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Madeinusa - Das Mädchen aus den Anden

Peru, Spanien, 2006
Tragikomödie, 100 Minuten

Originaltitel
Madeinusa

Kino-Start
09.11.2006

Regie
Claudia Llosa

Darsteller
Magaly Solier (Madeinusa), Yiliana Chong (Chale), sCarlos Juan De La Torre (Salvador), Juan Ubaldo Huamán (Cayo), Melvin Quijada (Mauro)
Madeinusa - Das Mädchen aus den Anden - Kinoplakat
Mit "Madeinusa - Das Mädchen aus den Anden" hat Claudia Llosa, Nichte des berühmten Schriftstellers Mario Vargas Llosa, ein beachtliches Erstlingswerk präsentiert. Die Geschichte über ein peruanisches Mädchen, die mit Hilfe eines Gringos der Enge ihres Dorfes zu entfliehen versucht, hat mehrere Preise erhalten, wie den Preis der Filmkritik beim Filmfestival Hamburg, und wurde beim Sundance Film Festival für den Großen Preis der Jury nominiert.

Manayaycuna in Peru ist ein kleines, abgelegenes Dorf in den Anden, in dem Indios leben. Hier lebt die hübsche, 14-jährige Madeinusa (Magaly Solier) mit ihrem Vater, Bürgermeister Cayo (Juan Ubaldo Huamán), und der Schwester Chale (Yiliana Chong). Es gibt keinen Strom und kein Telefon, und wer telefonieren möchte, muss auf den Kleinbus von El Mudo warten, der gelegentlich hier vorbeikommt.

Jedes Jahr findet in Manayaycuna mit "tiempo santo" ein ausgelassenes Fest statt, die "Heilige Zeit", in dem die Bewohner wie im Karneval feiern, um ihr ansonsten eintöniges Leben zu vergessen. Das Dorf wird farbenprächtig geschmückt, und auf dem Dorfplatz findet eine besondere Wahl statt. Madeinusa ist diesmal zur "Miss Virgen Manayaycuna", zur Heiligen Jungfrau erkoren worden.

In einem prächtigen weißen Kleid soll sie die religiöse Oster-Prozession anführen und darf Jesus, der zum Karfreitag vom Kreuz genommen wird, die Augen schließen. Bis zum Ostersonntag kann er dann all die Sünden nicht sehen, die in diesen Tagen begangen werden. Währenddessen schneiden sich die Dorfältesten nach alter Tradition die Krawatten ab. Auch Cayo gehört dazu und ist mächtig stolz auf seine Tochter und freut sich schon, ihr die Jungfräulichkeit nehmen zu können.

Doch das Fest mit der eigenwilligen Interpretation des christlichen Glaubens wird just bedroht: Ins Dorf hat es den attraktiven Fotografen Salvador (Carlos Juan De La Torre) aus der Hauptstadt Lima verschlagen. Sein Bus ist steckengeblieben, und so bleibt er über Nacht hier. Von der Dorfbevölkerung wird der Fremde als unerwünschter Eindringling, als Gringo angesehen. Kurzerhand wird Salvador im Hause des Bürgermeisters eingesperrt, und so können die Einwohner ungestört ihre kleinen Sünden begehen und dem Maisbier Chicha frönen.

Madeinusa verliebt sich in Salvador und sieht in ihm einen willkommenen Weg, ihren lange gehegten Traum zu erfüllen und aus der Enge des Dorfes und ihrer Familie auszubrechen und nach Lima zu gehen. Tatsächlich nimmt Salvador sie mit, doch nachdem sie aufgebrochen sind, bemerkt sie, dass sie ihre Ohrringe vergessen hat - ein Andenken an ihre Mutter, die die Familie vor einiger Zeit verlassen hatte und ebenfalls nach Lima geflüchtet war. Madeinusa kehrt noch einmal zurück, um die Schmuckstücke zu holen...



Film-Inhalt  


Madeinusa (Magaly Solier) ist mit ihrem Leben unzufrieden
Madeinusa (Magaly Solier) ist mit ihrem Leben unzufrieden


  Hintergrund


Bürgermeister Cayo (Juan Ubaldo Huamán) ist stolz auf seine Tochter
Bürgermeister Cayo (Juan Ubaldo Huamán) ist stolz auf seine Tochter

Die konkrete Ausprägung der Vermischung von christlichen Traditionen und indianischen Riten sind fiktiv, ebenso wie die Ausschweifungen der Dorfbewohner während des Festes. Tatsächlich ist ein solcher religiöser und kultureller Mix in Südamerika nicht ungewöhnlich. Das hängt mit der Geschichte des Landes und der damit verbundenen sozialen und religiösen Entwicklung zusammen.

Angefangen beim Chavín, dem ältesten bekannten Steinbauwerk Perus über Tiahuanaco bis zur den Inkas, deren Hauptstadt Cuzco im heutigen Peru liegt, hatte sich eine eigenständige, hochstehende Kultur entwickelt. Landwirtschaft, Verkehrstechnik und Medizin. Die Einwohner verständigten sich in der Sprache "Quechua" und verehrten den Sonnengott Inti, zusammen mit dem Schöpfergott Viracocha und der Erdgöttin Pachamama.

Mit der Eroberung Perus durch Conquistador Francisco Pizarro im 16. Jahrhundert verbreiteten sich Sprache und Religion der Spanier im Lande und vermischten sich teilweise. So sind etwa ein Drittel der Vokabeln des aktuellen Quechua, das heute etwa 3 Millionen Peruaner sprechen, spanischen Ursprungs.

Trotz oft mit brutalen Methoden durchgesetzter Missionierung hat sich der christliche Glaube der Eroberer bis heute nicht vollständig und in reiner Form etabliert. So entstand ein vielfältiger Synkretismus, der regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Der indigene Bevölkerungsanteil, der in Peru etwa die Hälfte der Einwohner ausmacht, ist sozial und wirtschaftlich stark benachteiligt.

Forderungen nach eigener ethnischer Identität und das Recht auf die eigene Kultur, Religion und Sprache sowie politische Gleichstellung finden nur zögerlich Eingang in die peruanische Politik. So wird Quechua als die Sprache der Urbevölkerung als offizielle Sprache anerkannt, hat aber im öffentlichen Leben kaum Bedeutung, sondern ist auf den häuslichen und dörflichen Alltag beschränkt.



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Madeinusa - Das Mädchen aus den Anden" in der Regie von Claudia Llosa liefen am 09.11.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Stille Sehnsucht - Warchild
Drama, Deutschland, 2006

Jagdfieber
Animation, USA, 2006

Ein Gutes Jahr
Drama, USA, 2006

Der Letzte Zug
Drama, Deutschland, 2006

Der Fluch - The Grudge 2
Mystery-Drama, USA, 2006

Children of Men
SciFi-Drama, England, USA, 2006

Abschalten! Apaga y vámonos
Dokumentation, Spanien, Chile, 2005

7 Jungfrauen
Drama, Spanien, 2005

Ebenfalls im Kino 




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