Was für ein Film ist SCOOP?
Eine intelligente, witzige und geistreiche Komödie mit einigen dunklen Momenten. Ich bin ein großer Fan von Woody-Allens-Filmen, und als ich das Drehbuch las, fühlte ich mich an einige seiner frühen Komödien erinnert. Im Verlauf der Handlung bekommen Scarlett Johanssons und Woody Allens Figuren den Hinweis darauf, dass Peter, den ich spiele, ein Serienkiller sein könnte. Aber mein Charakter ist ein angehender Politiker und der Sohn eines Lords. Also in jeder Hinsicht das Gegenteil eines Mannes, den man verdächtigt, ein Mörder zu sein. Die Beweise beginnen sich zu verdichten, Scarletts Figur beginnt, sich in meine zu verlieben, und es wird sehr kompliziert.
Was für ein Mensch ist Ihr Peter Lyman?
Ich sah ihn als jemanden, den man in Magazinen wie "Hello" oder "OK" in England findet. Anders als amerikanische Blätter decken britische das High Society Leben von Aristokraten und ihren Sprösslingen ab. Peter entstammt einer sehr etablierten Familie; er ist ein flotter Mann, der in Stadtnähe lebt und Dates mit den angesagtesten Models hat.
Wie kommt es dazu, dass er sich mit Scarletts Figur einlässt?
Sie bekommt diesen Hinweis – von einem Geist – dass Peter ein Serienkiller sein könnte, und sie jagt dem hartnäckig hinterher. Sie und Woody Allens Charakter versuchen, meinen einer Untersuchung zu unterziehen. Peters Welt ist eher zugeknöpft und sehr förmlich. Als er Sondra trifft – auch wenn er sie ursprünglich als Jade Spence kennt – ist er fasziniert von ihr. Sie haut ihn um. Sie ist wunderschön, charmant und äußerst zielstrebig. Und darf ich es sagen, er verliebt sich in sie.
Ihr Charakter erinnert an den couragierten Reporter aus klassischen Filmen, der sagt, was er denkt, und dann geht.
So wie Scarlett das spielt, ist es wirklich wie eine Reminiszenz an diese mutigen jungen Reporter in alten Filmen.
Wie hat Woody Allen Sie dazu gebracht, Peter zu spielen?
Ich bekam einen Anruf von meinem Agenten, der mir sagte, dass Woody Allens Casting-Chef mich treffen wolle – für einen Film, der in London gedreht werden sollte, was mir komisch vorkam. Ein Woody Allen Film in London schien mir ein Widerspruch. Mir wurde außerdem gesagt, ich solle nicht beleidigt sein, wenn mein Zusammentreffen mit Woody nur zwei Minuten dauert.
Nun, das Treffen dauerte ungefähr drei Minuten, also lief es offensichtlich ganz gut. Er war ein bisschen wie "Nun, ich habe dieses Buch und ich weiß, du hast bestimmt Wichtigeres zu tun. Aber wenn du es lesen willst – was du wahrscheinlich nicht willst, aber wenn doch und wenn es dir gefällt, weißt du, dann wäre ich sehr glücklich, wenn du dabei wärst." Das war’s im Großen und Ganzen. Es war am Anfang einfach, und so sollte es weiter gehen. SCOOP zählt zu einer meiner schönsten Film-Erfahrungen bisher.
Sie hatten ihn nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspiel-Kollegen...
"Mit Woody Allen zu arbeiten" – ich liebe es, das zu sagen – "Mit Woody Allen zu arbeiten" – Ich musste mich manchmal kneifen! Die Arbeit mit ihm war großartig, denn es gelingt ihm, am Set eine unglaublich leichte Atmosphäre zu schaffen. Sehr ruhig und plötzlich schickt er um drei Uhr nachmittags alle nach Hause – fast wie die Arbeitszeit in einer Bank.
Er dreht nicht viele Einstellungen, es gibt nicht viele Proben. Ich muss Scarlett küssen in dem Film – ein harter Job, aber einer musste es tun – und Woody drehte nicht viele Einstellungen von diesen Szenen. Immerhin war das gut, als ich zu meiner Frau nach Hause kam: "Liebling, eine Einstellung, mehr war da nicht..."
Das große Problem für mich war, dass Woody manchmal gern improvisiert, vor allem bei seinen Texten. Er findet es auch in Ordnung, wenn man selbst frei mit dem Text umgeht. Natürlich war es jedesmal lustig, wenn er etwas hinzufügte und es anders war – ich musste manchmal lachen, und er war dann etwas ärgerlich. Er sagte: "Nein, nein, meine Figur ist rüpelhaft, sie ist nicht lustig." Darauf ich: "Aber wenn du weiter so improvisierst, wenn ich in der Szene bin, muss ich lachen. Du musst ein bisschen langweiliger sein."
Es war auch fantastisch, Woody und Scarlett zusammen arbeiten zu sehen. Sie haben eine einmalige Verbindung. Ich verstehe, warum er Scarlett gebeten hat, zurückzukommen und wieder mit ihm zu drehen. Sie sind sehr komisch zusammen am Set und brachten alle immer wieder zum Lachen.
Wie war die Zusammenarbeit mit ihr?
Sie ist wirklich außergewöhnlich, das Mädchen kann einfach alles. Auf der Leinwand erstrahlt sie. Am Set haben wir miteinander gesungen, sie singt wie ein Engel. Sie kann auch tanzen. So ziemlich jeder im Team war in sie verknallt.
Sie ist unglaublich bodenständig, sagenhaft talentiert, sehr selbstsicher. Mit ihr war der Film keinen Moment lang harte Arbeit. Ich habe gerade wieder mit ihr gedreht, Chris Nolans The Prestige.
Ihre Figur gibt viele Rätsel auf, wie sind Sie an diese doppeldeutige Rolle herangegangen?
Da der Film ebenso rätselhaft wie komisch ist, folgt man ihrer Beziehung und man weiß nicht, ist er ein Killer oder nicht. Ich bin Australier, habe aber englische Eltern und habe daher viel Zeit auf der Insel verbracht - aber die Briten lassen dich nicht in die Karten gucken. Es dauert lange, ehe man einen Engländer wirklich kennt. Ich wollte, dass Peter charmant ist, aber auch etwas reserviert. So ist er etwas hintergründiger – und so kann das Publikum bis zum Ende rätseln ...
Wie war der Dreh in London mit einem durch und durch amerikanischen Regisseur?
Sie lieben ihn dort. Das Schauspieler-Team in SCOOP war unglaublich. Menschen mit Adelstiteln kamen für einen Tag an den Set – Sir hier und Sir da. Sie kamen nur, weil sie mit Woody Allen arbeiten wollten. Er war gerührt, aber er sagte: "Ich fühle mich schrecklich – alles, was ich ihnen geben kann, ist ein einziger Satz." In London werden nicht viele Filme gedreht, und sicher nicht viele vom Kaliber eines Woody Allen-Films. Jeder, der dabei sein konnte, fühlte sich privilegiert und geehrt.
Hatten Sie das Gefühl, London mit neuen Augen zu sehen?
Nun, Woody mag kein direktes Sonnenlicht, wenn er draußen dreht. Direktes Sonnenlicht kann sehr hart sein; er denkt, es könnte die Schauspieler ein bisschen hässlich machen. Es war das erste Mal, dass ich in England arbeitete und alle begeistert waren, wenn es draußen bedeckt und grau war. Ich weiß nicht, ob er den Göttern geopfert hat, aber wir hatten vier Wochen lang dichte Wolken und kaum Regen – ungewöhnlich. Normalerweise klagen die Menschen dort oft übers Wetter, aber ich war von vielen glücklichen Leuten umgeben. Das ganze war ein großer Spaß und eine einmalige Gelegenheit, für die ich für immer dankbar sein werde.