuren in seinem Umfeld interagiert. Diese neue Wasser-Technologie produzierte seinen eigenen Schaum, weiße Gischt, Sprühregen und Wasserfälle. Und nachdem Farbe und Licht hinzugefügt wurden, war das Wasser nahtlos in die künstliche 3D-Umgebung integriert.



Eine haarige Angelegenheit  


Eichhörnchen mit Eigensinn: McSquizzy (Wolfgang Spier)
Eichhörnchen mit Eigensinn: McSquizzy (Wolfgang Spier)

  Klassik und Moderne


Reilly (Jörg Hengstler) und seine Biberbrigade beim Dammbau
Reilly (Jörg Hengstler) und seine Biberbrigade beim Dammbau

Einer der wichtigsten Aspekte von "Jagdfieber" ist die Art und Weise, mit der der Film die Kunst klassischer 2D-Animation in die technologischen Fortschritte und Errungenschaften integriert, die heute dank 3D möglich sind. "Wir haben eine Software erfunden, die diesen Film total einzigartig macht", bemerkt Produzentin Murdocca.

Die Filmemacher wollten, dass der Look des Films den Merkmalen von klassischem Zeichentrick Tribut zollt – den graphischen Linien, Schatten und der Tiefe von Flächen, zum Beispiel. Aber sie versuchten diese Qualität in ein neues Medium zu übersetzen. "Die größte Herausforderung hinsichtlich des Gesamt-Looks des Films lag darin, mit mehr als den Prinzipien traditioneller 2D-Animation zu arbeiten", sagt Sean P. Mullen, der leitende Trickfilmzeichner. "Bei diesem Film waren wir in der Lage, viele der grundlegenden Animationsprinzipien zu nutzen, die mit Computergraphik früher kaum zu machen waren."

Sobald die Story voranging, begannen die Regisseure damit, das visuelle Vokabular festzulegen, das sie verwenden wollten. "Eines meiner Lieblingsbücher ist Eyvind Earles Buch über Weihnachtskarten", so Culton. "Jede Karte hatte diesen alten, handschriftlichen Look, mit Schnee und Bäumen und Holzscheiten und kleinen verzerrten Kirchen. Und jede Karte hatte eine starke Farbpalette." Earle, der bekannte Hintergrundzeichner von Disney, war für das Styling, den Hintergrund und die Farben der klassischen Filme "Sleeping Beauty" (Dornröschen, 1959), "Lady and the Tramp" (Susi und Strolch, 1955) und Fantasia (1940) verantwortlich. Culton schlug vor, dass die Künstler von "Jagdfieber" Earles markanten Stil als Ausgangspunkt für die Kreation von Timberline und die weite Landschaft des Waldes und die Bäume als optischen Hintergrund für den Film benutzen sollten.

"Eyvind Earles Architektur hat eine auf bestimmte Weise geformtes Design, etwas 'Wackeliges'. Alles ist leicht verzerrt und asymmetrisch, wodurch es leicht skurril wirkt", erklärt Art Director Andy Harkness. "Seine Bäume sind wunderschön gezeichnet." Aber um 2D-Einflüsse in einer 3D-Welt einzusetzen, mussten ein paar neue "Brücken" gefunden werden, die beide nahtlos verbinden. "Unsere Figuren und Hintergründe haben starke Formen, und das war die Herausforderung bei 3D", erklärt Culton. "Wir brauchten eine bestimmte Software für die Hintergründe und für die Figuren."

Die neue Software wurde bei Imageworks kreiert und erlaubte den Regisseuren, den Look und die Stimmung traditioneller Animation auf die 3D-Figuren zu übertragen. "Die Software half uns nicht nur, den graphischen Look zu erreichen, den wir anstrebten, damit unsere Figuren starke Silhouetten bekamen", so Allers, "sondern sie ermöglichte uns auch ein stärkeres Zusammendrücken und Ausdehnen. Ältere CG-Figuren wirken eher wie Puppen, weil die Zeichner keine flexible Software hatten. Bei Trickfilmen muss man immer übertreiben, um die Figuren reell wirken zu lassen. Ich freue mich darüber, diesen Spaß, dieses Zippen, diesen Unwahrscheinlichkeits-Faktor jetzt in 3D zu sehen."

Das Imageworks-Team von Visual Effects Supervisor Ikeler erhielt die Aufgabe, die innovative Software zu programmieren und die richtige Balance zwischen 3D-Realität und dem steifen, graphischen Stil der 2D-Vorlage des Projekts zu finden. "Unsere anfänglich matten Gemälde wären für einen 2D-Film geeignet gewesen", sagt er. "Und die einfachen Querschnitte der Geometrie liefen gegen alles, was ich kannte. Wenn du unsere Zeichnungen mit einer flachen Farbe füllen würdest, würde es fast wie 2D aussehen. Also fügten wir mit Textur, Licht und Schatten dieses Gefühl von 3D hinzu, das das Publikum so liebt."



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Teaser-Poster► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Jagdfieber" in der Regie von Roger Allers, Jill Culton, Anthony Stacchi liefen am 09.11.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Stille Sehnsucht - Warchild
Drama, Deutschland, 2006

Madeinusa - Das Mädchen aus den Anden
Tragikomödie, Peru, Spanien, 2006

Ein Gutes Jahr
Drama, USA, 2006

Der Letzte Zug
Drama, Deutschland, 2006

Der Fluch - The Grudge 2
Mystery-Drama, USA, 2006

Children of Men
SciFi-Drama, England, USA, 2006

Abschalten! Apaga y vámonos
Dokumentation, Spanien, Chile, 2005

7 Jungfrauen
Drama, Spanien, 2005

Ebenfalls im Kino 




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