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Das Reichsorchester

Deutschland, 2007
Dokumentation, 90 Minuten, FSK: 0

Originaltitel
Das Reichsorchester

Kino-Start
01.11.2007

Regie
Enrique Sánchez Lansch

Darsteller
Johannes Bastiaan, Erich Hartmann
Das Reichsorchester - Kinoplakat
Enrique Sánchez Lansch ist sowohl als TV-Produzent für die ARD-Serie "Verbotene Liebe" wie auch für seine Dokumentarfilme zu Musikthemen bekannt. Im Jahre 2004 gewann er für seine Dokumentation über die Berliner Philharmoniker "Rhythm Is It!" zahlreiche Preise, unter anderem den Bayerischen Filmpreis. In "Das Reichsorchester" widmet sich Lansch ein zweites Mal diesem Klangkörper. Diesmal geht es um dessen Rolle während der Zeit des Nationalsozialismus.

Das Jahr 1882 gilt als das Gründungsjahr der Berliner Philharmoniker, die mithin 2007 ihr 125-jähriges Jubiläum feiern konnten. Doch das wirtschaftliche Überleben dieses zu den weltweit führenden Ensembles gehörenden Sinfonieorchesters war keineswegs immer gesichert:

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise gerieten die damals als GmbH geführten und von der Stadt Berlin nur wenig, zeitweise gar nicht unterstützten Philharmoniker Anfang der 1930er Jahre an den Rand des Konkurses.

Vor der drohenden Pleite bewahrt wurde die Musikertruppe von niemand anderem als den neuen Reichskanzler Adolf Hitler persönlich. Er ernannte sie zum staatlichen Reichsorchester und unterstellte sie direkt dem Propagandaministerium und also Josef Goebbels.

In den Folgejahren spielten die Berliner Philharmoniker ergo regelmäßig auf den Reichsparteitagen der NSDAP, bildeten das musikalische Rückgrat der Olympischen Spiele 1936 in Berlin und tourten mit dem Auftrag, dem Ausland die Überlegenehit der deutschen Kultur zu demonstieren, rund um die Welt.

Gleichzeitig wird das Orchester aber auch "arisiert": Der Dirigent Szymon Goldberg, die Cellisten Nikolai Graudan und Joseph Schuster sowie der Geiger Gilbert Back sind zwar hervorragende Musiker, allerdings nicht rein deutscher Abstammung. Sie müssen das Orchester verlassen und gehen ins Exil.

Der Dokumentarfilmer Enrique Sánchez Lansch hat in seiner filmischen Betrachung über die Verstrickungen von Musik und Politik unter anderem mit den letzten noch lebenden Orchestermitgliedern aus der damaligen Zeit geprochen.



Film-Inhalt  


Musizieren unter dem Hakenkreuz
Musizieren unter dem Hakenkreuz


  Hintergrund


Nie kapitulieren
Nie kapitulieren

Enrique Sánchez Lansch ist als Dokumentarfilmer zu den verschiedensten Themen der Musik bekannt.

In "Das Reichsorchester" stützt er sich auf persönliche Erinnerungen ehemaliger Orchestermitglieder und deren Angehöriger, die nicht selten in grellem Kontrast zu offiziellen Dokumenten der NSDAP und aus dem Reichs-Propagandaministerium stehen.

Johannes Bastiaan, Philharmoniker ab 1934. Er sagt zum Thema Krieg und Politik: "Als Künstler, als Musiker stand man diesen Dingen so fern. Wenn man so in der Musik drinsteckt, interessieren einen diese politischen oder staatlichen Dinge eigentlich gar nicht."

Erich Hartmann, Philharmoniker ab 1943, hat hingegen ganz andere Erinnerungen: "Wir haben darüber offen gesprochen, ja. Man musste nur wissen, mit welchen Kollegen man sprach. Es gab ja auch einige echte Nazis im Orchester. Aber der überwiegende Teil, der war normal. Da konnte man als Kollege sprechen, wie Kollege zu Kollege; und mit denen sprach man dann nicht, mit diesen sogenannten Nazis, die doch mit drin waren, es gab einige. Aber höchstens eine Handvoll, mehr nicht."

Andreas Hoppe ist der Stiefsohn des Geigers Bruno Stenzel, einem "Halbjuden". Er berichtet eindringlich von der ständigen Angst seines Stiefvaters, dass ihm die Zugehörigkeit zu den Philharmonikern beim geringsten, auch nur scheinbaren Verstoß entzogen werden könnte.

Der Film wurde von Radio Berlin Brandenburg coproduziert und mit Mitteln des Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt.



Nach Ende des Krieges mussten eine ganze Reihe von Künstlern aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP das Orchester verlassen. Auch darüber spricht Lansch mit Nachkommen der Betroffenen.

Andreas Röhn, Konzertmeister des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, erinnert sich an seinen Vater Erich Röhn, der lange Jahre in der Nazi-Zeit die Berliner Philharmoniker geleitet hatte:

"Erich Röhn ging 1945 mit einigen Kollegen zum neu gegründeten Sinfonieorchester des NWDR nach Hamburg. Sein früheres Streichquartett, in dem auch zwei überzeugte, engagierte Parteigenossen spielten, erwähnte er selbst im Familienkreis nie wieder."



Nach 1945  


Demonstranten gegen das Orchester
Demonstranten gegen das Orchester
► Cast, Crew► Filmplakat► Foto-Galerie

  Ebenfalls im Kino


Zeitgleich mit dem Film "Das Reichsorchester" in der Regie von Enrique Sánchez Lansch liefen am 01.11.2007 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Weißt was geil wär?
Komödie, Deutschland, 2007

Nach 7 Tagen - Ausgeflittert
Komödie, USA, 2007

Mit den Waffen einer Frau - Gold im Visier
Sport-Doku, Deutschland, USA, Österreich, Finnland, Schweden, 2007

Königreich Arktis
Dokumentation, USA, 2007

Kirgisische Mitgift
Drama, Kirgisien, Deutschland, Frankreich, 2006

Jindabyne
Drama, Australien, 2006

Jennas Kuchen - Für Liebe gibt es kein Rezept
Liebeskomödie, USA, 2007

It´s Winter - Zemestan
Drama, Iran, 2006

Bis zum Ellenbogen
Komödie, Deutschland, 2007



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