"Schnitzelparadies" ist eine Mainstream-Komödie, die einen Bruch zu Ihren bisherigen, eher kleinen und künstlerischen Filmen darzustellen scheint. Warum dieser Wechsel, und warum jetzt?
Es kam mir nicht wie ein großer Wechsel vor. Tatsächlich denke ich, die Veränderung der Denkweise kam zwischen "The Cave" (De Grot) und "South" (Het Zuiden). Ich verstehe, dass Leute diesen Film dennoch als ersten Film für ein großes Publikum sehen. Ich wollte immer Filme wie diesen machen, und die Zeit schien reif, um einige der Themen von "Schnitzelparadies" anzugehen; ich fühlte mich einfach ungezwungen genug, in der Lage zu sein, diesen Film so zu machen, wie ich es wollte. Es war der erste Film bei dem ich das große Publikum in Gedanken hatte, was eine andere Art von Druck erzeugt, wenn der Film davor steht, veröffentlicht zu werden. Alles schien vielversprechend zu sein, doch die Figuren mussten es erst noch beweisen.
In wieweit hat die aktuelle soziale und politische Lage in Holland die Entwicklung des Films beeinflusst?
Ich hatte den klaren Eindruck, dass die öffentliche Diskussion in Holland die Fragen um Immigranten und Integration überdramatisiert und polarisiert; das war überhaupt nicht etwas, das ich in meiner eigenen Erfahrung sehen konnte. Ich dachte, dass es mehr als genug Dinge gäbe, die "sie" mit "uns" verband und umgekehrt, und ich wollte einen positiven Film darüber machen. Es gibt genügend optimistische Sachen über die Erfahrung mit Immigration in Holland zu sagen, also war die Absicht, eine Spaß-Komödie zu machen, die das Gefühl von gesellschaftlichem Zusammenhalt bei ihren Zuschauern erzeugen oder erneuern konnte.
Wie wichtig war der Erfolg der Kulturkampf-Komödie "Shouf Shouf Habibi" - meistbesuchter Film in Holland 2004 - für das Drehen dieses Films?
Zunächst würde ich bevorzugen, von multikultureller- statt von Kulturkampf-Komödie zu sprechen; "Schnitzelparadies" ist nicht wirklich über einen Kulturkampf, es ist einfach in einer multikulturellen Umgebung angelegt. Das Drehbuch von "Schnitzelparadies" war in der Entwicklung, bevor "Shouf" erschien, obwohl ich später herauskam. Mit Bezug auf den Erfolg von "Shouf" war es sicher einfacher, das Geld für dieses Projekt aufzutreiben, weil jener Film bewiesen hat, dass eine multikulturelle Komödie erfolgreich sein konnte. Was den Film selbst angeht, war er allerdings kein Vorbild für mein eigenes Werk.
Könnte man von einem Trend zu holländischen multikulturellen Komödien oder Filmen sprechen?
Ich hoffe es. Ich glaube nicht an einen Zufall, dass diese Filme gemacht worden sind und wohl noch mehr erscheinen werden. Diese beiden Filme waren sowohl bei der Kritik wie auch beim Publikum Hits, und sie haben Bewiesen, dass es einen Markt für Filme gibt, die sich mit diesen Themen befassen, und wie jede Art von Filmen, die einigen Erfolg hatten, wird es ähnliche Filme hervorbringen. Ich hoffe nur, dass die Leute das Phänomen nicht zu begrenzt sehen; das Wichtigste ist, dass die Filme die Gesellschaft reflektieren, aus der sie kommen. Das war lange Zeit nicht so in Holland, und wir sollten das aufholen; vielleicht haben wir mit "Shouf" und "Schnitzelparadies" begonnen, diese Lücke zu schließen.
Glauben Sie, es könnte auch noch ein holländisches "Gegen die Wand", ein brutal ehrliches Drama über zwei deutsch-türkische Immigranten geben?
Das wäre großartig, doch es ist ein weiterer Schritt auf der Leiter; der Filmemacher (Fatih Akin) ist selbst jemand mit Migrationshintergrund; im Gegensatz zu mir. In Holland gibt es immer noch sehr wenige Schauspieler und noch weniger Regisseure und Drehbuchschreiber, die solch einen Hintergrund haben. Vielleicht wird das in der Zukunft besser werden.