Du hast in Cannes den "Preis der sehr jungen Kritik" erhalten und den Drehbuchpreis der Autorengesellschaft SACD zu. Glückwunsch!
Danke! Ja, ich freue mich sehr darüber, besonders über den Schülerpreis. Denn auch mich hat das dfjw schon als junger Student gefördert.
Cannes hast Du viel später als Teilnehmer der ersten Masterclass der Deutsch-Französischen Filmakademie ( Ludwigsburg / Paris) mit einer Förderung des Jugendwerks kennengelernt.
Ja, das war 2002, ich gehörte zum ersten Jahrgang der deutsch-französischen Masterclass. Wir waren für drei Tage hier, eher als Zaungäste, danach war ich ziemlich erschlagen und hab mir im Spaß gesagt, wenn ich wieder hierher komme, dann nur mit einem eigenen Film. Es ist ein Wunder für mich, dass das geklappt hat. "Pingponf" ist mein Abschlussfilm an der HFF Konrad Wolf, nicht nur meiner, auch von den Kommilitonen, dem Kameramann, dem Tonmann, der Szenografin und der Produktionsleiterin. Es ist für uns alle ein toller Abschied von der Hochschule in Potsdam und ein wunderbarer Anfang in der Berufswelt.
Der Film kam hier sehr gut an, für Franzosen sieht dein Film sicher auch etwas französisch aus ...
Meine Absicht war es nicht, einen deutschen oder französischen Film zu drehen, sondern eine Geschichte zu erzählen, die mir am Herzen liegt und die aus meinem unmittelbaren Lebensumfeld entstanden ist.
In Deutschland gibt es derzeit viele Erstlingsfilme zum Thema Familie, und sie ernten gute Kritik. Aber nur selten schafft es einer nach Cannes.
Warum die deutschen Filme der letzten zwei bis drei Jahre sich dem Thema so oft widmen, kann ich nur für mich beantworten. Familie ist eben ein zeitloses und universelles Thema.
Die französische Kritik spricht von der "nouvelle vague du cinéma allemand" und meint damit das Label "Berliner Schule". Und ein Kollege von "Libération" schrieb letztens: "Das deutsche Kino hat die deutlichsten Erneuerungszeichen aller Filmländer der Welt gezeigt".
"Berliner Schule"… "Schule" klingt nach Lehrplan und Pädagogik, das sollte man, denke ich, nicht ganz so ernst nehmen. Aber immerhin hat dieses Label geholfen, dass das junge deutsche Kino international besser wahrgenommen wird, ähnlich wie das dänische Dogma-Label vor ein paar Jahren. Und das ist gut so.
Du hast letztes Jahr mit "Sommerspiele" einen 22minüter gedreht, der dem Plot von "Pingpong" sehr ähnlich ist. Zum Teil mit dem gleichen Team, und auch die Rollennamen sind dieselben ...
"Sommerspiele" war eine Art Vorstudie zu "Pingpong" – als Versuch, mich dem Mikrokosmos anzunähern, den ich in meinem langen Film ausführlich unter die Lupe nehme. Der Film ist elliptisch erzählt und wirkt wie ein Fragment einer langen Geschichte – das ist kein klassischer Kurzfilm, der auf eine einzige Pointe baut.
Kurzfilme werden in Frankreich auch deutlicher wahrgenommen, diskutiert...
Ja, einfach ernst genommen als Kunstform. Ich hab das mal in Angers erlebt, dass da Kurzfilme eine Stunde lang diskutiert wurden, die Filme selbst gingen nur ein paar Minuten. In meiner Sektion (Semaine de la Critique) gab es vor jedem langen einen Kurzfilm, zu dem auch die Regisseure da waren, in meinem Fall ein Japaner - für 15 Minuten Film wurde nachher ausführlich diskutiert. Kino hat hier einen anderen Stellenwert, und die Leute sind konzentrierter bei der Sache - im Kino kann man halt nicht wegzappen.
Frankreich macht's möglich ...
Ja, und so, wie's aussieht, kommt der Film auch in Frankreich ins Kino: Das wäre für mich besonders toll, denn ich habe es der Filmkultur in Frankreich zu verdanken, dass ich das europäische Autorenkino kennen gelernt habe.
Als Jugendlicher bin ich so gut wie nie ins Kino gegangen, damals wollte ich lieber schreiben, Journalist oder Reiseschriftsteller werden. Ich habe dann auch in Tübingen Romanistik, Germanistik und Rhetorik studiert. Dann, mit Anfang 20, konnte ich in Lyon Wenders und Fassbinder entdecken, die kannte ich vorher alle gar nicht. Dort gab es ein Kino, das dem europäischen Autorenkino Programmreihen gewidmet hat, das habe ich dort auch zum ersten Mal mit großem Interesse wahrgenommen.
Aber natürlich wünsche ich mir, dass mein Film auch in Deutschland rauskommt...
So, jetzt muss ich aber los. Ich bekomme gleich von den Briten die "Palme Dog" überreicht, den erhält der Film mit dem besten Hundeauftritt von allen Filmen der Croisette!
Die Fragen stellte Caroline Elias, Fachjournalistin für französischen Film und Mitarbeiterin der Französischen Filmtage Tübingen.