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Prinzessin

Deutschland, 2006
Drama, 82 Minuten, FSK: 16

Originaltitel
Prinzessin

Kino-Start
04.10.2007

Regie
Birgit Grosskopf

Darsteller
Irina Potapenko (Katharina), Henriette Müller (Yvonne), Desirée Jaeger (Jenny), Amina Schichterich (Mandy)
Prinzessin - Kinoplakat
Im Alter von fünf Jahren wussten sie alle noch, was sie werden wollten: Nämlich "Prinzessin", sagt Regisseurin Birgit Grosskopf über die Figuren in ihrem gleichnamigen Film. Tatsächlich wurden aus ihnen keine Prinzessinnen, sondern schwerstkriminelle weibliche Jugendliche. Und von eben diesen erzählt der Film.

Ein kalter, grauer Wintertag "zwischen den Jahren" in den Vororten einer beliebigen deutschen Großstadt: Hier - zwischen tristen Hochhaussiedlungen und monotonen Einkaufspassagen, zwischen noch glitzernder Weihnachtsdekoration und ersten Sylvesterböllern - ist das Revier der Mädchenbande um Yvonne (Henriette Müller). Doch die Gruppe steht vor ihrer Auflösung:

Am nächsten Tag soll Yvonne eine Jugendstrafe antreten. Ihre beste Freundin, die Spätaussiedlerin Katharina (Irina Potapenko), hat einen Job in einem Hotel bekommen und wird ebenfalls nicht mehr nur in den Straßen abhängen können, zudem hat sich ihre heimliche Liebe Daniel (Martin Kiefer) bei der Bundeswehr verpflichtet.

Doch bevor dieser zweifelhafte Lebensabschnitt dem Ende zugeht, möchte sich Yvonne mit ihren Freundinnen - neben Katharina sind es Marlene (Caroline Peters) und Mandy (Amina Schichterich) - noch einmal so richtig austoben. Kurzerhand verprügeln sie in der S-Bahn ein Mädchen, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Auch ein Supermarkt wird schnell noch einmal beklaut, und auch ein paar Freier auf dem Weg in ein nahegelegenes Bordell bekommen den Frust der Mädchen zu spüren.

Eines aber ist Yvonne besonders wichtig: Der "Türken-Schlampe" Özlem (Neshe Demir), die eine nicht minder kriminelle Bande junger Türkinnen anführt, noch einmal "so richtig eines auf die Schnauze hauen".

Doch beim "auf-die-Schnauze-hauen" soll es diesmal nicht bleiben. Yvonne hat sich eine scharfe Schusswaffe besorgt. Das allerdings geht selbst der sonst so abgebrühten Katharina zu weit. Als dann schließlich auch noch Polizei auftaucht, kommt es zur Katastrophe...



Film-Inhalt  


Yvonne und ihre Bande
Yvonne und ihre Bande


  Film-Kritik


Schnell noch mal Prügel austeilen: Yvonne (Henriette Müller)
Schnell noch mal Prügel austeilen: Yvonne (Henriette Müller)

Der Film wurde mit dem First Steps Award als bester Debütspielfilm des Jahres 2006 ausgzeichnet. In der Begründung hieß es unter anderem: "'Prinzessin' ist einer dieser Filme, die einen tagelang nicht loslassen. Eine Mädchengang, die sich mit ebenso beiläufiger wie unbeschreiblicher Brutalität die grauen Tage zwischen den Jahren im Plattenbau-Ghetto vertreibt. Meisterlich erzählt sind sowohl dieser Ort – ein Irgendwo im Nirgendwo, das Dortmund, Hamburg oder Marzahn heißen kann – als auch die Zeit – ein akustischer Kriegszustand verfrühter Silvesterböller."

"Prinzessin" gewann auch den Max-Ophüls-Preis 2006 und den "First Work's Award" auf dem Festival Internacional de Cinema Festroia in Setúbal, Portugal, 2007.

Auf dem Achtung Berlin! Festival 2006 kam noch eine lobende Erwähnung hinzu.



"Prinzessin" ist der erste Spiefilm der Regisseurin Birgit Grosskopf, die auch das Drehbuch schrieb.

Die 1972 in Köln geborene Filmemacherin studierte zunächst Archäologie, bevor sie über die Schauspielerei zum Film kam. Während eines späteren Studiums der angewandten Film- und Theaterwissenschaften in England war sie u.a. als Übersetzerin und Deutschlehrerin in London tätig. Seit 1998 arbeitet sie als Lektorin und Übersetzerin von Drehbüchern für verschiedene Filmfirmen. Nebenbei schrieb sie Bücher und führte Regie bei einer Reihe von Kurzfilmen.

Birgit Grosskopf sagt über ihren Film: "Der Schauplatz ist eine westdeutsche Vorstadt. Alles ganz sauber und monoton, gleichförmig. So, dass man eigentlich nur weg will. Wenn man wüsste, wohin. Meine Protagonistinnen suchen sich Auswege. Sie stemmen sich verbal und mit vollem Körpereinsatz gegen ihre Umgebung. Eigentlich sind sie furchtbar romantisch. Mit fünf wusste jede noch, was mal aus ihr werden soll: eine Prinzessin. Aber jetzt sind sie leider keine fünf mehr."

Der Film wurde vom WDR koproduziert und durch die Filmstiftung NRW gefördert.



Hintergrund  


Der letzte Tag der Bande
Der letzte Tag der Bande

  Jugendkriminalität


Das nächste Opfer ist schon da
Das nächste Opfer ist schon da

Im Jahre 2006 wurden laut der offziellen Kriminalstatistik des BKA 100.487 Kinder in einem Alter von unter 14 Jahren, 278.447 Jugendliche zwischen 14 bis unter 18 Jahren und 241.824 Heranwachsende im Alter von 18 bis 20 Jahren als Tatverdächtige ermittelt. Damit ist die Jugendkriminalität in Deutschland seit dem Jahre 2000 durchgehend rückläufig, insbesondere die Kinderkriminalität ging um fast 40% zurück.

Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist Jugendkriminalität etwas geradezu Normales: In Befragungen geben regelmäßig etwa 70% der Mädchen und 90% der Jungen an, in ihrem Leben bereits irgendetwas getan zu haben, was sich formal als Straftat werten läßt.

Strafrechtlich relevantes Verhalten gehört mithin innerhalb gewisser Grenzen zum Erwachsenwerden. Neugier und Erproben von gesellschaftlichen Toleranzgrenzen sind häufige Motive.

Lediglich 6% aller Jugendlichen sind Mehrfachtäter, und nur etwa 3% werden als Intensivtäter eingestuft. Dies entspricht in etwa auch den Zahlen für erwachsene Kriminelle.



► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Prinzessin" in der Regie von Birgit Grosskopf liefen am 04.10.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Superbad
Komödie, USA, 2007

Still Life
Liebesdrama, China, 2006

Stellungswechsel
Komödie, Deutschland, 2007

Ratatouille - Rattenscharf serviert
Animation, USA, 2006

Planet Terror
SciFi-Horror, USA, 2007

Monks - The Transatlantic Feedback
Musik-Dokumentation, Deutschland, USA, Spanien, 2006

Lady Chatterley
Liebesdrama, Frankreich, 2006

Immer nie am Meer
Psycho-Groteske, Österreich, 2007

Geliebte Jane
Romantik-Drama, Irland, 2007

Anderland
Drama, Norwegen, 2006

Ebenfalls im Kino 




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