Was gefiel Ihnen an den "Schweren Jungs", als Sie das Drehbuch angeboten bekamen?
Mir war als Bayer der Anderl Ostler, also der echte Olympiasieger von 1952, noch ein Begriff. Als ich dann von der Grundgeschichte der Schweren Jungs erfahren habe, gefiel sie mir nicht nur sehr gut, sondern ich habe mich an die "historische Vorlage“ noch erinnert. Die Handlung hat mir gleich wahnsinnig gut gefallen, weil sie zum einen zwar das komödiantische Element enthält, zum anderen aber auch den Sport dahinter sehr ernst nimmt. Wir sind dann ja nur von der Grundgeschichte ausgegangen und haben fiktiv gearbeitet.
Was war Ihnen dabei am wichtigsten?
Eine charmante, lustige Besetzung zu finden. Es sollten gute Typen dabei sein, die auch eine bestimmte Art von Humor gut rüberbringen. Dass der Sebastian Bezzel dabei sein konnte, war ein echter Glücksfall.
Warum ist Sebastian Bezzel die Idealbesetzung?
Der ist prädestiniert für die Rolle! Wenn einer aus diesem Ort kommt, wo das tatsächlich geschehen ist, dann hat der so einen typischen Stolz dabei und einen Humor intus. Der Sebastian ist eben so, wie die Leute aus Garmisch sind – und er ist ein guter Schauspieler! Er hat es verstanden, das Bayerische nicht ins Lächerliche zu ziehen. Das war mir wichtig, dass wir sozusagen "unsere eigenen Leute“ nicht verraten. Außerdem kann der Sebastian die Verbissenheit zeigen, die der Gamser hat, das muss man einfach schon im Blut haben. Sebastian Bezzel hat übrigens Nessie Nesslauer empfohlen.
Sie haben eigens Teile einer Natureisbahn für die Bobszenen errichten lassen. Warum dieser Aufwand?
Weil einer der Gründe, diesen Film drehen zu wollen für uns das Flair der Fünfziger, die historische Genauigkeit war. Und dank eines Super- Szenenbildners wie Josef Sanktjohanser, einer tollen Maske, Waldemar Prokomski, und der exakten Kostümbildnerin Natascha Curtius-Noss besticht der Film auch dadurch, dass er die Fünfziger so durchgängig widerspiegelt. Von den Rucksäcken der Olympioniken bis zu den Kostümen und dem Make-Up der Damen ist alles authentisch. Und die Bobbahnen von 1952 hatten, neben der anderen Eisfarbe, auch einen ganz anderen Charme, Bobbahnen von heute sind gnadenlos mit Werbung zugepflastert.
Apropos Bobbahn. Sind Sie denn selbst mal den Eiskanal hinunter gerauscht?
Aber sicher! Kameramann Torsten Breuer saß ängstlich bibbernd in der Mitte und ich hinten - souverän als Bremser. Es kann aber sein, dass Torsten Breuer die Geschichte anders herum erzählt (lacht).
Haben Sie denn Ihre Darsteller zur Vorbereitung auch sportlich gedrillt?
Wir haben im Januar mit dem Dreh begonnen und an Weihnachten waren noch immer einige "zu sportlich“. Denen habe ich dann noch mal eingeschärft, sie sollen sich beim Festtagsbraten und den Vanillekipferln auf keinen Fall zurück halten. Das ist ja gerade das Schöne an "Schwere Jungs", das sie schwer sind! Endlich stehen hier auch einmal Leute, die dicker sind, im Mittelpunkt.
Bei den Dreharbeiten zu "Schwere Jungs" wussten Sie noch nicht, dass WER FRÜHER STIRBT, IST LÄNGER TOT, ein derartiger Erfolg werden würde…
… das hätte ja auch gar nichts geändert. Ich bin ja immer noch "grün hinter den Ohren“ im Filmgeschäft. Und "Schwere Jungs" habe ich hauptsächlich gestemmt, wegen der guten, erfahrenen Leute, die mit an Bord waren. Dazu gehört ganz besonders mein Kameramann Torsten Breuer. Auch wenn es heißt: Ein Film von Marcus Rosenmüller. Das ist eigentlich ein Schmarrn. In Wirklichkeit braucht man als Regisseur immer gute Leute um sich herum. Sonst nutzt’s alles nix. Und das war bei "Schwere Jungs" gegeben. Riesendank an meine Produzenten, die so einen Jungspund rangelassen haben!