"Die Folklore-Band spielte. Gebratene Würstchen
und Bier wurden verkauft. Männer und Frauen
tanzten in Lederhosen und sangen. Wir wollten
Mittagspause machen und stolperten in diese
typische Gasthaus-Feier eines österreichischen
Dorfes.
Nach dem Essen gingen wir nur wenige
100 Meter zu der Schottergrube, in der wir gerade
drehten – die große Grube, in der 50 Jahre vorher
so viele Menschen aus der ganzen Welt systematisch
durch Arbeit zu Tode kamen. Das war in
Mauthausen, 1995, als ich dort einen Film über die
Befreier des Konzentrationslagers drehte.
Die Widersprüchlichkeit
dieser beiden Szenen verfolgte
mich: die sorgenfreie Ausgelassenheit im Biergarten
des Gasthauses und die totenstille Schottergrube.
Das 'idyllische' Dörfchen Mauthausen,
direkt neben dem früheren Lager – Teil eines
Landes, das sich so lange eher als Opfer- denn als
Täternation präsentiert hat; eines Landes, das sich
nie wirklich seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus
gestellt hat."