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Mein Führer

Deutschland, 2007
Komödie, 89 Minuten

Originaltitel
Mein Führer

Kino-Start
11.01.2007

Regie
Dani Levy

Darsteller
Helge Schneider (Adolf Hitler), Ulrich Mühe (Prof. Adolf Israel Grünbaum), Sylvester Groth (Dr. Joseph Goebbels), Adriana Altaras (Elsa Grünbaum), Stefan Kurt (Albert Speer), Ulrich Noethen (Heinrich Himmler), Lambert Hamel (Obergruppenführer Rattenhuber), Udo Kroschwald (Martin Bormann), Torsten Michaelis (SS-Wachmann Moltke), Axel Werner (Erich Kempka), Victor Schefé (Rottenführer Puffke), Lars Rudolph (Kammerdiener Heinz Linge), Wolfgang Becker (KZ-Kommandant Banner), Bernd Stegemann (Dr. Morell), Meret Becker (Sekretärin), Tim Fischer (Kempkas Geliebte), Marion Kracht (Rosemarie Riefenstahl), Ilja Richter (Kurt Gerheim), Katja Riemann (Eva Braun), Hinnerk Schönemann (Kommissar)
Mein Führer - Kinoplakat
Als 2004 "Der Untergang" in die Kinos kam, löste er noch eine lange und umfangreiche Debatte darüber aus, ob man Hitler und die Personen in seiner engsten Umgebung in einem abendfüllenden Spielfilm mit gleichsam menschlichen Gefühlen zeigen dürfe. In "Mein Führer" bemühen sich nun Helge Schneider, Ulrich Mühe, Ulrich Noethen, Katja Riemann und viele andere aus der Garde Deutschlands bekanntester Film- und Fernsehschauspieler, Hitler und sein Gefolge ins Lächerliche zu ziehen.

Weihnachten 1944: Der Krieg ist für Deutschland quasi schon verloren. Dennoch drängt Propagandaminster Goebbels (Sylvester Groth) Adolf Hitler (Helge Schneider) zu einer letzten Durchhalterede. Der Führer aber ist matt und müde und zu einem flammenden Vortrag nicht mehr imstande.

Der einzige, der jetzt Hitler noch helfen kann - das jedenfalls ist die Überzeugung von Goebbels - ist Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe), der dem Führer einst Schauspielunterricht gab. Das Dumme ist nur, dass Grünbaum Jude ist und gerade im Konzentrationslager Sachsenhausen sitzt.

Gleichviel: Goebbels holt Grünbaum aus dem Lager, und dieser beginnt mit Lockerungs- und Sprachübungen für Hitler, was bei dessen Stab - Speer (Stefan Kurt), Himmler (Ulrich Noethen) und Bormann (Udo Kroschwald) - für einige Verwirrung sorgt.

Aber alle Bemühungen erweisen sich als Fehlschlag, als der Diktator ausgerechnet am Morgen des Tages, an dem er seine letzte große Rede halten soll, seine Stimme verliert. Nun muss Grünbaum für den Führer sprechen, der für die Kameras lediglich seine Lippen bewegt. Grünbaum allerdings gedenkt nicht, sich an den vorgegebenen Redetext zu halten...



Film-Inhalt  


Der Führer (Helge Schneider) bei strategischen Planungen
Der Führer (Helge Schneider) bei strategischen Planungen


  Hintergrund


Oh Schreck: Der Bart ist ab
Oh Schreck: Der Bart ist ab

"Mein Führer" spielt großteils in Albert Speers gigantischem Bau der Neuen Reichskanzlei. Die überdimensionierten Räume stellten Regie und Ausstattung vor logistische Probleme. Es gibt nur genau zwei Gebäude in Berlin und Umgebung, die über vergleichbare Räumlichkeiten verfügten: Die ehemalige Kaserne Krampnitz und das Amtsgericht in Charlottenburg. Beide wurde als Drehorte genutzt.

Für die Außenaufnahmen stellten sich andere Probleme: Als Ehrenhof der Neuen Reichskanzlei wurde der Innenhof des heutigen Finanzministeriums - und damaligen Luftfahrtministerium - genutzt. Finanzminister Peer Steinbrück erteilte die Genehmigung, in seinem Ministerium zu drehen und für ein paar Stunden mit Hakenkreuzfahnen die Zeit des früheren Hausherren Hermann Göring wieder lebendig werden zu lassen.

Für das große Finale im Berliner Lustgarten, mit dem größten Statistenheer, das der jüdische Regisseur Dani Levy bisher dirigieren musste, wurde der Platz vor dem Berliner Dom abgesperrt und in die NS-Zeit verwandelt. "Das war ein Dreh, der sich nun wirklich nicht verheimlichen ließ", erinnert sich Produzent Stefan Arndt. "Der Aufmarsch war europaweit auf den Titelseiten der Zeitungen, und ich war schon sehr erschrocken, als ich morgens zum Drehort kam, als es gerade hell wurde, und da hockten auf den Bäumen schon überall die Fotografen. Wenn man auf so einem historischen Platz Hitler im offenen Auto durch die 'Heil' brüllende Menge fahren lässt, kann man diese Aufmerksamkeit nicht vermeiden."

Der Kameramann Carsten Thiele erinnert sich: "Besonders schockierend fand ich es zu erleben, wie Hunderte von Komparsen 'Sieg Heil!' brüllten: Da lief es mir kalt den Rücken herunter, und ich wagte kaum, mir vorzustellen, wie sich das erst bei Tausenden von Leuten anfühlen müsste. In diesem Moment habe ich zum ersten Mal hautnah gespürt, wie gefährlich Massenaufläufe sind – und was für eine Macht ein Demagoge hat, der solche Menschenmengen beeinflussen kann."



Wie haben Sie reagiert, als man Ihnen angeboten hat, Adolf Hitler zu spielen?

In meinen Augen ist es reizvoller, einen bösen Menschen zu spielen. Ein Mörder gibt immer mehr her als ein Prokurist, der zuhause seinen Kindern Englischunterricht gibt, zum Essen geht und Bötchen fährt. Und je größer der Verbrecher ist, umso größer ist der Reiz, das zu spielen.

Glauben Sie, dass man mit den Stilmitteln der Komödie eine Geschichte über Hitler und den Nationalsozialismus erzählen darf?

Das Lachen ist entlarvender und revolutionärer als betretenes Schweigen und verklemmtes Vertuschen. Komödie ist das einzige Ausdrucksmittel, mit dem man so eine Geschichte vorführen kann, weil sie der Realität sehr viel näher kommt als eine realistische Darstellung, die jedoch nie an das Original herankommen kann. Der zeitliche Abstand macht es leichter, sich als Künstler an die Geschehnisse im Dritten Reich zu wagen. Die Unfähigkeit über den Nationalsozialismus zu lachen, hat häufig damit zu tun, dass die Menschen aus Mitgefühl ernst sind. Sie sind oft unsicher, weil sie nicht wissen, wie weit man gehen darf. Im Umgang mit Humor gibt es ja diesen Gemeinschaftszwang, der nach hinten losgehen kann. Viele Menschen lachen in der Gemeinschaft, aber viele auch gerade nicht, aus Angst etwas falsch zu machen. Auch eine unglaubliche Ernsthaftigkeit kann zum Lachen reizen, es gibt Leute, die sind so ernst und so verbittert und verbiestert, so fies, dass man auch zwangsläufig darüber lachen muss, grotesk, wie eben auch Adolf Hitler zum Beispiel.

Was war für Ihre Herangehensweise wichtiger, der echte Hitler in den Wochenschauen oder die verschiedenen Darstellungen von Charlie Chaplin bis Bruno Ganz?

Wenn überhaupt, dann habe ich nur an die Wochenschauen gedacht, aber auch das nicht. Ich habe mir Tonbänder bringen lassen, an die man normalerweise nicht rankommt, auf denen man Hitler in möglichst privater Atmosphäre erleben kann. Davon gibt es sehr wenig, und diese Aufnahmen haben mir mehr über den Menschen verraten als die Masse der Aufnahmen von öffentlichen Auftritten auf der großen Bühne, bei denen er seine Stimme so erhebt und so rumblökt. Der Botschafter von Dänemark oder Schweden und Hitler unterhalten sich, das heißt, der andere sagt gar nichts, und Hitler gibt unheimlich an, wirft mit Zahlen um sich, von Panzern und Kriegern, wie so ein Kind im Sandkasten, das sagt "das ist aber meins", "das hab aber ich gebaut", "das bin ich". Die Art, wie er sich da präsentiert, aber zugleich unsicher und fahrig ist, hat mir diese Figur sehr gut erschlossen.



Interview mit Helge Schneider  


Der Führer und sein Lehrer (Helge Schneider, Ulrich Mühe)
Der Führer und sein Lehrer (Helge Schneider, Ulrich Mühe)
► Cast, Crew► Filmplakat► Teaser-Poster► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Mein Führer" in der Regie von Dani Levy liefen am 11.01.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Last Days
Drama, USA, 2005

Lady Vengeance
Mysterythriller, Südkorea, 2005

Die Queen
Drama, England, Frankreich, Italien, 2006

Der Fluch der Betsy Bell
Thriller, USA, 2005

Brinkmanns Zorn
Dokumentation, Deutschland, 2006

Anplagghed
Komödie, Italien, 2006



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