Enrique Sánchez Lansch ist als Dokumentarfilmer zu den verschiedensten Themen der Musik bekannt.
In "Das Reichsorchester" stützt er sich auf persönliche
Erinnerungen ehemaliger Orchestermitglieder und deren Angehöriger, die nicht selten in grellem Kontrast zu offiziellen Dokumenten der NSDAP und aus dem Reichs-Propagandaministerium stehen.
Johannes Bastiaan, Philharmoniker ab 1934. Er sagt zum Thema Krieg und Politik: "Als Künstler, als Musiker stand man diesen
Dingen so fern. Wenn man so in der Musik drinsteckt, interessieren einen diese politischen oder staatlichen Dinge eigentlich
gar nicht."
Erich Hartmann, Philharmoniker ab 1943, hat hingegen ganz andere Erinnerungen: "Wir haben darüber offen gesprochen, ja. Man musste nur wissen, mit welchen Kollegen man sprach. Es gab ja auch
einige echte Nazis im Orchester. Aber der überwiegende Teil, der war normal. Da konnte man als Kollege sprechen, wie Kollege zu Kollege; und mit denen sprach man dann nicht, mit diesen sogenannten Nazis, die doch mit drin waren, es gab einige. Aber höchstens eine Handvoll, mehr nicht."
Andreas Hoppe ist der Stiefsohn des Geigers Bruno
Stenzel, einem "Halbjuden". Er berichtet eindringlich von der ständigen Angst seines Stiefvaters, dass ihm die Zugehörigkeit
zu den Philharmonikern beim geringsten, auch nur scheinbaren Verstoß entzogen werden könnte.
Der Film wurde von Radio Berlin Brandenburg coproduziert und mit Mitteln des Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt.