Wie haben Sie reagiert, als man Ihnen angeboten hat, Adolf Hitler zu spielen?
In meinen Augen ist es reizvoller, einen bösen Menschen zu spielen. Ein Mörder gibt immer mehr her als ein Prokurist, der zuhause seinen Kindern Englischunterricht gibt, zum Essen geht und Bötchen
fährt. Und je größer der Verbrecher ist, umso größer ist der Reiz, das zu spielen.
Glauben Sie, dass man mit den Stilmitteln der Komödie eine Geschichte über Hitler und den Nationalsozialismus erzählen darf?
Das Lachen ist entlarvender und revolutionärer als betretenes Schweigen und verklemmtes Vertuschen. Komödie ist das einzige Ausdrucksmittel, mit dem man so eine Geschichte vorführen kann, weil sie der Realität sehr viel näher kommt als eine realistische Darstellung, die jedoch nie an das Original herankommen kann.
Der zeitliche Abstand macht es leichter, sich als Künstler an die Geschehnisse im Dritten Reich zu wagen. Die Unfähigkeit über den Nationalsozialismus zu lachen, hat häufig damit zu tun, dass die
Menschen aus Mitgefühl ernst sind. Sie sind oft unsicher, weil sie nicht wissen, wie weit man gehen darf. Im Umgang mit Humor gibt es ja diesen Gemeinschaftszwang, der nach hinten losgehen kann.
Viele Menschen lachen in der Gemeinschaft, aber viele auch gerade nicht, aus Angst etwas falsch zu machen. Auch eine unglaubliche Ernsthaftigkeit kann zum Lachen reizen, es gibt Leute, die sind so
ernst und so verbittert und verbiestert, so fies, dass man auch zwangsläufig darüber lachen muss, grotesk, wie eben auch Adolf Hitler zum Beispiel.
Was war für Ihre Herangehensweise wichtiger, der echte Hitler in den Wochenschauen oder die verschiedenen Darstellungen von Charlie Chaplin bis Bruno Ganz?
Wenn überhaupt, dann habe ich nur an die Wochenschauen gedacht, aber auch das nicht. Ich habe mir Tonbänder bringen lassen, an die man normalerweise nicht rankommt, auf denen man Hitler in
möglichst privater Atmosphäre erleben kann. Davon gibt es sehr wenig, und diese Aufnahmen haben mir mehr über den Menschen verraten als die Masse der Aufnahmen von öffentlichen Auftritten auf der großen Bühne, bei denen er seine Stimme so erhebt und so rumblökt. Der Botschafter von Dänemark oder Schweden und Hitler unterhalten sich, das heißt, der andere sagt gar nichts, und Hitler gibt unheimlich an, wirft mit Zahlen um sich, von Panzern und Kriegern, wie so ein Kind im Sandkasten, das sagt "das ist aber meins", "das hab aber ich gebaut", "das bin ich". Die Art, wie er sich da präsentiert, aber zugleich unsicher und fahrig ist, hat mir diese Figur sehr gut erschlossen.