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Die Quereinsteigerinnen

Deutschland, 2005
Tragikomödie, 81 Minuten, FSK: 0

Originaltitel
Die Quereinsteigerinnen

Kino-Start
17.08.2006

Regie
Rainer Knepperges, Christian Mrasek

Darsteller
Nina Proll (Barbara), Claudia Basrawi (Katja), Mario Mentrup (Stefan), Rainer Knepperges (Harald Winter), Klaus Lemke (Korn)
Die Quereinsteigerinnen - Kinoplakat
Die Einführung der mausgrauen Tarntelefonzellen durch die Telekom in den 1990er Jahren ist auf Unmut und Unverständnis in weiten Teilen der Bevölkerung gestoßen. Eine Retrowelle der besonderen Art inszenieren nun die Regisseure Rainer Knepperges und Christian Mrasek um dieses Thema.

Harald Winter (Rainer Knepperges), Manager eines Telefonkonzerns, freut sich nach einer arbeitsreichen Woche auf ein geruhsames Wochenende. Eigentlich wollte er zum Flughafen, doch Fahrerin Barbara (Nina Proll) hat erst noch ihre Freundin Katja (Claudia Basrawi) abgeholt. Dann fliegt auch noch Winters Handy aus dem Autofenster, und als der Wagen an einem Wochenend-Häuschen mitten im Wald irgendwo in Schleswig-Holstein anhält, merkt er, dass etwas nicht stimmt.

Tatsächlich haben die beiden Frauen spontan beschlossen, den Fahrgast zu entführen und kippen ihm erstmal vorgeblich versehentlich Suppe auf den Anzug, damit Winter nicht verschwindet. Ihr Ziel ist nicht etwa Lösegeld. Zusammen mit Katjas Exfreund Stefan (Mario Mentrup), der sich zu dem Kidnapper-Duo gesellt, formulieren sie einen Erpresserbrief und fordern in ganz Deutschland die Ersetzung der neuen Telefonsäulen durch die alten, gelben Telefonzellen.

Zwar wird Winter zum Übernachten an eine Sonnenliege gefesselt, doch die beiden Damen bemühen sich mit Musik und Tanz, Gesellschaftsspielen und Eierlikör, dem unfreiwilligen Gast den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Und obwohl der sich über die dilettantische Vorgehensweise seiner Entführer mokiert und zunächst einige halbherzige Fluchtversuche wagt, so genießt er doch bald die Tage ohne Pflichten und insbesondere die Nähe zu Barbara.

Allerdings leidet Haralds Selbstbewusstsein darunter, dass in den Zeitungen, die Barbara täglich mit dem Mofa aus dem Dorfladen abholt, keine Bemerkung über seine Entführung steht. Doch dann schöpfen die Erpresser doch noch Hoffnung: Tatsächlich wird im Ort die erste neue - alte - gelbe Zelle aufgestellt. Allerdings taucht auf einmal der Sonderermittler Korn (Klaus Lemke) im Dorf auf und bedroht damit die Idylle des ungleichen Quartetts...



Film-Inhalt  


Wollen die gelbe Zelle: Barbara (Nina Proll) und Freundin Katja (Claudia Basrawi)
Wollen die gelbe Zelle: Barbara (Nina Proll) und Freundin Katja (Claudia Basrawi)


  Film-Kritik


Ans Bett gefesselt: Harald Winter (Rainer Knepperges)
Ans Bett gefesselt: Harald Winter (Rainer Knepperges)

Der Eindruck drängt sich auf, als habe das Filmteam das Thema der mangelnden Professionalität des Entführungsfalles in der Machart des Films aufgegriffen. Damit erhält das Werk einen ganz eigenen Charme. Ausstattung, Kleidung und Musik wirken so, als habe das Team Flohmärkte auf der Suche nach Nostalgika aus den 1970er Jahren abgeklappert - das Medium ebay mag man ihnen gar nicht erst unterstellen.

Bei der Inszenierung hat man den Eindruck, als wäre der Regisseur mit dem Ausfüllen der Rolle des Harald Winter bereits derart überfordert gewesen, dass für eine vernünftige Führung des Casts keine Zeit mehr übrig geblieben wäre. So agieren die Schauspieler mit den offensichtlich zumindest teilweise improvisierten Dialogen aufgesetzt künstlich.

Letztlich ist es eher eine Geschmacks- denn eine Stilfrage, ob ein solchermaßen technisch wie künstlerisch minimalistisches Werk zusagt. Woran es überdies mangelt, ist genügend thematischer Stoff, der für durchgängige Unterhaltung sorgen kann. So empfiehlt sich der Film für den, der sich trotz fortgeschrittenen Alters ein gerüttelt Maß an Infantilität bewahrt hat.



Die Evolutionsstufe Handy bedroht einen Dinosaurier der Telekommunikation mit dem Aussterben: Den öffentlichen Münzfernsprecher in Form der Telefonzelle. Tatsächlich waren die ersten sogenannten Fernsprechhäuschen, die die Deutsche Reichspost Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt hatte, rot, so wie bis heute noch in England und einigen Ländern des Commonwealth. Mit dieser Signalfarbe sollte es den Passanten erleichtert werden, im Notfall Hilfe zu rufen.

Erst später wurden die Zellen im ebenfalls auffälligen Gelb der Post gehalten, das im Gegensatz zu rot auch von den meisten Farbenblinden erkannt wird, und das Stahl der Urkonstruktion wurde durch Kunststoff ersetzt. Nach der Privatisierung der Deutschen Bundespost in die Deutsche Telekom AG im Jahre 1995 wollte das neue Unternehmen sein Corporate Identity auch in den Telefonhäuschen zum Ausdruck bringen.

Daher wurde sukzessive die gelben Zellen durch solche in hellgrau mit magenta-farbenen Dächern und Applikationen ersetzt, den neuen Hausfarben der Telekom. Nach dem Jahr 2000 ging die Telekom dazu über, die wetter- und lärmgeschützten, aber in der Herstellung, Wartung und Reinigung teuren Telefonzellen durch freistehende Telefonsäulen auszutauschen. So wurde in der Anschaffung rund ein Drittel eingespart.



Hintergrund  


Man kommt sich näher: Harald Winter und Barbara
Man kommt sich näher: Harald Winter und Barbara

► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Die Quereinsteigerinnen" in der Regie von Rainer Knepperges, Christian Mrasek liefen am 17.08.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Zum Glück geküsst
Liebeskomödie, USA, 2006

Wer früher stirbt ist länger tot
Komödie, Deutschland, 2006

TRIP - Remix your Experience
Musik, Deutschland, 2005

The Pianotuner of Earthquakes
Drama, Deutschland, England, Frankreich, 2005

Superman Returns
Science Fiction, Australien, USA, 2006

Neil Young: Heart of Gold
Musikdokumentation, USA, 2005

Emmas Glück
Tragikomödie, Deutschland, 2006

Der Hals der Giraffe
Drama, Frankreich, Belgien, 2004



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