Mit der Veröffentlichung von Antonia Frasers Biographie "Marie Antoinette: The Journey" erregte die Lebensgeschichte der französischen Königsgattin im Jahre 2002 einmal mehr weltweit Aufmerksamkeit. Das Buch wurde umgehend für seine akribischen Recherchen gelobt, die eine komplett neue und bezwingende Sicht auf die oft verschmähte Monarchin erlaubten. Fraser zeichnete nicht etwa das Bild einer herrischen Königin, die sich des Elends ihres Volkes nicht bewusst war, sondern das einer einfallsreichen, lebenslustigen Jugendlichen, die von Natur aus warmherzig und einfühlsam war, aber auch unvorbereitet auf die Anforderungen war, die das stets unter Beobachtung stehende Leben am französischen Hof von Versailles und die Intrigen der politischen Mächte mit sich brachten.
"Marie Antoinette" ist der dritte Film von Autorin und Regisseurin Sofia Coppola. "Alles, was wir gemacht haben, basiert auf Recherchen über die Ära. Doch gleichzeitig wird alles auf eine zeitgenössische Art und Weise betrachtet", sagt Coppola. "Meine größte Angst lag darin, einen Film mit der Stimmung eines theatralischen Meisterwerks zu machen. Ich wollte keinen trockenen, historischen Kostümfilm mit einer distanzierten, kühlen Aneinanderreihung von Einstellungen drehen. Es war sehr wichtig für mich, die Geschichte auf meine eigene Art und Weise zu erzählen. So wie ich wollte, dass sich "Lost in Translation" anfühlt, als hätte man gerade ein paar Stunden in Tokio verbracht, wollte ich, dass dieser Film dem Publikum das Gefühl vermittelt, in jener Zeit in Versailles gelebt zu haben. Ich wollte, dass sich das Publikum in dieser Welt verliert."
"Mein Hauptziel war nicht ein großes, historisches Epos“, beschreibt Coppola ihre ursprüngliche Herangehensweise an "Marie Antoinette":
"Ihr Leben ist eine große, historische Chronik. Davor hatte ich Respekt, und so wollte ich die Geschichte aus Marie Antoinettes Perspektive erzählen, die zeigt, wie sie heranwächst und reift. Die meisten der Storys, die wir über sie kennen, stammen aus der Sichtweise anderer. Ich war viel weniger an dem politischen und historischen Blick auf ihr Leben interessiert, sondern mehr an ihrer persönlichen Erfahrung. Lieber als ein stickiges, formales Porträt zu schaffen, wollte ich zeigen, wie sich der Mensch verhalten haben könnte, wenn er hinter verschlossenen Türen stecke."