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Road to Guantanamo

England, Pakistan, Afghanistan, 2006
Doku-Drama, 95 Minuten, FSK: 12

Originaltitel
Road to Guantanamo

Kino-Start
21.09.2006

Regie
Michael Winterbottom, Mat Whitecross

Darsteller
Ruhel Ahmed, Asif Iqbal, Shafiq Rasul, Riz Ahmed (Shafiq), Farhad Harun (Ruhel), Waqar Siddiqui (Monir), Afran Usman (Asif Iqbal), Shahid Iqbal (Zahid), Sher Khan
Road to Guantanamo - Kinoplakat
Guantanamo Bay - hier halten die USA hunderte von Menschen in rechtsfreiem Raum gefangen. Drei davon sind ihrem Schicksal entronnen, und ihren Leidensweg beschreibt Michael Winterbottom in seinem Doku-Drama "Road to Guantanamo". Auf der Berlinale 2006 wurde er mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie in diesem Werk ausgezeichnet.

Die Briten Ruhel Ahmed (Farhad Harun), Shafiq Rasul (Riz Ahmed) und Monir (Waqar Siddiqui) reisen auf Einladung ihres Freundes Asif Iqbal (Arfan Usman) ins pakistanische Punjab, um an dessen Hochzeitsfeier teilzunehmen. Der Flug geht nach Karatschi, wo sie nach einigen Tagen der Entspannung mit dem Bräutigam in spe und Shafiqs Cousin Zahid (Shahid Iqbal) eine Moschee aufsuchen. Der Imam bewegt sie dazu sich einem Konvoi anzuschließen, der ins benachbarte Afghanistan aufbricht, um dort humanitäre Hilfe zu leisten.

Während die Gruppe über Kandahar nach Kabul unterwegs ist, haben die Alliierten unter Führung der USA ihren durch den Terroranschlag in New York ausgelösten Luftangriff begonnen. In der Hauptstadt angekommen, begreifen die Männer, dass sie mitten im Kriegsgebiet gelandet sind. Sie beschließen umgehend, wieder nach Pakistan zurückzukehren, doch da sie die Sprache der Bevölkerung nicht verstehen, steigen sie in einen Kleinbus ein, der stattdessen nach Norden fährt. Über das Gebirge geht es ausgerechnet nach Kundus, einer Hochburg der Taliban, die unter Beschuss der Nordallianz und dem Bombardement der US-Luftwaffe liegt.

Nachdem sie Monir aus den Augen verlieren, besteigen die übrigen vier einen LKW, der sie im Konvoi mit anderen Flüchtlingen under sicherem Geleit Richtung Kandahar bringen soll. Doch dieser gerät unter Beschuss, und die Passagiere werden von Angehörigen der Nordallianz gefangengenommen und in Container eingesperrt. Danach werden sie in Sheberghan inhaftiert, wo sie mit Mitarbeitern des Roten Kreuzes sprechen können, die die britische Botschaft in Karatschi informieren. Am 28. Dezember 2001 werden die Gefangenen in ein Lager des US-Militärs nach Kandahar gebracht. Bei den Verhören, bei denen auch Spezialisten des SAS teilnehmen, werden die Männer geschlagen.

Während Zahid nach Pakistan gebracht wird, werden die übrigen drei in das Gefangenenlager der USA auf Kuba verfrachtet. Im Camp X-Ray von Guantanamo Bay kommen sie zunächst in freiligenden Käfigzellen und werden dann ins Camp Delta in Stahlcontainer verlegt. Während ihrer Jahre dauernden Gefangenschaft erhalten die drei britischen Staatsangehörigen weder die Möglichkeit, mit einem Anwalt zu sprechen, noch richterliches Gehör. Es gibt keine Anklage und kein Gerichtsverfahren, stattdessen zahlreiche Verhöre, Folter, Misshandlungen und Erniedrigungen. Als Beleg für ihre Verstrickungen in die Terroranschläge vom 11. September soll ein Video über eine Kundgebung mit Al-Quaida-Chef Osama Bin Laden und Flugzeugentführer Mohammed Atta herhalten, auf dem die drei identifiziert worden wären.

Doch schließlich bestätigt der MI5 auf Druck der britischen Botschaft die Alibis der drei, dass zur fraglichen Zeit Asif und Ruhel in ihrem englischen Wohnort Tipton ihre Bewährungsauflagen erfüllt haben und Shafiq seiner Arbeit in einem Elektronik nachgegangen war. Am 5. März 2004, fast zweieinhalb Jahre nach ihrer Verhaftung, werden die drei nach London überführt. Dort werden sie in der Hochsicherheits-Polizeistation Paddington Green ein letztes Mal verhört, bevor man sie freilässt.



Film-Inhalt  


Noch guter Laune: Ruhel (Farhad Harun), Shafiq (Riz Ahmed) und Asif (Arfan Usman)
Noch guter Laune: Ruhel (Farhad Harun), Shafiq (Riz Ahmed) und Asif (Arfan Usman)


  Film-Kritik


Ahnen nichts Böses: die Tripton Three im Konvoi nach Kandahar
Ahnen nichts Böses: die Tripton Three im Konvoi nach Kandahar

Nach der Freilassung der drei Engländer pakistanischer Abstammung erfuhr Regisseur Michael Winterbottom von deren Martyrium und war schnell entschlossen, das Thema in einem Film zu behandeln. Die drei jungen Männer erklärten sich zu Interviews bereit, die zum Verständnis in die Spielfilmhandlung eingebunden werden, die außerdem durch Originalaufnahmen von Nachrichtensendern ergänzt wird. Dass dadurch eine subjektive Perspektive entsteht, ist Absicht und macht den Film zu einer offenen Anklage gegen das Verständnis der US-Behörden von Gerechtigkeit und Menschenwürde.

Was als abenteuerliches Roadmovie beginnt, wandelt sich zu einem Kriegsfilm und endet schließlich in einem Gefangenendrama. Auch wer die Nachrichten um den Krieg in Afghanistan und das Gefangenenlager Guantanamo Bay aufmerksam verfolgt hat, wird durch die Bilder schockiert sein. Dramaturgisch folgt die Handlung naturgemäß´weitgehend den Schilderungen der drei Interviewten und ist zunächst packend, im weiteren Verlauf im Gefangenenlager dann nervenzerreibend.

Allerdings hätte man sich für einen Film mit dokumentarischem Anspruch eine erweiterte Perspektive gewünscht. So bleibt das persönliche und familiäre Umfeld der Protagonisten fast völlig ausgeklammert, und auch die vom Roten Kreuz und britischen Stellen unternommenen Interventionen werden wenig beleuchtet. Dennoch ist "Road to Guantanamo" ein wichtiges und auch sehenswertes Werk, das auch in Zeiten der Umwälzung zu einer neuen Weltordnung die Einhaltung der Grundwerte einer Zivilisation anmahnt.



► Cast, Crew► Trailer► Filmplakat► Foto-Galerie

Zeitgleich mit dem Film "Road to Guantanamo" in der Regie von Michael Winterbottom, Mat Whitecross liefen am 21.09.2006 in Deutschland im Kino auch die folgenden Spielfilme an:

Swinger Club
Drama, Deutschland, 2006

She´s the Man - Voll Mein Typ
Komödie, USA, 2006

Oh wie schön ist Panama
Zeichentrick, Deutschland, 2006

In den Süden
Drama, Frankreich, Haiti, Kanada, 2005

Ich, Du und der Andere
Komödie, USA, 2006

Gambit
Dokumentation, Deutschland, Schweiz, 2005

Der Unbekannte Soldat
Dokumentation, Deutschland, 2006

Der Kick
Kriminalfilm, Deutschland, 2006

Crank
Action, USA, 2006

Candy
Liebesdrama, Australien, 2006

Brick
Drama, USA, 2005

Ebenfalls im Kino 




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