"Balkon Europas", so bezeichnen die Georgier ihr eigenes Land, das zwischen Europa und Asien sich seine eigenständige Kultur bewahrt hat. Die volkstümliche Musik des Landes, deren polyfone Struktur sich bereits lange vor der in Europa herausgebildet hatte, zeichnet sich durch eine mehrstimmige Gesangsführung und rhytmische Komplexität der Lieder aus, und die harmonische Notation basiert auf einem eigenständigen Tonartensystem. Die überlieferten Texte haben ihren Ursprung teils in altsumerischen Sprachen. Dabei variiert die Musik in einer reichhaltigen regionalen Vielfalt. Diese Besonderheiten haben die UNESCO dazu geführt, die georgische Musik in die Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen.
Ruth Olshan sucht die verschiedenen Regionen des Landes auf, um diese Musik aufzuspüren, begleitet von Kameramann Marcus Winterbauer, der beeindruckende Bilder der Landschaften zwischen Gebirge, Tiefebene und Schwarzem Meer einfängt. Begleitet wird sie von Künstlern des Georgika Männerchors, die ihr Helfen, Sänger zu finden, die die teils nur mündlich überlieferten Lieder kennen. Sie begegnen einer Kindertanzgruppe in Rutawi, wo auch der Nachwuchs das musikalische Brauchtum pflegt. Dabei wird deutlich, dass die Traditionen auch ihre Schattenseiten haben: Seit Alters her werden die Tänze und Gesänge nach Geschlechtern getrennt, und teilweise wird versucht, diese Trennung aufzulösen. So singen etwa die Damen des Tutarchela Frauenchors klassische Männerlieder.
Doch der Film zeigt auch, über die künstlerische Bedeutung und ästhetische Qualität der Musik hinaus, die keineswegs rosigen Lebensumstände in Georgien. Die krassen wirtschaftlichen Probleme in dem einst sozialistischen Land, in dem rund die Hälfte der Bewohner unterhalb der Armutsgrenze leben. So berichtet die chorleiterin, dass sie ihren Lebensunterhalt mit drei Jobs in verschiedenen Städten bestreiten muss. So gibt die Musik den Menschen Halt, sorgt dafür, dass die Jugendlichen nicht herumlungern und im Singen ein gemeinschaftliches Erlebnis erfahren.
Der Zuschauer erfährt von der Familie Lejava, die aus ihren Kreisen ein ganzes Ensemble bildet. Vorgestellt wird auch Sergo Kamalov, Virtuose auf der Kamatscha, einem alten asiatischen Saiteninstrument, der sich daran stört, dass seine Ehefrau sich seit 58 Jahren mehr für ihre Marmelade als für seine Musik interessiert. Schließlich wird, neben der Beziehung von Folklore zum Alltag auch die Entwicklung der Musik in die Moderne skizziert, wie etwa Jazz und Pop.