War der pakistanische Geheimdienst ISI in die Anschläge vom 11. September 2001 verwickelt? Und wenn ja, in welchem Umfang? Hatte der ISI zumindest Kenntnis von den Anschlagsvorbereitungen, warnte die Amerikaner jedoch nicht? Und falls dies so war, in wieweit waren dann auch pakistanische Regierungskreise verstrickt?
Diesen Fragen wollte Daniel Pearl in Karachi nachgehen. Es waren zweifellos heikle Fragen, heikel nicht nur für die pakistanische, sondern auch für die amerikanische Regierung, die Pakistan - wenn wohl auch mit Geld, guten Worten und sanfter Gewalt - zum Verbündeten in dem anschließenden Kampf gegen den Terror machte.
Fest stehen folgende Fakten: Daniel Pearls späterer mutmaßlicher Mörder, Scheich Ahmed Omar Saeed, ein 1973 in Großbritannien geborener Islamist und mutmaßlich einer der Stellvertreter von Osama Bin Laden, überwies der Terror-Zelle um Mohammed Atta von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus 100.000 Dollar in die USA. Einen Tag vor den Anschlägen vom 11. September überwies Atta alle unverbraucht gebliebenen Mittel wieder dorthin zurück.
Nach Berichten der "Times of India" vom Oktober 2001, die sich auf Quellen des indischen Geheimdienstes beruft, soll der eigentliche Geldgeber hinter Scheich Omar jedoch General Mehmood Ahmed gewesen sein - der damalige Chef des pakistanischen Geheimdienstes, der ohne Angabe von Gründen zu etwa dieser Zeit seines Amtes enthoben wurde.
Wenn auch keinen Beweis für ein Auftrags-Verhältnis, so doch aber für häufige intensive Kontake zwischen Scheich Omar und der ISI-Spitze, soll sich auch aus den Verbindungsdaten des indischen Mobilfunkbetreibers ergeben, bei dem Scheich Omar Kunde war.
Die geschilderten Sachverhalte, Mutmaßungen und Gerüchte waren in den USA zwar von verschiedenen Medien aufgegriffen worden, jedoch war das Wall Street Journal - soweit bekannt - die einzige Zeitung, die mit Daniel Pearl einen ihrer Journalisten mit der Vor-Ort-Recherche von Details beauftragte.