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Pornorama - oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts

Deutschland, 2007
Liebeskomödie

Originaltitel
Pornorama - oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts

Kino-Start
11.10.2007

Regie
Marc Rothemund

Darsteller
Benno Fürmann (Freddie), Tom Schilling (Bennie), Karoline Herfurth (Luzi), Michael Gwisdek (Filmvorführer), Elke Winkens (Frau Schröder), Dieter Landuris (Césare), Lisa Potthoff (Irene), Martin Glade (Lothar), Christian Näthe (Walter), Valentina Lodovini (Gina Ferrari), Leonie Brill (Emmelie Schröder), Sandra Ferrara (Elke), Josef Heynert (Polizei-Obermeister Stürmer), Patrick Finger (Lasse)
Pornorama - oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts - Kinoplakat
"Helga" war 1967 die Pionierin des bundesdeutschen Aufklärungsfilms und löste im Lande eine Sexwelle aus. Wenn es nach Regisseur Marc Rothemund geht, so ist deren legitime Nachfolgerin "Rita" - in seiner Sexfilm-im-Film-Komödie "Pornorama - oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts", in der Tom Schilling Erfahrung als Regisseur sammelt - und in Sachen Sex.

Ende der 1960er Jahre in der Bundesrepublik ist eine Zeit der Bewegung und der Umwälzung. Für Freddie (Benno Fürmann) ist es zudem eine Zeit des schnellen Geldes - und auch des schnellen Verlustes. Er lebt in München ung glaubt immer noch den ganz großen Coup landen zu können - sein letzter ging allerdings in die Hose: Da sein Geschäft mit einer Partie Antibabypillen nicht so lief wie geplant, hat sich der als Nachtwächter in einer Bank jobbende Eddie von dieser mal eben 10.000 Mark aus der Kasse geborgt.

Nun hat er einen neuen Plan, aus seinem finanziellen Engpass wieder herauszukommen: Freddie will auf der heranflutenden Sexwelle reiten und einen schicken "Aufklärungsfilm" drehen. Zu diesem Behufe bittet er seinen jüngeren Bruder Bennie (Tom Schilling) um Mitarbeit, der mit der Kamera umgehen kann. Dieser muss sich das verlockende Angebot erstmal überlegen, hat er doch als Polizeianwärter nicht nur einen gewissen Ruf zu verlieren, als solcher hat er sich zudem mit Luzi (Karoline Herfurth) ein Problem angelacht, denn er hat sich bei einer Observierung in die reizende Kommunardin hoffnungslos verguckt.

Schließlich sagt Bennie zu, den Part des Regisseurs zu übernehmen, der gealterte Filmvorführer des Apollo-Kinos (Michael Gwisdek) ist von dem Projekt eingenommen, und in Cesare (Dieter Landuris), dem schmierigen Betreiber einer Pizzeria, findet sich bald ein Finanzier für das cineastische Werk. Letzterer hat auch gleich mit dem italienischen Möchtegernsternchen Gina Ferrari (Valentina Lodovini) einen zugkräftigen und vor allem optisch attraktiven Star für den Film parat.

Gina bereitet der Crew allerdings einige Probleme, beherrscht sie doch kein Wort Deutsch und weigert sich außerdem, sich auszuziehen - für einen Sexfilm zumindest letzteres ein eher schwerwiegendes Hindernis. Ein weiteres muss Bennie kleinlaut seinem Bruder eingestehen: Er selber tut sich schwer mit dem Thema, weil er - noch nie Sex gehabt hat.

Allerdings ist er mit der hübschen Luzi auf dem besten Wege dahin, und auch Bruder Freddie hat mit Kiosk-Betreiberin Frau Schröder (Elke Winkens) ein Eisen im Feuer. Entsetzt ist Freddie allerdings, als ihm Bennie die Rolle des sexuell entkräfteten Freundes der Hauptfigur Rita anträgt. Nicht nur berufliche Anregung holen sich derweil Bennie und Luzi bei Eheberaterin Prof. Dr. Inge Schönberg...



Film-Inhalt  


Mysterien des Kinos: Aufklärung Ende der 1960er
Mysterien des Kinos: Aufklärung Ende der 1960er


  Hintergrund


Wandel durch Annäherung: Bennie (Tom Schilling) und Luzi (Karoline Herfurth)
Wandel durch Annäherung: Bennie (Tom Schilling) und Luzi (Karoline Herfurth)

Bereits mit "Harte Jungs" hatte Regisseur Marc Rothemund zusammen mit Drehbuchschreiber Granz Henman das Motto "Sex sells" erfolgreich in einem Kinofilm umgesetzt. Nach dem Ende der Dreharbeiten blieben die beiden in Kontakt, und es kristallisierte sich bald ein weiteres Projekt heraus. Henman schlug zunächst das Format eine Fernsehserie für "Pornorama" vor, doch dann einigte man sich, die Idee als Kinofilm zu realisieren.

Auch Bernd Eichinger erfuhr davon, war schnell davon angetan und schloss sich den beiden an. Eichinger und Rothemund wollten, dass der Film in den 1960er Jahren spielt, um die Verklemmtheit der damaligen Zeit in Sachen Sex dramaturgisch zu nutzen. Da es sich auch um einen "Film im Film" handelt, konnten die am Drehbuch Beteiligten ihre durchaus wechselhaften Erlebnisse in diesem Metier verarbeitn.

Um das Thema Sex und Aufklärung möglichst authentisch zu behandeln, hat Drehbuchautor Stephan Puchner eine Vielzahl von Publikationen auf diesem Gebiet gewälzt und sich auch einige einschlägige Streifen angeschaut. Von diesen Machwerken sind verschiedene Ausschnitte in "Pornorama" zu sehen.



In der Bundesrepublik der Nachkriegszeit waren die Deutschen zunächst einmal mit dem Wiederaufbau und dann mit dem Wirtschaftswunder vollauf beschäftigt. Doch im Lauf der 1960er Jahre hatte fast alle wieder ein Dach über dem Kopf und standen in Brot und Lohn - 1965 mit einer Arbeitslosenzahl von traumhaften 150.000.

So ging es zögerlich und mit einer aus heutiger Sicht rührenden und zum Schmunzeln anregenden Naivität an die sexuelle Aufklärung der Bevölkerung. Der erste diesbezügliche Film "Helga - Vom Werden des menschlichen Lebens" kam 1967 unter Initiative und mit offizieller Unterstützung des SPD-geführten Gesundheitsministeriums der Großen Koalition zustande.

Nachdem dieser Film mit über fünf Millionen Kinobesuchern ein Renner wurde, entstanden weitere Aufklärungsfilme ähnlicher Art, mit denen sich insbesondere der Publizist Oswalt Kolle hervortat, mit Werken wie "Das Wunder der Liebe" (1968) oder "Deine Frau, das unbekannte Wesen" (1969). Allerdings hatte er damals noch mit FSK und Staatsanwaltschaft zu kämpfen

Im Schlepptau dieser mehr oder weniger seriösen Aufklärungsfilme folgte dann eine wahre Flut von Sexfilmen jeglicher Couleur, von denen die Reihe "Schulmädchen-Report" mit dreizehn Filmen zwischen 1970 und 1980 in Deutschland die populärste war. Aus dieser Reihe gingen einige später durchaus renommierte Schauspieler hervor, wie etwa Jutta Speidel oder Heiner Lauterbach.

Der Kinoverleih der Schulmädchen-Filme erfolgte über die Constantin Film - da mag sich mancher fragen, ob es Ironie des Schicksals oder einfach nur Bernd Eichingers Humor ist, dass die Constantin auch "Pornorama - oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts" produziert hat.



Sex and the Sixties  


Die Frau, das unbekannte Wesen: Gina Ferrari (Valentina Lodovini)
Die Frau, das unbekannte Wesen: Gina Ferrari (Valentina Lodovini)

  Die Locations


Freddie (Benno Fürmann) doziert über filmische Details
Freddie (Benno Fürmann) doziert über filmische Details

Die Schauplätze waren größtenteils in und um Ramersdorf, einem südöstlichen Stadtbezirk von München. Die Stadt war von den 68er-Revolten weniger stark betroffen als beispielsweise Westberlin oder Frankfurt. Das lag zum einen daran, dass hier eher die sexuelle Freiheit als politischen Themen bei den Demonstrationen im Vordergrund standen, andererseits gab es ein auf Deeskalation ausgelegtes Einsatzkonzept der Polizei.

Für die Sequenzen, die im Kino stattfinden, standen die schon damals existierenden Lichtspielhäuser Maxim und Tivoli zur Verfügung, in denen mit nicht allzu viel Aufwand das Flair der Sechziger erzeugt wurde. Die aufwendigste Location war hingegen der Hofgarten, eine Parkanlage in der Nähe der Ludwig-Maximilians-Universität, in dem rund 350 Statisten die Teilnehmer der Studentendemo darstellen.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Pornorama - oder die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts" in der Regie von Marc Rothemund liefen am 11.10.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Wintersonnenwende - Die Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts
Fantasy-Abenteuer, USA, 2007

Sicko
Dokumentation, USA, 2007

Operation: Kingdom
Psychothriller, USA, 2007

Nachmittag
Drama, Deutschland, 2007

Klopka - Die Falle
Politthriller, Serbien, Deutschland, Ungarn, 2007

Heimatklänge
Dokumentation, Schweiz, Deutschland, 2007

Gespräche mit Gott
Doku-Drama, USA, 2006

Gegenüber
Drama, Deutschland, 2007

Die Vorahnung
Thriller-Drama, USA, 2007

December Boys
Familiendrama, Australien, England, USA, 2007

Ebenfalls im Kino 




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